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Sport bei Herzschwäche? Bloß nicht schonen!

Sport ist für ein gesundes Herz wunderbar, um weiterhin wohlauf zu bleiben. Wussten Sie aber, dass auch Menschen mit Herzschwäche gut daran tun, Sport zu treiben? In den letzten 25 Jahren hat ein gründliches Umdenken stattgefunden: Sportliche Anstrengungen, so weiß man heute, können den Gesundheitszustand und die Lebensqualität von Patienten mit Herzinsuffizienz deutlich verbessern.

Besser durch den Alltag dank Sport

Bei Patienten mit einer Herzschwäche steht das Herz unter Stress: Es muss oft schlagen, um die erforderliche Blutmenge in den Körper zu pumpen. Die Blutgefäße verengen sich, der Blutdruck steigt.

Regelmäßige Bewegung bewirkt, dass das Herz mit der Zeit kräftiger schlägt, weniger Sauerstoff verbraucht und nicht mehr so oft schlagen muss, um dieselbe Menge an Blut durch den Körper zu pumpen. Ein an die Erkrankung angepasster, regelmäßiger Sport macht Sie also körperlich leistungsfähiger. So können beispielsweise manche Patienten, für die Stufen zu anstrengend waren, nach einiger Zeit wieder ohne Luftnot Treppen steigen.

Wieviel Sport ist angemessen?

Damit dies ohne Probleme klappt, bedarf es natürlich der Betreuung durch einen Facharzt. Am Anfang stehen eine gründliche Untersuchung und die medikamentöse Behandlung der Herzinsuffizienz. Lassen Sie sich von Ihrem Kardiologen beraten, wie viel Bewegung für Sie persönlich sinnvoll ist. Eventuell sollte der Wiedereinstieg in ein bewegtes Leben auch unter ärztlicher Aufsicht stattfinden.

Angemessene sportliche Betätigung kann je nach Gesundheitszustand Spazierengehen oder Joggen sein.

Als Richtschnur empfiehlt die europäische Kardiologie-Gesellschaft, dass sich die Patienten dreimal pro Woche für eine halbe Stunde sportlich betätigen, und zwar so, dass die Muskeln leicht bis mittelmäßig belastet werden. Das ist je nach Gesundheitszustand zum Beispiel beim Gehen oder Joggen der Fall. Aber auch andere Sportarten kommen in Frage. Gut sind auch Herzsportgruppen, die speziell für Herzkranke entwickelt wurden.

Patienten profitieren von Bewegung

Regelmäßiges moderates Training bringt viele Vorteile mit sich. Der Energieverbrauch steigt und der Körper baut Fett und Kohlenhydrate ab.  Viel bedeutender aber ist es, dass der Körper mehr Sauerstoff aufnimmt. Mehr Sauerstoffaufnahme bedeutet eine bessere Lebensqualität und weniger Symptome. Denn was für jeden Menschen gilt, trifft auch für Patienten mit Herzinsuffizienz zu, die keine akuten erkrankungsbedingten Probleme aufweisen: Wer sich regelmäßig und angemessen bewegt, ist belastbarer, fühlt sich wacher und stärkt zudem noch seine Immunabwehr. Auch einer depressiven Verstimmung lässt sich so Paroli bieten.

Früher dachte man, dass Patienten mit Herzinsuffizienz tunlichst alle Anstrengungen vermeiden sollten, da das Herz geschädigt ist und sich nicht wieder ganz erholen kann. Tatsächlich ist es aber so, dass regelmäßige Bewegung Patienten mit einer stabilen Herzschwäche nicht völlig ermüdet, sondern ihren Gesundheitszustand und ihre Lebensqualität verbessert: Es geht ihnen besser und sie müssen sogar seltener ins Krankenhaus als Patienten, die sich nicht bewegen.

Wichtig: Regelmäßig trainieren

Untersuchungen haben gezeigt, dass die meisten positiven Effekte eines Trainings nach Beendigung der Trainingsphase wieder zurückgehen. Deshalb sollte der Startschuss zum Training der Beginn einer langfristigen Umstellung Ihrer Lebensgewohnheiten sein.
Wenn Sie regelmäßig trainieren, hat dies einen Effekt, der etwa dem entspricht, der durch Medikamente erzielt werden kann: Der Blutdruck sinkt, das Herz wird entlastet, Atemnot unter Belastung nimmt ab und Sie werden nicht mehr so schnell müde.
Der Effekt von körperlichem Training ist messbar: beispielsweise sinkt die Zahl der Herzschläge in Ruhe, weil das Herz kräftiger pumpt.

Sport verbessert Leistungsfähigkeit des Herzens

Nun gibt es sogar neue medizinische Erkenntnisse, dass es möglichweise bei manchen Patienten sogar noch wirkungsvoller ist, sich sportlich noch mehr zu fordern. Vorbild sind hierbei Leistungssportler, die im Training immer wieder in kurzen Abschnitten an Ihre Belastungsgrenzen gehen, um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern. Patienten unter optimaler medikamentöser Therapie wurden in einer Studie unter Aufsicht eines Kardiologen sportlich mobilisiert und langsam an ein individuelles Trainingsprogramm herangeführt, das immer wieder wenige Minuten intensiver Bewegung mit Ruhephasen abwechselte. Erste Untersuchungen bei diesen Patienten deuten an, dass sich die krankhaften Veränderungen am Herzen auch umkehren lassen: Im Ultraschallbild war zu erkennen, dass sich dort statt Bindegewebe wieder elastisches Muskelgewebe bildet.

Unter ärztlicher Aufsicht

Diese neuen Erkenntnisse sind ermutigend. Aber auf keinen Fall sollten Sie so ein Training im Alleingang machen! Die Patienten in dieser Studie wurden eng überwacht und sehr gut betreut, damit die Belastungsprobe nicht böse endete. Diese Ergebnisse sollten Sie vielmehr dazu ermutigen, das Thema Bewegung und Sport überhaupt ins Auge zu fassen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, was für Sie individuell sinnvoll ist.

Also: nicht übertreiben, sondern erst einmal mäßig, und vor allem: regelmäßig bewegen. Und wichtig: Klären Sie Ihre sportliche Aktivitäten im Vorfeld immer mit Ihrem Arzt ab.

 

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Quellen:

Wisloff U et al. Superior cardiovascular effect of aerobic interval training versus moderate continuous training in heart failure patients: a randomized study. Circulation 2007;115:3086-3094.

Chung CJ, Schulze PC. Exercise in patients with heart failure. Phys Sportsmed 2011; 39: 37-43. u a.

 

Foto: Kzenon, Fotolia.com

Autor: CP

aktualisiert: 20.07.2017