Ihr Ratgeber für Herz, Kreislauf und Blutgefäße

Der interessante Fall: Frau B. aus der Nähe von München

Wir stellen Ihnen hier interessante Krankengeschichten von Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz vor, die sich so ähnlich täglich tausendfach zutragen. Das Leiden der Betroffenen konnte durch eine moderne Therapie der Herzschwäche bedeutend gelindert werden. Sollten auch Sie über Ihre Erfahrungen zum Thema "Leben mit Herzinsuffizienz und deren Behandlung" berichten wollen, so wenden Sie sich bitte an das Team von kardionet.de. Wir setzen uns dann gerne direkt mit Ihnen in Verbindung.

Das Schicksal der heute 67-jährigen Frau B. aus einem kleinen Dorf in der Umgebung Münchens nahm 1995 eine entscheidende Wendung: wegen immer wieder auftretender Schmerzen und einem Druckgefühl hinter dem Brustbein bei Belastung suchte sie ihren Arzt auf. Er empfahl der zuckerkranken Frau nach ausführlicher Befunderhebung eine Herzkatheteruntersuchung.

Herzkatheteruntersuchung 1995

Bei dieser Untersuchung wurden an allen Herzkranzgefäßen Verengungen festgestellt, d. h. Frau B. litt an einer Herzkranz-Gefäßerkrankung. Daher wurde ihr eine Bypass-Operation empfohlen. Diese Operation verlief erfolgreich, danach hatte sie keine Beschwerden mehr, es ging ihr gut.

Insulin

Im Laufe der Zeit musste sie zur Behandlung ihrer Zuckerkrankheit (Diabetes) jedoch Insulin spritzen, auch die Nierenfunktion verschlechterte sich langsam. Zudem hatte Frau B. zu hohe Blutdruckwerte und musste daher mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden.

Sommer 2000: ein Schlaganfall

Bis zu diesem Zeitpunkt war Frau B. gut belastbar, sie konnte alle ihre Besorgungen und den Haushalt selbst verrichten. Bis im Sommer 2000 ein Schlaganfall ihr Leben erneut jäh veränderte war sie nicht auf fremde Hilfe angewiesen.

Anschließend erholte sich Frau B. nur langsam. Doch mehrere Rehabilitationsaufenthalte in Kliniken, tägliches Training und ihr eiserner Wille führten schließlich dazu, dass die halbseitige Körperlähmung nach einem Jahr kaum noch merklich vorhanden war.

2003: das Herz macht nicht mehr mit

Im Jahr 2003, d. h. drei Jahre nach dem Schlaganfall, bemerkte Frau B. erstmals, dass ihr tägliche Verrichtungen wie Hausarbeit, Treppensteigen etc. zunehmend schwerer fielen. Daraufhin wurde in einer Ultraschalluntersuchung des Herzens eine Einschränkung der Herzleistung und ein vergrößertes Herz festgestellt.

Die Symptome besserten sich durch die Einnahme von Medikamenten. Ihre Wasseransammlungen in den Beinen bildeten sich zurück und flachliegendes Schlafen war wieder ohne ständigen Hustenreiz möglich.

Die Herzschwäche wird schlimmer

Doch wenige Wochen später stellten sich die Symptome trotz stärkerer Medikamente erneut ein. Frau B. war kaum noch belastbar, konnte ihren Haushalt nicht mehr alleine führen und war fast komplett auf fremde Hilfe angewiesen. Glücklicherweise stand ihr ihre Tochter zur Seite. Da ambulant keine Verbesserung zu erzielen war musste Frau B. ins Krankenhaus.

Krankenhaus

Dort stellten die Ärzte folgendes fest:

Röntgenbild: Wasseransammlung in der Lunge

Nach erfolgreicher Spritzenbehandlung zur Entwässerung wurde erneut eine Herzkatheter-Untersuchung durchgeführt.

