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Herzklappenerkrankungen

Bei einer Herzklappenerkrankung ist die Herzklappe verengt oder schließt nicht mehr richtig. Dadurch wird der normale Blutfluss im Herzen gestört.

Was sind Herzklappenerkrankungen?

Die Herzklappen sorgen normalerweise dafür, dass das Blut im Herzen nur in eine Richtung fließt. Durch eine Herzklappenerkrankung wird der normale Blutfluss im Herzen behindert. Man unterscheidet zwei Formen von Herzklappenerkrankungen:

  • Bei einer Klappenstenose ist die Herzklappe verengt. Das Blut staut sich vor der verengten Klappe und muss mit erhöhtem Druck durch die Verengung gepumpt werden.
  • Bei einer Klappeninsuffizienz schließt die Herzklappe nicht mehr richtig und das Blut fließt durch die undichte Klappe zurück.

Die erhöhte Belastung des Herzens kann zu einer Verdickung der Herzmuskulatur und Erweiterung der Herzkammer führen. Je nach Schweregrad des Klappenfehlers kann sich eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) entwickeln.

Was sind die Ursachen für Herzklappenerkrankungen?

Angeborene Herzklappenfehler machen nur ein Prozent aus, die meisten Herzklappenfehler sind im Laufe des Lebens erworben. Mögliche Ursachen für erworbene Herzklappenschädigungen sind:

  • Altersbedingte Verkalkung der Klappen
  • Vergrößerung der Herzkammern oder der Haupt- oder Lungenschlagader (durch Herzinsuffizienz, Myokarditis)
  • Entzündungen der Herzklappen (Endokarditis)

letzte Aktualisierung: Dezember 2017

Wie macht sich eine Herzklappenerkrankung bemerkbar?

Je nachdem, welche Herzklappen wie schwer betroffen sind, können verschiedene Beschwerden auftreten.

Zunächst treten die Beschwerden meist nur bei körperlicher Belastung auf, später auch in Ruhe. Häufig leiden die Betroffenen unter folgenden Symptomen:

  • Leistungsminderung, rasche Ermüdbarkeit
  • Kurzatmigkeit
  • schneller Puls
  • Schwindel

Durch die erhöhte Belastung des Herzens kann sich das Blut vor dem Herzen oder in der Lunge anstauen. Dadurch kann es zu Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme) kommen, z. B. an Knöcheln und Unterschenkeln oder in der Lunge.

 

letzte Aktualisierung: Dezember 2017

Welche Untersuchungen werden durchgeführt?

Der Arzt wird zuerst nach der Krankengeschichte fragen. Dann folgt eine körperliche Untersuchung, zu der das Abhören des Herzens und der Lungen gehört. Dabei achtet der Arzt besonders auf krankhafte Veränderungen der Herztöne, die Hinweise auf eine Herzklappenerkrankung liefern.

In der Regel wird der Verdacht auf eine Herzklappenerkrankung durch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) abgesichert. Damit kann der Arzt das Aussehen und die Funktionstüchtigkeit der Klappen überprüfen. Gleichzeitig kann er die Größe der Herzkammern, die Dicke des Herzmuskels und die Auswurfleistung des Herzens bestimmen. So kann er überprüfen, wie weit der Herzklappenfehler das Herz geschädigt hat und ob sich bereits eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) entwickelt hat.

EKG und Belastungstests können zeigen, ob der Herzrhythmus in Ruhe oder unter Belastung krankhaft verändert ist und die Belastbarkeit überprüfen.

Weitere Untersuchungen

Daneben werden bei manchen Patienten weitere Untersuchungen durchgeführt:

  • Mit Hilfe einer Herzkatheteruntersuchung wird überprüft, welche Auswirkungen eines Herzklappenfehler auf die Herzfunktion hat, z. B. auf die Druckverhältnisse im Herzen und die Förderleistung des Herzens. Gleichzeitig können bei Bedarf die Herzkranzgefäße untersucht werden.
  • Magnetresonanztomographie: Die Kernspinuntersuchung des Herzens kann weitere Informationen zum Zustand von Herzmuskel und Herzklappen liefern.

letzte Aktualisierung: Dezember 2017

Wie werden Herzklappenerkrankungen behandelt?

