Ihr Ratgeber für Herz, Kreislauf und Blutgefäße

Schwindel

Wer kennt es nicht? Karussellfahrten, Busreisen auf kurvigen Straßen, zu schnelles Aufstehen - und schon dreht sich uns alles. Dieser Schwindel ist harmlos und klingt schnell wieder ab. Was aber, wenn ein Schwindel andauert, scheinbar grundlos und häufiger auftritt? Dann ist es wichtig, die Ursachen ärztlich abklären zu lassen, denn es kann auch eine ernste Herz-Kreislauferkrankung dahinter stecken.

Schwindel ist keine Krankheit an sich, sondern kann als Symptom auf eine Erkrankung hinweisen. Er ist sozusagen ein Alarmzeichen des Körpers. Wenn es keine harmlose Erklärung (z.B. eine Busreise) gibt, gehen Sie zum Arzt um die Ursachen des Schwindels abzuklären und zu behandeln.

Schwindel entsteht dann, wenn die von Augen oder dem Gleichgewichtsorgan in den Ohren wahrgenommene Bewegung nicht mit der tatsächlichen Bewegung des Körpers übereinstimmt oder die eingehenden Informationen zur Ort und Raum vom Gehirn nicht ordentlich verarbeitet werden. Auch die Benommenheit, mit der sich eine Kreislaufschwäche ankündigt, wird als Schwindel bezeichnet.

Das Symptom Schwindel ist einer der häufigsten Gründe, warum Patienten zum Arzt gehen und tritt im Alter häufiger auf als bei jungen Menschen. Zum Glück ist er selten gefährlich. Manche Patienten beschreiben ihren Schwindel auch als eine Leere im Kopf, oder Sternchensehen, oder ihnen wird „schwarz vor Augen“.

 

Rufen Sie jedoch auf jeden Fall den Notarzt, wenn zum Schwindel Symptome wie Taubheitsgefühl oder Lähmungserscheinungen in Gesicht, Armen oder Beinen kommen oder Bewusstseinsstörungen auftreten.

 

Abbildung:  Fotolia_50333265 © JPC-PROD

Schwindel bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Menschen mit niedrigem Blutdruck passiert es öfter mal, dass ihnen schummrig wird, wenn sie z.B. zu rasch aufstehen. Dies ist ein Zeichen, dass in diesem Moment zu wenig Blut und damit zu wenig Sauerstoff ins Gehirn gelangt.

Auch andere Herz-Kreislauf-Probleme verursachen Schwindel, dessen Ursache eine nicht gleichmäßige oder unzureichende Durchblutung des Gehirns ist. Dieser Schwindel kann sich in vielen Formen äußern und länger oder nur vorübergehend auftreten. Weitere Symptome und ein allgemeines Unwohlsein können während eines Schwindelanfalls hinzukommen. So geht beispielsweise ein durch Bluthochdruck verursachter Schwindel typischerweise mit Kopfschmerzen einher.

Blutbahnverengungen im Rahmen einer koronaren Herzkrankheit, Atherosklerose, Verengungen oder Verschluss von Arterien behindern den Blutkreislauf und damit die zügige Blutversorgung des Gehirns.

Schwache Pumpleistung des Herzens, Herzrhythmusstörung
Schwindel kann durch körperliche Belastungen wie Treppensteigen kurzzeitig ausgelöst werden. Bei Herzinsuffizienz, bestimmten Herzrhythmusstörungen oder Herzfehlern pumpt das Herz nicht ausreichend Blut durch die Adern, so dass auch das Gehirn Sauerstoffmangel erleidet.

Koronare Herzerkrankung und Herzinfarkt
Während einer Angina pectoris (Herzenge), einem typischen Symptom der koronaren Herzerkrankung, treten bei manchen Patienten neben den bekannten Schmerzen, der Enge und Beklemmung auch unspezifische Beschwerden wie Übelkeit und Schwindel auf. Auch ein Herzinfarkt kann mit Atemnot, Schwindel und Schweißausbrüchen einhergehen.

