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Akutes Koronarsyndrom

Der Begriff „akutes Koronarsyndrom“ fasst eine Reihe von Beschwerden zusammen, die auf eine plötzliche, unter Umständen lebensbedrohliche Durchblutungsstörung des Herzens hindeuten.

Das akute Koronarsyndrom ist eine vorläufige Diagnose, die erst einmal von den Notfallmedizinern gestellt wird. Es beschreibt eine akute, anhaltende Herz-Symptomatik. Es kann sich um einen Herzinfarkt mit oder ohne EKG-Veränderungen handeln oder um eine Vorstufe davon (Angina pectoris) handeln. Daher geht es sofort und ohne Umwege ins Krankenhaus!

Erst durch einige Untersuchungen (EKG, Blutuntersuchungen) kann genau geklärt werden, wie schwerwiegend die Schädigung des Herzmuskels ist, oder ob die Symptome von einem anderen Organ herrühren, wie z. B. der Wirbelsäule oder der Speiseröhre. 

Ursache

Im häufigsten Fall ist es eine deutliche Verengung oder ein Verschluss eines Herzkranzgefäßes durch Ablagerungen aufgrund von Atherosklerose („Arterienverkalkung“), die die lebensbedrohliche Durchblutungsstörung verursachen. Bei einem akuten Koronarsyndrom kommt es zum Aufbrechen einer atherosklerotischen Ablagerung, unter Umständen werden Teile davon vom Blutfluss weitergetragen und verstopfen das Blutgefäß dort, wo der sogenannte Embolus (Gefäßpfropf) stecken bleibt. Je nachdem, ob das entsprechende Blutgefäß nur teilweise oder ganz eingeengt wird und ob noch Blut in die dahinterliegende Herzmuskulatur fließen kann, ist das Ausmaß der Schädigung der Herzmuskulatur.

Das akute Koronarsyndrom ist ein Notfall und muss sofort behandelt werden!

 

letzte Aktualisierung: Dezember 2017

Plötzlich auftretende und anhaltende, dumpfe, brennende oder stechende heftige Schmerzen im Brustkorb oder ein starkes Engegefühl deuten auf ein akutes Koronarsyndrom hin. Diese Schmerzen können auch am Rücken spürbar sein und bis zum Hals und Kiefer und in die Arme ausstrahlen. Auch der Oberbauch kann betroffen sein.

Das akute Koronarsyndrom kann starke Luftnot verursachen. Der Körper kann auch mit Schweißausbrüchen, Übelkeit, Erbrechen und Schwäche reagieren.

Rufen Sie sofort den Notarzt wenn …

  • … Sie akut einsetzende Schmerzen im Brustkorb spüren
  • … Sie Atemnot verspüren und sich der Brustkorb wie eingeschnürt anfühlt 
  • … Sie Todesangst oder ein Vernichtungsgefühl haben
  • … Sie plötzlich Herzrhythmusstörungen oder ein „Herzstolpern“ bemerken

Stummer Herzinfarkt

Bei bis zu einem Viertel aller Herzinfarkte treten keine nennenswerten Schmerzen auf.

Frauen zeigen bei akutem Koronarsyndrom weniger typische Beschwerden. Oft sind Luftnot, Übelkeit, Erbrechen und Oberbauchbeschwerden die einzigen Symptome, die bei ihnen bei einem akuten Koronarsyndroms auftreten.

 

letzte Aktualisierung: Dezember 2017

Um die Beschwerden des Patienten rasch einordnen und dann auch richtig behandeln zu können, muss der Arzt schnell durch bestimmte Untersuchungen herausfinden, ob es sich tatsächlich um einen Herznotfall handelt.

Welche Untersuchungen werden durchgeführt

Neben einer Befragung und einer allgemeinen körperlichen Untersuchung (z. B. Abhören von Herz und Lunge) werden die folgenden Untersuchungen durchgeführt:

Elektrokardiogramm (EKG):

Weicht das EKG-Muster von der Norm ab, kann der Arzt oft schon aus der Form der Kurven erkennen, ob eine Durchblutungsstörung vorliegt und wenn ja, welche Herzregionen betroffen sind. Aber nicht jeder Herzinfarkt geht mit typischen Veränderungen im EKG einher. 

Laboruntersuchungen:

Die Konzentration bestimmter Eiweiße im Blut steigt nach einem Herzinfarkt rapide an. Sie werden von zugrunde gehendem Herzmuskelgewebe ins Blut freigesetzt. Eine Blutuntersuchung lässt häufig schon frühzeitig erkennen, ob ein Herzinfarkt vorliegt oder nicht.

