Herz und Kreislauf im Internet

Kardiomyopathie

Eine Kardiomyopathie ist eine Erkrankung der Herzmuskulatur, bei der es zur Verdickung des Herzmuskels und/oder Ausweitung der Herzhöhlen kommt.

Was ist eine Kardiomyopathie?

Unter einer Kardiomyopathie (Fachbegriff für Herzmuskelerkrankung) versteht man eine Erkrankung der Herzmuskulatur selbst. Eine Kardiomyopathie entsteht also nicht als Folge von anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie z. B. Bluthochdruck, koronare Herzerkrankung oder Herzklappenschädigungen.

Bei einer Kardiomoypathie kommt es zur Verdickung des Herzmuskels und/oder Ausweitung der Herzhöhlen. Je nach ihrem Erscheinungsbild unterteilt man diese Erkrankung in verschiedene Formen. Die zwei häufigsten Formen sind die

  • Dilatative (oder kongestive) Kardiomyopathie: Bei dieser Form dehnen sich die Herzhöhlen auf und werden größer.
  • Hypertrophische Kardiomyopathie: Hier nimmt die Muskelmasse des Herzmuskels zu, das Herz vergrößert sich.

 

 

Was sind die Ursachen für eine Kardiomyopathie?

Bei vielen Kardiomyopathien spielt die Vererbung eine wichtige Rolle. Hier findet man häufig Genveränderungen (sog. Mutationen) in den Bereichen der menschlichen Erbmasse, die für die Bestandteile der Herzmuskulatur verantwortlich sind. Diese „Gendefekte“ erklären auch das familiär gehäufte Auftreten mancher Kardiomyopathien.

Männer sind häufiger von einer dilatativen Kardiomyopathie betroffen als Frauen. Auch hier wird in bis zu 20 % der Fälle von einer erblichen Veranlagung für die Erkrankung ausgegangen.

Kardiomyopathien können auch als Folge anderer Erkrankungen entstehen, z.B. durch bestimmte Stoffwechsel- und Bindegewebserkrankungen, als Schwangerschaftskomplikation oder durch Einwirkung von schädigenden Stoffen wie Giften oder bei chronischem Alkoholmissbrauch.

Auch Entzündungen des Herzmuskels, Myokarditis genannt, können bei schweren Verläufen zu einer Kardiomyopathie führen. Als weitere Ursache gilt eine fälschlicherweise gegen den eigenen Herzmuskel gerichtete Immunreaktion der körpereigenen Abwehrzellen, die durch einen Virusinfekt ausgelöst wird.

 

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Welche Beschwerden macht eine Kardiomyopathie?

Kardiomyopathien sind Herzmuskelerkrankungen, die mit Funktionsstörungen des Herzens einhergehen. Es können je nach Erscheinungsbild der Kardiomyopathie verschieden Beschwerden auftreten, wie

  • Leistungsminderung oder rasche Ermüdbarkeit
  • Atemnot bei Belastung
  • Herzklopfen, Engegefühl im Brustraum
  • Herzrhythmusstörungen
  • Schwindel
  • kurze Bewusstseinsverluste während oder kurz nach Belastung

Häufig entwickeln sich im Laufe einer Kardiomyopathie auch die klinischen Beschwerden einer Herzinsuffizienz.

Im schlimmsten Fall kann eine Kardiomyopathie auch zum plötzlichen Herztod führen, ohne dass vorher Symptome aufgetreten wären.

Welche Untersuchungen werden durchgeführt?