 Durchblutungsstörungen des Gehirns
Zu Dreh- oder Schwankschwindel kann es bei Durchblutungsstörungen des Gehirns kommen. Dahinter kann ein gestörter Blutfluss in Gefäßästen der Halswirbelarterie (Arteria vertrebralis) und einer Schlagader im Hirnstamm (Arteria basilaris) stecken. Ärzte sprechen hier von einer vertebrobasilären Insuffizienz. Auch im Rahmen eines Schlaganfalls kann Schwindel auftreten.

Schlecht durchblutetes Gleichgewichtsorgan
Ein Sonderfall des Herz-Kreislauf-bedingten Schwindels ist eine durchblutungsbedingte Schädigung des Gleichgewichtsorgans. Aufgrund der mangelhaften Durchblutung erhält das Organ nicht ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe. Ein dauerhafter Schwindel und Gangunsicherheit sind die Folge.

Schwindel bei anderen Erkrankungen

Schwindel kann vielfältige weitere Ursachen haben. Oft ist das Gleichgewichtsorgan im Ohr beeinträchtigt. Typisch ist hier der gutartige Lagerungsschwindel, bei dem Kalksteinchen (Otholiten) aus dem Gleichgewichtssäckchen in eine der Bogengänge gelangt sind. Der Patient verspürt meist einen Drehschwindel und Übelkeit.

Schwindel kann aber beispielsweise auch durch Medikamente, Alkoholmissbrauch oder eine diabetische Unterzuckerung ausgelöst werden, von Sehstörungen oder psychischen Erkrankungen verursacht werden und vielem mehr.

Schwindel allein ist ein sehr unspezifisches Krankheitszeichen. Es gilt, genau auf die Umstände und Begleitsymptome zu achten. Können Sie ihren Schwindel beschreiben? Was sind die Auslöser? Wie oft tritt der Schwindel auf? Wie lange dauert er an? Welche weiteren Symptome kommen zum Schwindel hinzu? Welche Medikamente nehmen Sie?

Der Arzt wird Sie zu Ihrer Krankengeschichte und den genauen Begleitumständen des Schwindels befragen, um Anhaltspunkte für die anschließende Untersuchung zu erhalten.

Zu den körperlichen Untersuchungen zählen

  • Messung von Blutdruck und Puls
  • Gehörtest
  • Untersuchung der Augenbewegung
  • Prüfung des Gleichgewichtssinns           

Um Gleichgewicht und Koordination zu prüfen, wird Sie der Arzt vielleicht bitten, mit geschlossenen Augen auf der Stelle zu treten oder einen leichten Schubs auszubalancieren. Keine Angst, Ihr Arzt wird darauf achten, dass Sie hierbei nicht fallen.

Je nachdem welche Krankheit als Ursache des Schwindels in Betracht kommt, können sich unter anderen folgende Untersuchungen anschließen.

Besteht die Möglichkeit auf das Vorliegen von Herzrhythmusstörungen als Ursache von Schwindel oder Schwindelattacken, muss ein Langzeit-EKG durchgeführt werden. Hierbei wird das EKG über 24 Stunden mit einem tragbaren Gerät gemessen und gespeichert. Anhand eines Aktivitätsprotokolls können Aktivitäts- und Ruhephasen den jeweiligen EKG-Werten zugeordnet werden. Dadurch kann der Arzt krankhafte EKG-Veränderungen wie Herzrhythmusstörungen im Alltag erkennen.

Gelingt es nicht, die Herzrhythmusstörung während eines 24-Stunden-EKG aufzuzeichnen, kann gegebenenfalls ein implantierbarer Rhythmus- bzw. Event-Rekorder unter die Haut eingesetzt werden. Solche Geräte können zur Klärung der Ursache unklarer Schwindel- und Ohnmachtsanfälle beitragen.