Ihr Ratgeber für Herz, Kreislauf und Blutgefäße

Autofahren mit Herz-Kreislauferkrankungen

In unserer modernen Gesellschaft spielt das Thema Mobilität eine immer größere Rolle. Die überwiegende Mehrheit aller Erwachsenen besitzt einen Führerschein und fährt zumindest gelegentlich selbst ein Kraftfahrzeug.

Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, ist die Frage „Kann ich mit meiner Erkrankung noch selbst Autofahren?“ im Gespräch zwischen Arzt und Patient für beide oft unangenehm und wird daher erfahrungsgemäß gerne ausgeklammert. Dabei können Einschränkungen der Fahrtüchtigkeit wie z. B. des Seh- oder Hörvermögens, der Bewegungsfähigkeit oder auch der für eine Teilnahme am Straßenverkehr nötigen Aufmerksamkeit bei sehr vielen und sehr unterschiedlichen Grunderkrankungen auftreten.

Gerade auch für Patienten, die an einer Erkrankung des Herz-Kreislaufsystems leiden, ist dieses Thema viel zu wichtig, um stillschweigend übergangen zu werden. Es geht schließlich um ihre Sicherheit und auch um die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer, ganz zu schweigen von den juristischen und versicherungsrechtlichen Fragen, die hier eine Rolle spielen.

Sprechen Sie daher unbedingt Ihren Arzt auf diese Fragen an, wenn Sie im Zweifel sind, ob Sie selbst oder einer Ihrer Angehörigen noch Autofahren dürfen. Ihr Arzt ist verpflichtet, Sie umfassend und individuell zu beraten.

Und auch wenn bei Ihnen selbst keine Einschränkung besteht, sollten Sie dies wissen und am besten für alle Fälle auch nachweisen können, dass Sie von Ihrem Arzt individuell beraten wurden.

Herz-Kreislauferkrankungen und implantierbare Therapiesysteme

Einige Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems können dazu führen, dass die Blutversorgung des Gehirns plötzlich unterbrochen wird. Ein Patient, bei dem dieses Risiko besteht, ist selbstverständlich nicht dazu in der Lage, ein Kraftfahrzeug zu führen.

Viele dieser Krankheiten lassen sich jedoch mit Medikamenten oder auch mit modernen implantierbaren Therapiesystemen gut behandeln. Zum Beispiel kann es nach der erfolgreichen Therapie einer Herzrhythmusstörung durchaus wieder erlaubt sein, dass Sie selbst Autofahren. Ob diese Voraussetzungen bei Ihnen vorliegen, wird Ihr Arzt ausführlich mit Ihnen besprechen, er kann Ihnen auch sagen, wie lange Sie z. B. nach der Implantation eines Herzschrittmachers oder eines CRT-Gerätes (Herzschrittmacher für die kardiale Resynchronisationstherapie mit dem Autofahren warten sollten, um sicher zu sein, dass sich Ihr Herzrhythmus wieder dauerhaft stabilisiert hat.

Weitere Informationen zu Herzrhythmusstörungen und zu implantierbaren Therapiesystemen finden Sie auf folgenden Seiten:

ICD-Geräte

Etwas schwieriger ist die Situation, wenn bei Ihnen ein ICD-Gerät implantiert wurde (implantierbarer Kardioverter Defibrillator, auch kurz „Defi“ genannt). Die Funktionsweise dieser Geräte besteht darin, dass beim Auftreten von lebensbedrohlichem Herzrasen oder Kammerflimmern ein starker Elektroschock abgegeben wird, der den normalen Herzrhythmus wieder herstellt.

Sowohl diese Herzrhythmusstörungen an sich, als auch die Wirkung des Elektroschocks verhindern, dass man dazu in der Lage ist, ein Kraftfahrzeug zu führen. Falls das ICD-Gerät rein vorsorglich implantiert wurde, kann das Autofahren unter bestimmten Umständen noch möglich sein. Das kann jedoch in Ihrem individuellen Fall nur Ihr Arzt entscheiden.

Weitere Informationen zu ICD-Geräten finden Sie auf folgender Seite:

Führerscheinklassen

Wichtig: Der Gesetzgeber unterscheidet bei all diesen Fragen grundsätzlich zwischen zwei Gruppen von Führerscheinklassen. Etwas vereinfacht gesagt gehören alle A- und B-Führerscheinklassen (z. B. für PKW und Motorräder) zur ersten und alle C- und D-Klassen (z. B. für LKW und Busse) sowie die Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung zur zweiten Gruppe.

Die gesetzlichen Anforderungen für Führerscheine der Gruppe 2 liegen erheblich höher. Z. B. ist das Fahren eines Reisebusses Patienten mit einem implantierten ICD-Gerät grundsätzlich nicht erlaubt.

Bluthochdruck

Was viele nicht wissen: Auch bei einem dauerhaft stark erhöhten Blutdruck kann man nicht mehr selbst Autofahren. Als Grenzwerte sieht der Gesetzgeber hier einen diastolischen Wert (der kleinere Wert bei der Blutdruckmessung) von 130 bzw. für Führerscheinklassen der Gruppe 2 (siehe oben) von 100 vor.

Lassen Sie daher regelmäßig Ihren Blutdruck kontrollieren und wenn Ihr Blutdruck erfolgreich eingestellt wurde: Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig und genau wie von Ihrem Arzt angeordnet ein!

Weitere Informationen zum Thema Bluthochdruck finden Sie auf folgender Seite:

Quelle: O. Huth, Bayerisches Ärzteblatt 7-8/2012

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