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Risiko Herzinsuffizienz

Die chronische Herzschwäche (Herzinsuffizienz) fordert jedes Jahr mehr Tote als Krebs und ist eine der häufigsten Ursachen für einen vorzeitigen Tod in Europa.

Allein in Deutschland können jährlich 57.000 Todesfälle auf diese Krankheit zurückgeführt werden. Viele Todesfälle könnten vermieden werden, denn sie beruhen auf mangelndem Wissen um die Erkrankung sowie auf unzureichender Diagnose und Behandlung. Dies belegt die SHAPE-Studie, eine der größten Studien, die bislang zur chronischen Herzinsuffizienz durchgeführt wurden.

Wer oder was ist SHAPE?

SHAPE (Study group on Heart failure Awareness and Perception in Europe) wurde 2002 von einer Gruppe unabhängiger Herzspezialisten gegründet. Ziel ist es, die medizinische Versorgung für Herzinsuffizienz in ganz Europa zu verbessern, indem die Öffentlichkeit darüber aufgeklärt wird, dass Herzinsuffizienz eine lebensbedrohliche Erkrankung ist.

SHAPE-Studie

Die SHAPE-Studie, die von dieser Gruppe initiiert wurde, offenbart eine weit verbreitete Unkenntnis über die chronische Herzinsuffizienz, obwohl in Deutschland derzeit etwa 1,8 Mio. Menschen davon betroffen sind.
Obgleich drei Viertel der Deutschen schon einmal von Herzschwäche gehört haben, sind nur 3 % in der Lage, die Anzeichen und Symptome zuzuordnen, die bei dieser Erkrankung auftreten. Dies hat zur Folge, dass betroffene Personen meist viel zu spät einen Arzt konsultieren, was wiederum zu einer hohen Anzahl potenziell vermeidbarer Todesfälle führt.

67 % der Befragten gehen fälschlicherweise davon aus, dass Herzschwäche weniger lebensbedrohlich ist als Krebs. Tatsächlich ist aber die Wahrscheinlichkeit, dass Herzinsuffizienz-Patienten fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben sind, geringer als bei den meisten Krebsarten: Sie beträgt lediglich 25 % bei den männlichen und 38 % bei den weiblichen Herzinsuffizienzpatienten.

Vier von zehn Betroffenen sterben bereits innerhalb eines Jahres nach ihrem ersten Krankenhausaufenthalt. Ein Drittel der Befragten glaubt dennoch, dass Herzinsuffizienz eine normale Folge des Alterns ist, obwohl die geringe Überlebensrate in krassem Gegensatz zu einem natürlichen Alterungsprozess steht.

Kommentar von Professor Dietz

Professor Dr. Rainer Dietz, Leiter der Herzklinik an der Berliner Charité, kommentiert die Ergebnisse der SHAPE-Studie: "Jedes Jahr erkranken in Deutschland 200.000 bis 300.000 Menschen neu an Herzinsuffizienz. Die Verbreitung dieser Krankheit steigt stetig und zehntausende Menschen sterben daran. Wir müssen das Wissen um die Herzinsuffizienz in der Öffentlichkeit fördern, sonst wird die Zahl der Todesopfer weiter steigen. Denn durch gesündere Lebensgewohnheiten, eine geeignete Behandlung mit Medikamenten oder in bestimmten Fällen auch mit einer Operation können viele der betroffenen Patienten ein fast normales Leben führen und ihre Lebenserwartung deutlich steigern."

Ärztliche Behandlung häufig unzureichend

"Eine strengere Befolgung der Behandlungsrichtlinien durch die Hausärzte wäre sehr zu begrüßen", so Professor Dietz. "Nur gut ein Viertel der Patienten erhält zu Beginn der Behandlung ACE-Hemmer, obwohl diese Wirkstoffe als Therapie der ersten Wahl empfohlen werden. Wenn die Symptome andauern, raten die Leitlinien zusätzlich zur Anwendung von Beta-Blockern. Weniger als ein Drittel der Allgemeinärzte verschreiben ihren Patienten jedoch derartige Medikamente. Damit könnten jedoch viele teure Krankenhausaufenthalte vermieden werden."

Die durch Herzinsuffizienz verursachten Kosten belaufen sich auf ca. 2 % des Gesamtbudgets des deutschen Gesundheitssystems. Das sind 2,7 Milliarden Euro pro Jahr allein in Deutschland.

SHAPE-Ergebnisse

Die Originalveröffentlichung zur SHAPE-Studie steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung.

Download Patientencharta Herzinsuffizienz (PDF - 4,3 MB)

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