Wenn diese Untersuchungen auf einen Herzinfarkt oder eine schwere Durchblutungsstörung des Herzens hinweisen, schließt sich eine Herzkatheteruntersuchung an, ansonsten wird mit individuell festgelegten Untersuchungen nach anderen Ursachen für die Beschwerden geforscht.

 

letzte Aktualisierung: Dezember 2017

Wird die Verdachtsdiagnose „akutes Koronarsyndrom“ gestellt, wird der Patient rasch mit einer Reihe von Medikamenten versorgt. Diese sollen entweder den Sauerstoffbedarf des Herzens senken (z. B. durch Senkung von Blutdruck oder Puls) oder die Sauerstoffversorgung verbessern (z. B. durch Weitstellung der Herzkranzgefäße). Dazu werden sogenannte Nitrate, Beta-Blocker und Kalziumkanalblocker verwendet. Wenn notwendig, bekommt der Patient auch Schmerz- und Beruhigungsmittel, um das Herz zu schonen. Gerinnungshemmende Medikamente wirken dem Fortschreiten der Blutgerinnselbildung entgegen, damit das Herz so gut durchblutet wird, wie es unter den gegebenen Umständen nur möglich ist. Sauerstoff wird dem Patienten nur verabreicht, wenn die Sauerstoffsättigung vermindert ist.

Erhärten Untersuchungen den Verdacht eines Herzinfarktes oder einer schweren Durchblutungsstörung des Herzens, schließt sich eine Herzkatheteruntersuchung mit Behandlung an, um das verschlossene oder verengte Blutgefäß, das für die Herzbeschwerden verantwortlich ist, so schnell wie möglich wieder durchgängig zu machen.

Oft kann das verengte Blutgefäß schon im Rahmen der Herzkatheteruntersuchung durch Aufblasen eines speziellen, auf den Untersuchungskatheter montierten Ballons aufgedehnt werden (PTA, perkutane transluminale Angioplastie). Plaques werden dabei zur Seite gedrängt. Um die Problemstelle zu stabilisieren, kann auch ein Metallröhrchen (Stent) eingesetzt werden, das im Blutgefäß verbleibt und die Engstelle dauerhaft offen hält. Sind diese Maßnahmen nicht ausreichend, kann ein weiterer Eingriff notwendig werden. Dann wird durch eine Operation der betroffene Gefäßabschnitt mit einem Bypass überbrückt.

Lesen Sie hier Genaueres zur Behandlung bei Herzinfarkt.

Bei einer Angina pectoris ohne Herzinfarkt reicht oft eine Behandlung mit Medikamenten aus, eventuell kann auch die Durchführung einer Herzkatheteruntersuchung nötig sein oder eine Operation. Dies hängt von den Ergebnissen weiterführender Untersuchungen ab.

 

letzte Aktualisierung: Dezember 2017

Das akute Koronarsyndrom entsteht meist nicht aus heiterem Himmel, sondern geht auf die fortschreitende Erkrankung Atherosklerose zurück, durch die Gefäße im gesamten Körper geschädigt werden können, vor allem die herzversorgenden Gefäße sowie Bein- und Beckenarterien.

Statine (Cholesterinsenker) werden eingesetzt, um die Gefäßheilung zu unterstützen und eine weitere Ablösung von Gefäßablagerungen zu verhindern. Bei guter Verträglichkeit wird empfohlen, diese Statine auch nach Ende des Krankenhausaufenthaltes unter Aufsicht des Hausarztes weiterhin einzunehmen, um diesen Effekt langfristig zu nutzen und die Blutfette zu senken.

Sie können selbst einiges tun, um Ihre Gefäße gesund zu erhalten.

Ein gesunder Lebensstil mit körperlicher Bewegung, einer ausgewogenen und maßvollen Ernährung und weniger Stress tragen dazu bei, das Risiko für ein akutes Koronarsyndrom zu reduzieren. Zigarettenrauchen ist ein besonders starker Risikofaktor, den es zu meiden gilt. Ein bestehender Diabetes sollte behandelt werden, um die Gefäße zu schonen. Ebenso sollten Sie Ihre Cholesterinwerte im Auge behalten. Es lohnt sich, überflüssige Pfunde abzuspecken, denn auch Übergewicht erhöht das Risiko für ein akutes Koronarsyndrom.

Was passiert, wenn jemand einen Herzinfarkt hat?

Schauen Sie sich hierzu auch unsere interaktive Infografik an.

 

letzte Aktualisierung: Dezember 2017

Roffi M et al. 2015 ESC guidelines for the management of acute coronary syndroms in patients presenting without persistent ST-segment elevation. Eur Heart J. 2016; 37:267-315
Piepoli F et al. 2016 European guidelines on cardiovascular disease prevention in clinical practice. Eur Heart J. 2016; 37:2315-2381
Möckel M, Störk T. Akuter Brustschmerz. Internist 2017; 58:900-907