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Update Herzinsuffizienz

Größere Lebenserwartung und höhere Lebensqualität für Patienten mit Herzmuskelschwäche durch neue Medikamente und Verfahren

Jedes Jahr erkranken in Deutschland 200.000 bis 300.000 Menschen neu an Herzinsuffizienz (Herzschwäche oder auch Herzmuskelschwäche). Symptome der Herzschwäche sind unter anderem eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit und Atemnot, welche die Lebensqualität stark einschränken. Herzinsuffizienz ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die jedoch therapierbar ist.

Medikamente spielen eine wichtige Rolle bei der Behandlung der Herzinsuffizienz. Bei der medikamentösen Therapie werden verschiedenen Arzneimittel je nach Schweregrad der Erkrankung nach einem bestimmten Schema stufenweise gesteigert eingesetzt. Zu dieser Basistherapie der Herzmuskelschwäche gehören ACE-Hemmer oder AT1-Antagonisten, Betablocker, Diuretika, Aldosteronantagonisten und Herzglykoside.

Mehr zur Herzinsuffizienz  und der allgemeinen Therapie erfahren Sie in der Rubrik Wissen/Erkrankungen. Einen Überblick über Medikamente, die bei Herz-Kreislauferkrankungen verschrieben werden, finden Sie im Abschnitt "Medikamente".

Lesen Sie hier, welche medizinischen Neuerungen es gibt, die mehr und bessere Behandlungsmöglichkeiten für betroffene Patienten bieten.

Vielversprechendes Kombipräparat verringert Herzprobleme

Medikamente zur Therapie der HerzmuskelschwächeEin neuer Wirkstoff zur Behandlung der Herzschwäche entlastet das Herz und verbessert die Pumpfunktion, so dass mit jedem Herzschlag wieder mehr sauerstoffreiches Blut durch den Körper gepumpt werden kann. Hierbei handelt es sich um einen Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor, oder kurz ARNI. Das Medikament wird in Kombination mit einem gefäßerweiternden, harntreibenden Wirkstoff  verschrieben. Es ist für Patienten mit Beschwerden einer chronischen Herzinsuffizienz geeignet, die nicht an Diabetes leiden. In klinischen Studien besserte sich der Gesundheitszustand der so behandelten Patienten im Vergleich zur bisherigen Standardtherapie mit ACE-Hemmern deutlich. Sie zeigten weniger starke Symptome und kamen seltener wegen Herzproblemen ins Krankenhaus. Auch die Anzahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Herzinsuffizienz war geringer.

Zusätzlicher Schutz bei Herzschwäche dank CRT-D

Bei bestimkardiale Resynchronisationstherapie mit Energen CRT-Dmten Patienten mit  Herzinsuffizienz kann eine Behandlung die Beschwerden lindern, bei der ein Schrittmacher das Herz bei seiner Arbeit unterstützt. Ärzte sprechen von einer kardialen Resynchronisationstherapie, kurz CRT. Leiden Patienten mit einer schweren Herzschwäche außerdem an lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen, kann ein so genanntes CRT-D-Gerät zusätzlichen Schutz bieten.

Bisher kam die lebensrettende Möglichkeit einer Behandlung mit einem CRT-D nur für Patienten in einem fortgeschrittenen Stadium der Herzinsuffizienz in Frage. Aufgrund von positiven Studienergebnissen dürfen nun auch Patienten mit leichterer Herzschwäche behandelt werden, bei denen eine Herzrhythmusstörung vorliegt, die als Linksschenkelblock bezeichnet wird. Es konnte gezeigt werden, dass die Implantation eines CRT-D für diese Patienten Vorteile bietet und außerdem weniger Beschwerden und damit verbundene Krankenhausaufenthalte auftraten.

Sanfte Herzklappen-Reparatur

HerzklappenIm Herz befinden sich mit den Herzklappen mehrere „Ventile“, die den Blutstrom in eine Richtung lenken und einen Rückfluss in die verkehrte Richtung verhindern sollen. Sind sie geschwächt oder defekt, sinkt die Pumpleistung des Herzens stark. Eine dieser Herzklappen, die Mitralklappe, befindet sich zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer. Schließen die Segel der Mitralklappe nicht mehr ordnungsgemäß, gelangt bei jedem Herzschlag ein Teil des Blutes wieder in den Herzvorhof zurück, statt durch den Körper gepumpt zu werden. Demzufolge kann das Herz den Körper nicht mehr ausreichend mit Blut versorgen und es kommt zu einer Herzschwäche.

Bisher konnte die Mitralklappe nur in einer Operation am offenen Herzen zusammengenäht oder durch eine Prothese ersetzt werden. Doch viele Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz kommen für einen solchen belastenden Eingriff nicht in Frage. Nun gibt es einen Clipverschluss, der per Katheter auf die geschwächte Mitralklappe gesetzt werden kann, um die Klappenöffnung wieder auf ein Normalmaß zu verkleinern. Diese schonendere Behandlung wird in einem Katheterlabor durchgeführt und der Patient erholt sich in der Regel rasch von dem Eingriff.

Mechanische Kreislaufunterstützung

Viele Patienten mit starkmechanische Kreislaufunterstützung mit LVAD (left ventricular assisted device) vorangeschrittener Herzmuskelschwäche warten auf ein Spenderherz als letzte Rettung. Doch die Wartelisten sind lang und nicht jeder Patient ist für eine solche Operation geeignet. Oft ist ein Kunstherz nötig, um die Wartezeit zu überbrücken, mit allen Einschränkungen, die ein solches Gerät mit sich bringt.

Seit einiger Zeit sind jedoch Herzunterstützungssysteme verfügbar, die das Herz entlasten statt es zu ersetzen. Sie können eine oder beide Herzkammern unterstützen. Ein sogenanntes LVAD (left ventrikular assisted device) übernimmt zum Beispiel die Pumpfunktion der linken Herzkammer zum größten Teil. Die Pumpe wird unmittelbar an oder neben der geschwächten Herzkammer angebracht und transportiert selbständig sauerstoffreiches Blut aus der Lunge direkt in die Hauptschlagader. Die Energie hierzu kommt von einer außerhalb des Körpers befindlichen Batterie und auch die Steuereinheit  wird außen am Körper getragen.

Ein Herzunterstützungssystem kann zur Überbrückung eingesetzt werden, bis sich das Herz z.B. nach einem schweren Herzinfarkt wieder erholt hat oder ein Spenderherz zur Verfügung steht. Die modernsten Geräte sind mittlerweise so klein und leistungsfähig und weisen niedrige Komplikationsraten auf, so dass sich diese Pumpen auch für eine Dauertherapie eignen und eine Alternative zur Herztransplantation bieten.

In der Entwicklungsphase befindet sich ein neuartiges Gerät, das voll implantiert werden kann und ohne Kabel zur Außenwelt auskommt und eine deutlich verbesserte Lebensqualität verspricht. Das Infektionsrisiko einer dauerhaften Körperwunde entfällt und der Patient kann unabhängiger sein. Die neue, sehr energiesparende Pumpe wird einfach ohne Drähte durch die Haut aufgeladen und soll über viele Jahre einsatzfähig bleiben.

 

02.12.2016 cp/js