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Atemnot

Atemlos oder außer Atem sein, dieses Gefühl hatte jeder schon mal. Nach einer größeren Anstrengung wie zum Bespiel Dauerlaufen oder schnelles Treppensteigen ist es normal, wenn man für einem Moment Luftknappheit verspürt. Aber wer öfters und trotz verstärkter Atmung das Gefühl hat, schlecht Luft zu bekommen, leidet unter Atemnot. Der Betroffene gerät buchstäblich beim Atmen in Not und kann im Extremfall sogar Angst verspüren, zu ersticken. Der medizinische Begriff hierfür ist Dyspnoe.

Atemnot ist das subjektive Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Der Körper reagiert darauf mit verstärkter Atmung, die bei anhaltender Atemnot rascher und flacher wird. Es kommt zur Kurzatmigkeit. Warum ist das so?

Beim Atmen wird Luft in die Lunge gesaugt, wo der Luftsauerstoff ins Blut übertragen wird und Kohlendioxid beim Ausatmen mit dem Luftstrom wieder abgegeben wird. Der lebenswichtige Sauerstoff wird über den Blutkreislauf im Körper verteilt. Eine Unterversorgung mit Sauerstoff (aus welchem Grund auch immer!) wird sofort an eine Steuerzentrale im Gehirn gemeldet, die das Signal „Atemnot“ gibt, um den Körper zur vermehrten Sauerstoffaufnahme anzuregen. In einem gesunden Körper wird so in kürzester Zeit wieder eine gute Versorgung mit Sauerstoff erreicht und das Gefühl Atemnot verschwindet. Hält die Atemnot jedoch an oder tritt häufiger oder schon nach leichter Anstrengung auf, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Abbildung: Fotolia #97107537 © Ljupco Smokovski

Atemnot ist bei älteren Menschen ein häufiges Symptom, dem viele verschiedene Ursachen zugrunde liegen können. Atemnot kann plötzlich und heftig auftreten (akute Atemnot) oder sich im Laufe der Zeit schleichend entwickeln, dann spricht man von einer chronischen Atemnot. Beide Formen der Atemnot sind bedenklich und können unterschiedliche Ursachen haben. Meist sind dies körperliche Ursachen, doch auch seelische Störungen oder Stress können Atemnot auslösen.
Zur Abklärung ist der Besuch beim Arzt unerlässlich.

Akute Atemnot

Die Ursachen für eine plötzliche, akute Luftknappheit sind vielfältig. Meist handelt es sich um Krankheitszustände, die einer sofortigen ärztlichen Hilfe bedürfen. Die häufigsten Ursachen sind:

  • Asthmaanfall. Meist ist in der Vorgeschichte ein Asthma bronchiale bekannt. Durch einen starken Krampf der Bronchien haben die Betroffenen Schwierigkeiten, die eingeatmete Luft wieder auszuatmen. Sie pressen die Luft aus der Lunge, es sind pfeifende Atemgeräusche hörbar.
  • Herzschwäche. Ist das Herz nicht mehr in der Lage, das aus der Lunge kommende Blut weiter zu pumpen, kommt es zu einem Rückstau in das Lungengewebe. In der Lunge bildet sich Wasser. Dieser Prozess kann langsam verlaufen und kaum Beschwerden bereiten. Hat sich jedoch sehr viel Wasser gebildet, wird die Lunge nicht mehr ausreichend belüftet und es kommt zu akuter Atemnot. Sie äußert sich anfangs nur bei Belastung, später tritt die Atemnot bereits ohne Anstrengung nur in Ruhe auf. Ursache einer plötzlichen Atemnot kann eine rasch auftretende Herzschwäche sein, beispielsweise aufgrund eines Herzinfarkts, einer Herzklappenerkrankung oder einer Herzrhythmusstörung.
  • Lungenembolie. Bei einer Beinvenenthrombose (die oft nicht bekannt ist und ohne Beschwerden verlaufen kann!) besteht die Gefahr, dass sich Gerinnsel ablösen und in der Blutbahn verschleppt werden. Gelangt der Blutpfropf in ein Blutgefäß der Lunge und verschließt es, kommt es akut zu einer mangelhaften Versorgung der Lunge und damit zu schwerer Atemnot. Ist ein großes Lungengefäß betroffen, besteht akute Lebensgefahr.
  • Fremdkörper. Das versehentliche Einatmen eines Fremdkörpers kann besonders bei bestehenden Schluckstörungen wie z.B. nach einem Schlaganfall auftreten. Wenn Essen in die Luftröhre statt in die Speiseröhre gelangt und dort die Bronchien verlegt, kommt es zu akuter Atemnot. In den meisten Fällen ist ein klarer Zusammenhang zwischen der Luftnot und dem Essen ersichtlich, sodass sofort richtig behandelt werden kann.
  • Allergische Reaktionen. Eine akute allergische Reaktion kann an den Bronchien oder im Bereich des Kehlkopfes zu Krämpfen führen, wodurch es zu akuter Atemnot kommt. Das Beschwerdebild gleicht einem Asthmaanfall, d.h. es bestehen Schwierigkeiten, die Luft wieder auszuatmen. Begleitend können Hautausschlag oder Juckreiz auftreten.
  • Hyperventilation. Bei dieser Form der Luftnot atmet der Betroffene zu schnell und zu hektisch ein und aus ("Überatmung"). Dadurch wird zu viel Kohlendioxid abgeatmet. Ursächlich sind häufig akute psychische Belastungen, starke Schmerzzustände oder neurologische Erkrankungen. Die Betroffenen klagen neben Atemnot über Taubheitsgefühl im Gesicht und in den Händen, die Finger krümmen sich in "Pfötchenstellung". Diese Form der Atemnot sieht bedrohlich aus, ist aber normalerweise harmlos.
  • Rippenbruch. Im Alter sind Stürze häufig. Dabei kann es leicht zum Bruch einer oder mehrerer Rippen kommen. In seltenen Fällen wird dabei das Lungengewebe verletzt und es tritt akute Atemnot nach dem Sturz auf. Häufiger kommt es zu Atemnot, wenn die Betroffenen aufgrund der heftigen Schmerzen im Brustkorb- und Rippenbereich nicht tief genug ein- und ausatmen. Dadurch wird die Lunge schlechter belüftet, Folge sind Infekte und Atemnot.
  • Lungenentzündung. Die Immunabwehr lässt im Alter nach, sodass Infekte häufiger auftreten und schwerer verlaufen als sonst. Bei einer akuten Lungenentzündung kommt es zu Atemnot, die meist von Fieber und Husten begleitet ist.