In leichten Fällen wird eine Herzklappenerkrankung gar nicht oder allenfalls mit Medikamenten behandelt. Dabei sind jedoch regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Kardiologen nötig, um der Entstehung einer  Herzinsuffizienz frühzeitig entgegenzuwirken und um zu erkennen, wann eine Klappenoperation notwendig wird.

Herzklappenoperation

Oft wird empfohlen, Herzklappendefekte schon früh zu operieren. Damit kann einer Schädigung des Organes und der Entwicklung einer Herzinsuffizienz vorgebeugt werden. Dabei kommen verschiedene Herzklappenoperationen zum Einsatz:

  • Bei der Herzklappenrekonstruktion wird die Form und Funktion der erkrankten Herzklappe durch eine Operation wiederhergestellt. Dieses Verfahren kommt z. B. bei Herzklappenverengungen zum Einsatz.
  • Beim Herzklappenersatz wird die erkrankte Herzklappe durch eine künstliche Herzklappe (aus Metall oder Kunststoff) oder eine biologische Herzklappe (von Mensch oder Tier) ersetzt. Dies kann durch eine Operation erfolgen, oder auch mit einem Katheterverfahren. Bei der sogenannten TAVI (kathetergestützter perkutaner Aortenklappenersatz) wird ein Katheter über das Leistengefäß zum Herzen vorgeschoben, an dessen Spitze sich die zusammengefaltete Herzklappe befindet. Die „neue“ Herzklappe wird an die richtige Stelle gebracht, dort entfaltet sie sich und drückt dabei die geschädigte Herzklappe zur Seite. Die neue Klappe ist sofort funktionsfähig und der Patient kann in der Regel die Klinik bereits nach wenigen Tagen wieder verlassen. Dieses Verfahren kommt bei Patienten zur Anwendung, die für eine Operation nicht gut geeignet sind.

 

Künstliche Herzklappen erfordern eine lebenslange Behandlung

Patienten mit einer künstlichen Herzklappe müssen ein Leben lang Medikamente einnehmen, die die Blutgerinnung hemmen. Die blutgerinnungshemmenden Medikamente verhindern, dass sich an der künstlichen Herzklappe gefährliche Blutgerinnsel bilden. Werden diese Blutgerinnsel mit dem Blut weiter geschwemmt, können Sie z. B. ein nachfolgendes Blutgefäß im Gehirn verstopfen und es kommt zum Schlaganfall. Bei einer biologischen Herzklappe muss die Blutgerinnung nicht gehemmt werden.

Da vorgeschädigte und operierte Herzklappen anfällig für Infektionen sind, sollte prophylaktisch 30-60 Minuten vor bestimmten Eingriffen (vor allem Zahnbehandlungen, Eingriffe an den oberen Luftwegen) eine Behandlung mit Antibiotika erfolgen, um die Herzklappe zu schützen.

 

letzte Aktualisierung: Dezember 2017

Baumgartner H et al. 2017 ESC/EACTS guidelines for the management of valvular heart disease. Eur Heart J 2017; 38:2739-2786

 

Tipps und Tricks: Leben mit Herzklappenerkrankungen

Behandlung mit Medikamenten - was sollten Sie beachten?

Bei einer Behandlung mit Medikamenten ist es wichtig, die Medikamente regelmäßig einzunehmen, um die Entwicklung einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) zu verhindern oder verlangsamen. Nehmen Sie die Ihnen verordneten Medikamente regelmäßig nach den Anweisungen des Arztes ein, auch wenn Sie keine Beschwerden haben. Setzen Sie auf keinen Fall Medikamente ohne Rücksprache ab. Treten neue Beschwerden auf oder verschlechtern sich Ihre Beschwerden, sollten Sie sich unbedingt in ärztliche Behandlung begeben.