Der Arzt wird zuerst nach der Krankengeschichte fragen. Nach einer körperlichen Untersuchung, zu der das Abhören des Herzens und der Lungen gehört, werden weitere Untersuchungen durchgeführt, z. B.:

  • Laboruntersuchungen: Die Bestimmung bestimmter Proteine und Entzündungswerte im Blut gibt Hinweise auf verschiedene Erkrankungen, die einer Kardiomyopathie zugrunde liegen können.
  • Elektrokardiogramm (EKG): Bei Kardiomyopathien finden sich häufig Herzrhythmusstörungen im EKG.
  • Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie): Mit einer Ultraschalluntersuchung kann man u. a. feststellen, ob die Struktur und Funktion des Herzens verändert ist, z. B. ob das Herz vergrößert ist oder die Herzwände verdickt sind.
  • Röntgenbild des Brustraums: Die Röntgenuntersuchung des Brustraums kann zeigen, ob das Herz vergrößert ist.
  • Magnetresonanztomographie: Auch durch eine Kernspin-Untersuchung des Herzens kann das Aussehen und die Funktion des Herzmuskels beurteilt werden.
  • Herzkatheteruntersuchung: Bei der Herzkatheteruntersuchung können Kontraktionsstörungen des Herzens sowie die Herzkranzgefäße genauer untersucht werden.
  • Gewebeentnahme: Auch eine Punktion des Herzmuskels zur Entnahme einer Gewebeprobe kann nötig sein. Die Gewebeprobe gibt Hinweise auf verschiedene Erkrankungen, die einer Kardiomyopathie zugrunde liegen können.

Wie wird eine Kardiomyopathie behandelt?

Patienten mit Kardiomyopathie sollten auf herzschädigende Stoffe wie Alkohol verzichten und sich körperlich schonen.

Behandlung mit Medikamenten

In der Regel erfolgt die Behandlung der Kardiomyopathie mit Medikamenten wie bei der chronischen Herzinsuffizienz. Um die Bildung von Blutgerinnseln zu vermeiden, ist oft die Gabe von blutgerinnungshemmenden Medikamenten nötig.

Behandlung mit implantierbaren Therapiesystemen

Bei Patienten mit bestimmten Herzrhythmusstörungen können implantierbare Therapiesysteme sinnvoll sein. Diese Herzrhythmusstörungen können so schwerwiegend sein, dass ein plötzlicher Herztod droht. Es gibt Therapiesysteme, die einen plötzlichen Herztod verhindern können. Sie ähneln einem Herzschrittmacher und lösem wenn nötig eine so genannte Herzschocktherapie (Defibrillation) aus, damit sich wieder ein normaler Herzrhythmus einstellt. Diese Systeme heißen implantierbare Kardioverter Defibrillatoren, kurz ICD.

Manche Patienten mit dilatativer Kardiomyopathie profitieren von einer neuen Therapiemethode: der biventrikulären Schrittmachertherapie bzw. kardialen Resynchronisationstherapie, kurz CRT. Sie unterstützt das Zusammenziehen des Herzmuskels und verbessert die Zusammenarbeit der beiden Herzkammern.

Herztransplantation

Wenn eine Kardiomyopathie sehr weit fortgeschritten ist, bleibt nur noch eine Herztransplantation.

 

Tipps und Tricks: Leben mit Kardiomyopathie

Körperliche Schonung

Eine wichtige Maßnahme bei Kardiomyopathie ist die körperliche Schonung. Bei allen Kardiomyopathien sollen extreme körperliche Belastungen vermieden werden.

Verzicht auf herzschädigende Stoffe

Um das Herz nicht weiter zu schädigen, sollten Sie unbedingt auf den Konsum von herzschädigenden Stoffen verzichten. Dazu zählen z. B. Alkohol und Drogen.

Behandlung mit Medikamenten - was sollten Sie beachten?

Bei einer Behandlung mit Medikamenten ist es wichtig, die Medikamente regelmäßig einzunehmen, um Komplikationen einer Herzschwäche zu verhindern oder verlangsamen. Nehmen Sie die Ihnen verordneten Medikamente regelmäßig nach den Anweisungen des Arztes ein, auch wenn Sie keine Beschwerden haben. Setzen Sie auf keinen Fall Medikamente ohne Rücksprache ab.

Treten neue Beschwerden auf oder verschlechtern sich Ihre Beschwerden, sollten Sie sich in ärztliche Behandlung begeben.