Ihr Ratgeber für Herz, Kreislauf und Blutgefäße

Herzoperation-Herzchirurgie

Es gibt viele Gründe, warum eine Operation am Herzen notwendig werden kann. Die Medizin hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, so dass es möglich ist, viele Teile des Herzens zu reparieren oder zu ersetzen. Manche Operationen müssen am offenen Herzen durchgeführt werden, während andere Eingriffe auch schonender z.B. mit Hilfe eines Endoskops vorgenommen werden können. In schwerwiegenden Fällen kann das erkrankte Herz durch ein Spenderherz ersetzt werden.

Eine Herzoperation ist ein chirurgischer Eingriff, um Defekte oder Erkrankungen des Herzens zu heilen oder zu lindern. Der Begriff umfasst Operationen am gesamten Herzen und an den Herzkranzgefäßen.

Herzscheidewand, Herzklappen und Herzkranzgefäße

Zu den häufigsten Eingriffen am Herzen zählen Operationen der Herzkranzgefäße wie  Bypassoperationen und der Ersatz von Herzklappen, während Herztransplantationen nach wie vor nur in sehr seltenen Fällen durchgeführt werden.

Angeborene Fehlbildungen des Herzens wie ein Loch in der Herzscheidewand, Anomalien der herznahen Gefäße  oder verengte/missgebildete Herzklappen können meist chirurgisch behandelt werden, oft schon am Baby.

Werden das Herz oder die herznahen Gefäße durch einen Unfall verletzt, kann eine Notoperation Schlimmstes verhindern.

Operationen am offenen Herzen

Größere Herzoperationen werden unter Vollnarkose durchgeführt. Manchmal ist dabei die teilweise oder ganze Eröffnung des Brustkorbs notwendig. Das längs durchtrennte Brustbein wird während der Operation aufgespreizt um dem Arzt den Zugang zum Herzen zu ermöglichen. Anschließend wird das Brustbein wieder mit Draht zusammengefügt und ist für gewöhnlich innerhalb von zwei bis drei Monaten stabil verheilt. Seltener werden statt Draht auch Klammern, Stahlbänder oder Platten verwendet, um das Brustbein zu stabilisieren.

Die chirurgische Behandlung von angeborenen Herzfehlern bei Kindern erfordert fast immer eine Operation am offenen Herzen. Ein Loch in der Herzscheidewand wird mit einem Faden zugenäht, bei größeren Defekten verwendet der Arzt ein Flicken aus körpereigenem Gewebe oder Kunstfaser. Wenn eine Eröffnung des Brustbeins bei Kindern notwendig ist, kann dies mit speziellen Kordeln wieder zusammengebunden werden. Diese werden nach einiger Zeit vom Körper aufgelöst und behindern daher das Wachstum des kindlichen Brustbeins nicht.

Auch Bypassoperationen und der Ersatz von Herzklappen werden in der Regel am offenen Herzen durchgeführt. Dieser standardmäßige Operationsweg erlaubt dem Chirurgen ungehindertes Arbeiten an allen Bereichen des Herzens und der
herznahen Gefäße, ist aber für den Patienten belastend.

Doch nicht in allen Fällen ist eine große Operation am offenen Herzen notwendig. Manche Eingriffe können auch mit Hilfe eines Katheters oder mit Schlüsselloch-Verfahren vorgenommen werden.

Minimalinvasive Herzoperationen

Inzwischen gibt es für einige Eingriffe, die bisher eine Durchtrennung des Brustbeins erforderlich machten, schonende Alternativen. Im Gegensatz zur Standard-Operation wird durch eine möglichst kleine Öffnung mit entsprechend geringerer Verletzung operiert. Möglich wird dies durch winzige Kameras und Operationsgeräte, die zur Überwachung und Steuerung der Operation verwendet werden.

Der Zugang zum Herzen erfolgt in diesem Fall durch einen kleinen seitlichen Schnitt zwischen den Rippen. Der Patient erholt sich deutlich schneller von diesem Eingriff, und auch das kosmetische Ergebnis ist besser, da keine lange Narbe über dem Brustbein entsteht.