Das Ergebnis

•    drei von vier Bypässen waren verschlossen, der Vierte zeigte genauso wie alle anderen Herzkranzgefäße eine hochgradige Einengung

Entlassung

Frau B. ging es zum Zeitpunkt der Entlassung aus dem Krankenhaus etwas besser, aber die Luftnot nach ca. einer halben Etage Treppensteigen blieb bestehen. Zudem war sie sehr schnell erschöpft und abgeschlagen, so dass ihr ihre Tochter weiterhin täglich zur Seite stehen musste. Doch noch stärker belastete sie die Aussage des behandelnden Arztes, dass man da nichts mehr machen könne.

Als Notfall erneut in die Klinik

Sechs Wochen später musste Frau B. erneut mit ausgeprägten Wasseransammlungen (Ödemen) in Beinen und Lunge als Notfall in die Klinik. Diesmal kam sie ins nächstgelegene Krankenhaus. Dort wurden nach Stabilisierung und Ausschwemmen der Ödeme in Lunge und Beinen zwischenzeitlich die Befunde der vor kurzem angefertigten Herzkatheter-Untersuchung angefordert.

Eine Bypasserweiterung mit Stent und ein Schrittmacher

Nach einer ausführlichen Beratung durch die Herzspezialisten der Klinik wurde Frau B. folgender Therapievorschlag gemacht:

  • zuerst sollte der noch vorhandene aber verengte Bypass geweitet und zur gleichen Zeit ein medikamentenfreisetzender, beschichteter Stent eingesetzt werden (Abb. 2)

Röntgenbild: Aufweitung eines Bypasses

 

Röntgenbild: Einlegen eines Stents in einen aufgeweiteten Bypass

 

  • danach war die Implantation eines 3-Kammer-Schrittmachers (CRT) zur Behandlung der Herzschwäche geplant
  • zusätzlich wurde die medikamentöse Therapie optimiert
  • in einem weiteren Aufenthalt sechs Wochen später sollte die an verschiedenen Stellen verengte rechte Herzkranzarterie von Frau B. ebenfalls mit medikamentenbeschichteten Stents behandelt werden (Abb. 3)

Röntgenbild: Verengte rechte Herzkranzarterie

 

Röntgenbild: Einlage eines Stents in eine aufgeweitete rechte Herzkranzarterie

 

Warum ein 3-Kammer-Schrittmacher (CRT)?

Die Implantation eines 3-Kammer-Schrittmachers (CRT) war sinnvoll, da so die hochgradige Herzschwäche bei Linksschenkelblock und deutlich ungleichmäßiger Kontraktion der linken Herzkammer gelindert werden kann.

Röntgenbild: Implantation eines 3-Kammer-Herzschrittmachers

Durch den 3-Kammer-Schrittmacher (CRT) wird die Pumpleistung der linken Herzkammer direkt gebessert, aber auch der Sauerstoffbedarf des durch die verengten Herzkranzgefäße und verschlossenen Bypässen chronisch an Sauerstoffmangel leidenden Herzmuskelgewebes wird herabgesetzt (Abb. 4).

2004: Behandlungserfolge und neuer Lebensmut

Frau B. stimmte diesen Vorschlägen zu, die Behandlungen wurden erfolgreich durchgeführt:

Bereits nach der Weitung des Bypasses ließ sich ein stabilerer Zustand erreichen. Aber insbesondere nach der Implantation des Schrittmachers zur Behandlung der Herzschwäche wurde die Belastbarkeit von Frau B. entscheidend gebessert: Treppensteigen über drei Etagen, Hausarbeit, Spaziergänge, alles war wieder möglich!

Röntgenbild: Stabiler Zustand 1Jahr nach der Behandlung

Die Hilfe Ihrer Tochter nimmt Frau B. nur noch für größere Einkäufe in Anspruch, Wasseransammlungen in der Lunge oder den Beinen traten nicht mehr auf. Ihr Zustand ist auch nunmehr ein Jahr (Abb. 5) nach dem letzten Eingriff stabil, wie sie lebensfroh und voller Elan bei der letzten Schrittmacherkontrolle berichtete.

 

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