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Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) ist eine Durchblutungsstörung der Beine. Typisch sind Schmerzen in den Beinen, die anfänglich beim Gehen, bei fortgeschrittener Krankheit auch in Ruhe auftreten können. Häufig zwingen diese Schmerzen den Betroffenen, nach einer bestimmten Gehstrecke eine Pause einzulegen, z. B. unauffällig vor dem einen oder anderen Schaufenster, was der pAVK auch den Namen „Schaufensterkrankheit“ einbrachte.

Was ist eine periphere arterielle Verschlusskrankheit?

Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) sind die Arterien der Arme oder Beine verengt, so dass die Durchblutung und damit die Versorgung der Gewebe mit Sauerstoff beeinträchtigt ist. Die Arterien der Beine sind dabei wesentlich häufiger betroffen als die der Arme.

Die pAVK ist genauso wie der Herzinfarkt eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Leider wird sie jedoch weniger ernst genommen. Häufig sind bei Patienten mit pAVK auch weitere Blutgefäße im Körper von einer Arterienverkalkung und Verengungen betroffen. Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko sind erhöht.

Wer ist betroffen?

Das Auftreten der pAVK ist altersabhängig. Nur etwa 3% der 40-Jährigen sind betroffen, bei den 60-Jährigen sind es schon doppelt so viele, während bei älteren Menschen über 65 Jahren jeder Fünfte an der arteriellen Verschlusskrankheit leidet. Für  Männer ist das Risiko höher, in jüngeren Jahren an pAVK zu erkranken, bei den über 65-Jährigen sind Frauen genauso stark gefährdet.

Was sind die Ursachen der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit?

Ursache der pAVK ist die Atherosklerose (Arteriosklerose). Dabei lagern sich Fett- und evtl. Kalkpartikel an den Gefäßwänden ab, so dass die Blutgefäße sich zunehmend verengen und möglicherweise ganz verschließen.

Wie bei anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht ein Zusammenhang mit den typischen Risikofaktoren.

Risikofaktoren für die Entstehung einer pAVK sind:

  • Tabakrauchen (deshalb auch "Raucherbein", dreifach erhöhtes Risiko)
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus, zwei- bis vierfach erhöhtes Risiko)
  • Erhöhte Blutfette (z.B. Cholesterin)
  • Bluthochdruck (bis zu vierfach erhöhtem Risiko)
  • Alter (Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter)
  • Nierenfunktion (Nierenleiden begünstig die Erkrankung)
  • Familiäre Vorbelastung (vor allem bei jungen Patienten)

Kommen mehrere Risikofaktoren zusammen, erhöht sich das individuelle Erkrankungsrisiko entsprechend.

 

letzte Aktualisierung: Dezember 2017

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Durchblutungsstörungen machen sich besonders bei Muskelarbeit bemerkbar, deshalb sind Schmerzen in den Beinen beim Gehen typisch. Häufig müssen Patienten nach einer bestimmten Gehstrecke eine Pause einlegen. So kommt es zum Begriff der "Schaufensterkrankheit" - es scheint, als ob die Gehpausen zum Betrachten der Schaufenster genutzt werden. In Wirklichkeit warten die Betroffenen, bis wieder sauerstoffreiches Blut durch die Beine fließt und der Schmerz nachlässt.

Schreitet die Erkrankung fort, wird die schmerzfreie Gehstrecke immer kürzer, irgendwann treten die Schmerzen auch in Ruhe auf. Im Extremfall können Bereiche des Fußes absterben, wenn sie nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden.

Man unterscheidet vier Schweregrade der pAVK:

  • Stadium I: Obwohl es schon Engstellen in den Beinarterien gibt, treten praktisch keine Beschwerden auf.  In diesem Stadium ist pAVK meist ein Zufallsbefund.
  • Stadium II: Es treten belastungsabhängige Schmerzen in Waden, Oberschenkeln oder im Gesäß auf. Längere Strecken können nicht schmerzfrei gegangen werden.
    • Stadium IIa: Gehstrecken von 200m und mehr können bewältigt werden
    • Stadium IIb: Nur kurze Strecken von weniger als 200m können gegangen werden.
  • Stadium III: Im Ruhezustand treten Schmerzen in Füßen und Zehen auf, besonders im Liegen.
  • Stadium IV: Durch die chronische Unterversorgung mit Blut wird das Gewebe so sehr geschädigt, dass offene Stellen entstehen. Schreiten diese fort oder entzünden sich, kann eine Amputation notwendig werden.

