Ihr Ratgeber für Herz, Kreislauf und Blutgefäße

Das Leben vor dem Herzinfarkt

Leben ohne Herzinfarkt

Um nach einem Herzinfarkt wieder einigermaßen gesund zu werden, nutzen wir in hohem Maß die Möglichkeiten der modernen Medizin. Nach dem überstandenen Krankenhausaufenthalt stehen Arztbesuche auf dem Plan, Medikament müssen genommen werden und der ein oder andere trägt nun ein Therapiegerät in der Brust.

Selbstwirksamkeit

Um aber gesund zu bleiben, können wir selbst viel tun. Eine Gefäßerkrankung und ein nachfolgender Herzinfarkt sind kein Schicksal, auch wenn es eine gewisse Vererblichkeit gibt. Wir können durch unsere Lebensführung dazu beitragen, unsere Gefäße und unser Herz gesund zu erhalten.

Die größten Risikofaktoren, die einen Herzinfarkt begünstigen, sind uns seit Jahren bekannt: Übergewicht, Rauchen, Stress, Diabetes, Bewegungsmangel und ein hoher Cholesterinspiegel. Aus diesen Angaben und weiteren Werten kann der Arzt einen sogenannten Risikoscore errechnen, der anzeigt, wie hoch das individuelle Risiko ist, in den nächsten zehn Jahren an einem Herz-Kreislauf-Ereignis zu sterben. In Verbindung mit einer Vorsorgeuntersuchung kann Ihr Arzt Sie auch beraten, ob eine alleinige Lebensstilanpassung hinreichend ist, um Ihr persönliches Risiko zu senken, oder ob auch eine medikamentöse Unterstützung notwendig ist, um beispielsweise einen hohen Blutdruck oder ungünstige Cholesterinwerte zu korrigieren.

Wie groß ist der Einfluss meines Lebenswandels auf mein Risiko?

Die aktuellen Leitlinien (2016) der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie machen deutlich, wie groß der Einfluss des eigenen Verhaltens auf unser Risiko ist, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung wie beispielsweise einem Herzinfarkt zu erkranken:

Die Sterblichkeit durch koronaren Herzkrankheiten könnte bereits durch eine moderate Verringerung der Risikofaktoren halbiert werden. Beispielsweise würde allein eine gesunde Ernährung die Zahl der Herz-Kreislauf-bedingten Todesfälle halbieren. Auch wer mit dem Rauchen aufhört, halbiert im Allgemeinen sein Risiko.

Exzessiver Alkoholkonsum geht mit einer erhöhten Herz-Kreislauf-Sterblichkeit einher, genauso eine sehr hohe Kalorienaufnahme. Eine sitzende Lebensweise und körperliche Inaktivität sind ein weiterer Risikofaktor, der leider weltweit mehr als die Hälfte der Bevölkerung betrifft.

Wie schaffe ich es, meinen Lebensstil zu verändern? 

Besser als der Versuch, auf einen Schlag alles zu ändern, sind kleine Schritte, die Dauer haben. Also: Statt einer drastischen Diät ein konsequentes „etwas weniger essen“, statt sofortigem Rauchverbot weniger rauchen, und nach und nach mehr Bewegung in den Alltag integrieren, statt an einem ambitionierten Fitnessplan zu scheitern.

Nur Mut: Wenn bei einem Risikofaktor (z. B. Rauchen oder Übergewicht) keine perfekte Lebensumstellung gelingt, kann eine verstärkte Anstrengung bei anderen Faktoren das Risiko dennoch verringern, denn auf das Gesamtrisiko kommt es an.

Die richtige Ernährung

Ich ernähre mich gesund, wenn ich

  • Fett vorzugsweise als ungesättigte Fettsäuren aufnehme, gesättigte Fette auf maximal 10 % der Energieaufnahme begrenze und Transfette möglichst vermeide,
  • weniger als 5 g Salz täglich aufnehme,
  • mit meiner Nahrung 30-45 g Ballaststoffe täglich verzehre, möglichst aus Vollkornprodukten,
  • mindestens je 200 g Früchte und Gemüse täglich in 2 bis3 Portionen esse und
  • ein- bis zweimal in der Woche Fisch esse, einmal davon fettreichen Fisch,
  • 30 g ungesalzene Nüsse täglich esse,
  • täglich höchstens 1 Glas alkoholische Getränke (Männer 2) trinke und
  • gezuckerte Softdrinks vermeide.

Allgemein gilt, dass bei der Befolgung der Regeln für eine gesunde Ernährung keine Nahrungsergänzungsmittel benötigt werden.

Bewegen Sie sich mehr!

Regelmäßige körperliche Aktivität wird allen Männern und Frauen empfohlen und sollte lebenslang in den Alltag integriert werden mit mindestens 150 Minuten moderater Aktivität oder mindestens 75 Minuten intensiver Aktivität je Woche oder einer entsprechenden Kombination.

Jede Aktivität ist besser als keine, je mehr, desto besser.

Hilfe für Raucher

Wenn Sie sich als Raucher für eine Rauchentwöhnung entscheiden, brauchen Sie das nicht alleine zu stemmen. Ihr Arzt kann mit Ihnen gemeinsam eine Strategie zum Nichtrauchen entwickeln und bietet eine Verhaltensberatung und pharmakologische Unterstützung an.

Bluthochdruck, Diabetes und Cholesterin

Ein regelmäßiger Arztbesuch ist notwendig, um Blutdruck, Diabetes und Cholesterin zu kontrollieren. Eventuell wird Ihr Arzt Medikamente verschreiben. Nehmen Sie diese gewissenhaft ein und scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt ehrlich zu besprechen, wenn Sie mit der Einnahme nicht zurechtkommen oder Sie unangenehme Nebenwirkungen spüren! Dann kann der Arzt eventuell ein anderes Präparat verschreiben, die Dosis anpassen oder vereinfachen – das ist besser, als wichtige Medikamente in Eigenregie wegzulassen.

Ein Wort zum Schluss

Lassen Sie das Streben nach einem gesunden Lebenswandel nicht in Stress ausarten, denn auch Stress ist ein Risikofaktor! Haben Sie stattdessen Geduld mit sich, feiern Sie kleine Fortschritte, um sich selbst bei Stange zu halten – damit das Leben vor dem Herzinfarkt ein Leben ohne Herzinfarkt bleibt.

 

Literatur
Holmer, S. Prävention in der Kardiologie. Bayerisches Ärzteblatt 10/2013
2016 European Guidelines on Cardiovascular Disease Prevention in Clinical Practice. European Heart Journal 2016;37:2315-2381

Foto: Fotolia #60389812 | Urheber: Alexander Raths
Autor: CP
8. 1. 2018