Seitlicher Zugang von rechts

Beispielsweise kann die Operation an den Herzklappen, die die Herzvorhöfe  mit der jeweiligen Herzkammer verbinden, durch einen kleinen seitlichen Schnitt zwischen den Rippen auf der rechten Körperseite durchgeführt werden. Der rechte Lungenflügel wird während der Operation entleert, so dass der Zugang zum Herz frei ist.

Auch die Reparatur von Defekten der Vorhofscheidewände kann so durchgeführt werden.

 

 

Seitlicher Zugang von links

Ein Ersatz der Aortenklappe, also dem Ventil, das zwischen linker Herzkammer und Hauptschlagader sitzt, ist minimalinvasiv durch einen Schnitt auf der linken Rippenseite möglich und kann in bestimmten Fällen auch per Katheter erfolgen.

Eine Bypassoperation, bei denen nur der vordere Hauptast der Herzkranzgefäße überbrückt werden muss, kann ebenfalls minimalinvasiv am schlagenden Herzen durch einen Schnitt auf der linken Rippenseite durchgeführt werden.

 

 

Herz-Lungen-Maschine

Der unablässige Herzschlag treibt den Blutkreislauf an, der den Körper mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Auch während einer Herzoperation muss diese Versorgung sichergestellt werden. Viele Eingriffe können durchgeführt werden, während das Herz weiterschlägt, aber bei manchen Operationen ist es notwendig, das Herz kurzzeitig anzuhalten. Dann übernimmt eine Herz-Lungen-Maschine die Arbeit. Das Blut wird aus dem Körper geleitet, mit Sauerstoff angereichert und wieder in den Körper zurückgepumpt.

Neue Operationstechniken erlauben es, ohne Herz-Lungen-Maschine auszukommen. Dies ist schonender für den Patienten. Beispielsweise können manche Bypass-Operation auch am schlagenden Herzen durchgeführt werden. Mit einer speziellen Klammer wird nur ein kleiner Bereich des Herzens für einen Moment fixiert, damit der Arzt dort den Bypass annähen kann. Herz und Lunge arbeiten während der gesamten Operation selbständig weiter.

Bildquelle: Fotolia_39053672 © freshidea

Die Nachsorge nach einer Herzoperation hängt von der Art des Eingriffes ab.

Der Heilungsprozess nach einer offenen Herzoperation dauert länger als nach einem Kathetereingriff, da das Brustbein verheilen muss. Nach einigen Tagen auf der Intensivstation verbringen Sie noch einige Zeit in der Klinik, wo auch mit der Mobilisation begonnen wird. Die Hautwunden sind nach ein paar Tagen schon so weit verheilt, dass Sie problemlos wieder duschen können.

Schonung des Brustbeines

  • nicht auf der Seite schlafen, sondern auf dem Rücken
  • große oder ruckhafte Bewegungen der Arme vermeiden
  • nicht mit den Armen abstützen, um aus einem Sessel zu gelangen
  • keine schweren Gegenstände tragen -  auch nicht ihre Reisetasche bei der Entlassung aus dem Krankenhaus!

Aber schon nach zwei bis drei Monaten ist das Brustbein wieder stabil verheilt und kann schrittweise wieder belastet werden. In dieser Zeit werden Sie durch ein Rehabilitationsprogramm betreut, an das sich weitere ambulante Nachsorgetermine anschließen. Die Drahtschlaufen, mit denen das Brustbein nach der Operation zusammengefügt wurde, verbleiben im Körper. Nur in sehr seltenen Fällen macht er sich bemerkbar und muss in einem weiteren Eingriff entfernt werden.

Wurde das Brustbein nur teilweise durchtrennt, erfolgt die Genesung rascher, da die Stabilität des Brustkorbes erhalten bleibt. Auch nach einer Herzoperation mit seitlichem Zugang erholen sich die Patienten im Schnitt schneller und können die Klinik schon nach kürzerer Zeit wieder verlassen. Auch diese Patienten werden entweder mit einer Reha und/oder der Betreuung durch den Kardiologen oder Hausarzt auf Ihrem Weg zurück in den Alltag unterstützt.

Bildquelle: dp-medsystems, Cardiosana-Programm am Spital Wetzikon