Chronische Atemnot

Die chronische Atemnot ist im Alter die häufigere Form der Atemnot. Sie entwickelt sich schleichend und wirkt deshalb meist weniger bedrohlich. Die Ursachen der chronischen Atemnot müssen jedoch unbedingt vom Arzt abgeklärt und behandelt werden. Die häufigsten Ursachen sind:

  • Herzschwäche. Aufgrund von Durchblutungsstörungen, Herzklappenerkrankungen oder Herzrhythmusstörungen arbeitet der Herzmuskel nicht mehr ausreichend. Das in die Lunge zurückgestaute Blut führt zu Wasseransammlungen im Lungengewebe und damit zu Atemnot. Sie tritt anfangs nur bei körperlicher Belastung auf, später auch in Ruhe. Flaches Liegen ist meist unmöglich, eine Erhöhung des Oberkörpers z.B. durch Kissen verbessert die Luftnot. Nicht selten sind auch geschwollene Unterschenkel und Knöchel.
  • Lungenerkrankungen. Am häufigsten sind vor allem bei langjährigen Rauchern die chronische Bronchitis oder chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) sowie das Asthma bronchiale. Die chronische Schädigung der Bronchien und des Lungengewebes führt zu Auswurf und Atemnot. Häufig kommen Infekte der Lunge wie Lungenentzündung oder akute Bronchitis hinzu und verschlimmern das Krankheitsbild.
  • Andere Ursachen. Seltenere Ursachen für chronische Atemnot sind Lungenkrebs, Schwartenbildung von Lungengewebe nach schweren Infekten, Blutarmut, Stoffwechsel- oder Wirbelsäulenerkrankungen.

Jede Atemnot ist nicht normal und muss deshalb unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden! Je früher Sie sich in Behandlung begeben, desto besser kann Ihnen geholfen werden. Wenden Sie sich an Ihren Hausarzt, er wird Sie untersuchen und entscheiden, ob ein Spezialist hinzugezogen werden muss.

Der Arzt wird den Betroffenen (oder seine Begleitperson) zu Ihrer Krankengeschichte und den genauen Begleitumständen der Atemnot befragen, um Anhaltspunkte für die anschließende Untersuchung zu erhalten.

Zu den körperlichen Untersuchungen zählen

  • Grobe Abschätzung des Schweregrads der Atemnot anhand  von äußerlichen Zeichen ( kalter Schweiß, blasse oder bläuliche Haut, Wasseransammlung im Körper)
  • Sauerstoffmessung des Blutes mittels Pulsoxymetrie
  • Untersuchung der Atemwege auf Fremdkörper oder Verengungen
  • Abhören von Herz und Lunge

Je nachdem welche Krankheit als Ursache der Atemnot in Betracht kommt, können sich weitere Untersuchungen anschließen, z.B.