 

letzte Aktualisierung: Dezember 2017

Erste Hinweise auf die Erkrankung erhält der Arzt bereits durch eine genaue Befragung zu vorhandenen Risikofaktoren sowie zur Art und Dauer der Beschwerden. Bei der körperlichen Untersuchung fallen je nach Stadium der Erkrankung eine kalte, blasse Haut im Bereich der Durchblutungsstörung auf, ein schwer tastbarer oder fehlender Puls, in fortgeschrittenem Stadium auch offene Hautstellen.

 

Zusätzlich können folgende Untersuchungen hilfreich sein:

  • Vergleichende Blutdruckmessung an Armen und Beinen (Knöchel-Arm-Index): Bei der Verschlusskrankheit ist der Blutdruck an den Beinen niedriger als an den Armen.
  • Durch eine einfache und schmerzfreie Ultraschalluntersuchung kann der Arzt die Erkrankung sogar schon im Anfangsstadium zuverlässig erkennen, bevor Schmerzen auftreten. Die Gefäßwände werden beurteilt und der Blutfluss gemessen: Gefäßabschnitte mit verlangsamtem Blutfluss weisen auf Engstellen hin.
  • Darstellung der Arterien mit Hilfe einer Angiographie (Kontrastmitteluntersuchung). Das Kontrastmittel macht alle Arterien sichtbar. Verengungen lassen sich erkennen. Sichtbar gemacht werden die Blutgefäße dann über eine Röntgenuntersuchung (DSA, digitale Substraktionsangiographie) oder eine Computertomographie (CT-Angiographie).
  • Bei Patienten, bei denen kein Kontrastmittel verwendet werden kann, erfolgt eine Kernspintomographie zur Darstellung der Gefäßsituation.

Da bei Patienten mit Schaufensterkrankheit oft auch Gefäßveränderungen an Herz und Gehirn vorliegen, sollte Ihr Arzt unbedingt auch diese Gefäße untersuchen

 

etzte Aktualisierung: Dezember 2017

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Gesünderer Lebensstil

Zuallererst können Sie selbst dazu beitragen, dass sich die krankhaften Gefäßveränderungen nicht verschlimmern. Vermeiden Sie nach Möglichkeit alle Risikofaktoren: Meiden Sie das Rauchen, achten Sie auf Ihr Gewicht und eine gesunde Ernährung, sorgen Sie für regelmäßige Bewegung. Hier finden Sie Tipps zur Umstellung Ihres Lebensstils.

Auch Erkrankungen wie Diabetes, erhöhte Blutfette oder Bluthochdruck zählen zu den Risikofaktoren und sollten ärztlich behandelt werden.

Ärztliche Behandlung

An zweiter Stelle stehen spezifische Therapieverfahren, die je nach Stadium der Erkrankung eingesetzt werden:

  • Konsequentes Gehtraining steigert die schmerzfreie Gehstrecke, durch die Bildung von Umgehungskreisläufen wird die Durchblutung der Muskulatur verbessert. Empfohlen wird ein regelmäßiges, am besten täglich durchgeführtes Intervalltraining. Man sollte sich bis zum Eintreten des Schmerzes belasten und dann kurz pausieren. Dann nimmt man das nächste Stück in Angriff, macht wieder Pause und so weiter.
  • Es werden unterstützend Medikamente verabreicht, die zum einen die Gefäße schützen (Statine) und auch die Bildung von Blutgerinnseln verhindern (Plättchenhemmer).
  • Verbesserung der Blutversorgung in den Beinen durch Aufweiten des verengten Blutgefäßes mit einem Ballon  und ggf. Stützen des aufgeweiteten Gefäßes mit einem so genannten Stent, um zu verhindern, dass sich das Gefäß wieder verschließt. Liegt ein Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel vor, kann dies operativ mit einem Katheter, der über einen kleinen Schnitt am Leistengefäß eingeführt wird, entfernt werden.
  • Bei einer Bypass-Operation wird die Engstelle mit einer körpereigenen Vene oder einer Kunststoffprothese überbrückt und damit die Blutversorgung wieder hergestellt
  • Als letzte Möglichkeit muss leider manchmal der betroffene Fuß oder das Bein amputiert werden. Durch rechtzeitige und konsequente Behandlung kann eine Amputation oft vermieden werden.