Wichtig sind auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Kardiologen, um frühzeitig zu erkennen, ob sich eine Herzklappenschädigung verschlechtert.

Patienten mit einer künstlichen Herzklappe aus Metall oder Kunststoff müssen nach der Operation ein Leben lang blutgerinnungshemmenden Medikamente einnehmen, die verhindern, dass sich an der Kunstklappe Blutgerinnsel bilden.

Da vorgeschädigte und operierte Herzklappen anfällig für Infektionen sind, sollte vor medizinischen Eingriffen, in deren Verlauf Bakterien über die Blutbahn in das Herz geschwemmt werden können (z. B. Zahnbehandlungen, Eingriff an den oberen Luftwegen) eine Behandlung mit Antibiotika erfolgen, um die Herzklappe zu schützen.

Lebensstil - was kann ich selbst tun?

Bei einer Herzklappenerkrankung gibt es noch einige Dinge, die Sie tun können, um Ihr Herz zu entlasten - wie gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und Verzicht aufs Rauchen.

Gesunde Ernährung

Ernähren Sie sich vitamin- und ballaststoffreich sowie fettarm. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt fünf Portionen Obst oder Gemüse täglich. Dazu zählt auch ein Apfel oder die Gemüsebeilage. Als Snack zwischendurch eignen sich viele Obstsorten, aber auch Karotten, Paprika, Gurken oder Cocktailtomaten lassen sich gut mitnehmen.

Achten Sie bei Käse und Wurst auf den Fettgehalt. Fisch sollte mindestens zweimal pro Woche auf dem Speiseplan stehen. Verwenden Sie sparsam gute kaltgepresste Öle, wenig Butter und andere tierische Fette. Ganz besonders sparsam sollten Sie mit dem Salz umgehen. Würzen mit Küchenkräutern hilft, Salz zu sparen.

Vollkornbrot oder ein Müsli am Morgen sind besser als Weißbrot, zudem gibt es bei uns eine unendliche Vielfalt an Broten, da ist für jeden Geschmack etwas dabei!

Achten Sie auf Ihr Gewicht!

Übergewicht ist nicht nur schlecht fürs Herz, auch die Gelenke freuen sich über ein paar Pfund weniger, sofern Sie übergewichtig sind. Daher: achten Sie auf Ihr Gewicht, vermeiden Sie Fettes und salzen Sie sparsam. Durch zuviel Salz wird Wasser im Körper gebunden, es kommt leichter zu Wasseransammlungen im Gewebe.

Bewegung hält fit!

Täglich ein bisschen Bewegung: Radfahren, Wandern, Spazierengehen sind gut für Menschen mit Herzproblemen geeignet. Sobald Sie ein bisschen trainiert haben, werden Sie merken, dass Ihre Leistungsfähigkeit zunimmt. Sprechen Sie aber unbedingt vorher mit Ihrem Arzt. Es gibt auch spezielle Sportgruppen für Herzpatienten.

Verzicht auf Rauchen

Rauchen Sie nicht, bzw. versuchen Sie, mit dem Rauchen aufzuhören. Rauchen ein Risikofaktor für die Entstehung von Gefäßverkalkung (Atherosklerose).

Pausen zur Entspannung

Falls Ihr Alltag von Stress und Zeitmangel geprägt ist, versuchen Sie, regelmäßige Pausen einzulegen, in denen Sie entspannen können. Methoden zur Stressbewältigung und Entspannungstechniken sind beispielsweise Autogenes Training, Yoga und Progressive Muskelentspannung. Viele Krankenkassen, die Volkshochschulen und Selbsthilfegruppen bieten zahlreiche Kurse hierzu an. Falls Sie unter seelischen Belastungen und Konflikten leiden, sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt darüber.

 

letzte Aktualisierung: Dezember 2017