 

Hoke M. Risikofaktoren für pavk. Wien. Klin. Wochenschr. Educ (2014)9:45-52

Aboyans V et al. 2017 ESC guidelines on the diagnosis and treatment of peripheral arterial diseases, in collaboration with the european society for vascular surgery (ESVS): document covering atherosclerotic disease of extracranial carotid and vertebral, mesenteric, renal, upper and lower extremity arteries; endorsed by: the european stroke organization (ESO), the task force for the diagnosis and treatment of peripheral arterial diseases of the european society of cardiology (ESC) and of the european society for vascular surgery (ESVS). Eur Heart J 2017; 00:1-60

 

letzte Aktualisierung: Dezember 2017

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Das können Sie tun

Die Arteriosklerose, die Verkalkung der Arterien, ist die Hauptursache von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit. Sie könnte durch gezielte vorbeugende Maßnahmen verhindert oder zumindest deutlich verlangsamt werden.

Gesund leben

  • Rauchen ist Gift für Ihre Gefäße. Je eher Sie aufhören, desto besser.
  • Achten Sie auf eine vitaminreiche, fettarme Ernährung!
  • Achten Sie auf Ihr Gewicht! Falls sie übergewichtig sind, sollten Sie versuchen, abzunehmen.
  • Sorgen Sie für regelmäßige Bewegung! Schon mit 30 Minuten Spazierengehen jeden Tag tun Sie Ihren Gefäßen etwas Gutes

Körperpflege

  • Schlecht durchblutete Körperteile sind anfälliger für Infekte und Wunden heilen weniger gut. Daher ist eine sorgfältige Fußpflege äußerst wichtig, um Verletzungen zu vermeiden und Infektionen vorzubeugen. Verwenden Sie besser Nagelfeile und Bimsstein, statt eine Verletzung durch eine Nagelschere zu riskieren oder lassen Sie eine professionelle Fußpflege machen.
  • Trocknen Sie Füße und Zehenzwischenräume nach dem Waschen sorgfältig ab, um Fußpilz zu vermeiden.
  • Betrachten Sie Beine und Füße täglich: auch kleinere Wunden an Beinen und Füßen sollten gewissenhaft gepflegt werden, um ein Abheilen zu beschleunigen.
  • Wählen Sie Schuhe, die nicht einengen, um eine möglichst gute Durchblutung der Füße sicherzustellen und Druckstellen zu vermeiden. Je besser die Füße durchblutet sind, desto weniger anfällig sind sie für Infekte und etwaige Wunden heilen besser.
 

Depression: höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Erst in den letzten Jahren hat die Forschung die Zusammenhänge zwischen Depression und Herz-Kreislauf-System besser erkannt. Heute weiß man, dass eine Depression das Risiko für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.

Umgekehrt kann eine Erkrankung der Herzens die Psyche belasten. Wer etwa unter einer schweren Herzschwäche leidet, der leidet möglicherweise auch unter einer niedergedrückten Stimmung.

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letzte Aktualisierung: Dezember 2017


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Was hat pAVK mit Herzinfarkt zu tun? Unsere Infografik erklärt es Ihnen auf unterhaltsame Art und informiert außerdem darüber, was Sie selbst dazu beitragen können, nicht an pAVK zu erkranken oder eine bestehende Erkrankung einzudämmen.