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Diabetes – Risiko für Herz und Gefäße

Diabetes mellitus ist eine ernstzunehmende Gefäßerkrankung, und das schon von Anfang an: Der chronisch erhöhte Blutzuckerspiegel schädigt Gefäßwände, Blutkörperchen und Nerven – mit weitreichenden Folgen. Bleibt die Zuckerkrankheit unbehandelt, sind Arterienverkalkung und eine erhöhte Neigung zu arteriellen Blutgerinnseln vorprogrammiert.

  • Warum Diabetes dem Herz schadet

    Diabetes und Herz-Kreislauf-Probleme gehen Hand in Hand. Das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung ist für Diabetiker doppelt bis viermal so hoch wie in der Normalbevölkerung, Frauen haben sogar ein 6-fach erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Die Folge: Drei von vier Diabetes-Patienten sterben an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall.

    Das Herz ist auf vielfache Weise von den Diabetes-bedingten Schädigungen der Blutgefäße und Nerven betroffen. Zum einen versorgen die durch Atherosklerose verengten Herzkranzgefäße den Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen. Dies führt dazu, dass sich das Herzgewebe langsam verändert und seine Pumpleistung nachlässt. Zum anderen beeinträchtigt die diabetische Neuropathie (eine Schädigung der peripheren Nerven) auch die Nervenfasern, die Herzschlag, Blutdruck und das Pumpvolumen des Herzens beeinflussen. Dies macht das Herz unter anderem anfälliger für Rhythmusstörungen.

  • Oft erst spät erkannt

    Fast 8 % der Menschen in Deutschland haben Diabetes – und das sind nur die diagnostizierten Erkrankungen. Schätzungsweise 2 Millionen Betroffene in Deutschland wissen nichts von ihrer Erkrankung. Oft wird Diabetes erst festgestellt, wenn der Arzt nach den Ursachen von Herz- und Gefäßschäden sucht, denn vor allem der Typ-2-Diabetes verursacht anfangs keine oder nur unspezifische Symptome. Doch Unwissenheit schützt vor Schaden nicht: Auch wenn sich der Betroffene gesund fühlt, macht der dauerhaft erhöhte Blutzucker nach und nach die Gefäße kaputt. Je früher die Diagnose, desto eher kann eine gefäßschützende Behandlung beginnen.

  • Wichtigste Symptome bei Diabetes

    „Zucker tut nicht weh“, weiß der Volksmund. Dennoch gibt es Symptome, auf die Sie achten sollten – insbesondere, wenn es Ihrer Familie bereits Fälle von Diabetes Typ 1 gibt oder wenn Sie stark übergewichtig sind. Durch einen stark erhöhten Blutzuckerspiegel können verursacht werden:

    • häufiges Wasserlassen
    • starkes Durstgefühl
    • Müdigkeit und Antriebsschwäche
    • Übelkeit
    • Schwindel

    Bei sehr stark erhöhten Werten kann es auch zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit (diabetisches Koma) kommen.

    Weitere Diabetes-Symptome können sein:

    • Juckreiz
    • ständiges Hungergefühl
    • Gewichtsveränderungen
    • depressive Verstimmung
    • wiederkehrende Harnwegsinfekte
    • schlecht verheilende Wunden
  • Was hat Diabetes mit Übergewicht zu tun?

    Der Zusammenhang von Übergewicht und Diabetes ist unübersehbar: Über 90 % der Patienten mit Typ-2-Diabetes bringen mehr als nur das Normalgewicht auf die Waage. Schon bei übergewichtigen Kindern – ihre Zahl hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt! – führt das zu einer Störung der Glukosetoleranz; bei 1-2 % der sehr stark übergewichtigen (adipösen) Jugendlichen wird sogar der früher „Altersdiabetes“ genannte Typ 2 der Zuckerkrankheit festgestellt.

    Doch auch bei Typ-1-Diabetikern (die Insulinproduktion des Körpers reicht nicht aus) wirkt sich Übergewicht ungünstig aus: Sie können einen „Doppel-Diabetes“ entwickeln. Das heißt, dass sie auch noch eine Insulinresistenz bekommen – mit der Zeit wird immer mehr Insulin benötigt, um die gleiche Senkung des Blutzuckers zu erreichen wie vorher.

  • Untersuchungen

    Für die Diagnose Diabetes misst der Arzt folgende Werte:

    • Nüchternblutzucker
      wird morgens vor dem Frühstück, also nüchtern, bestimmt
    • Gelegenheitsblutzucker
      zu einem beliebigen Zeitpunkt gemessener Blutzucker
    • oraler Glukosetoleranztest
      wird morgens im nüchternen Zustand durchgeführt. Für den Test trínkt der Patient eine Flüssigkeit mit 75 g Zucker. Vor und zwei Stunden nach dem Trinken wird der Blutzucker gemessen.  
    • Langzeitblutzucker (HbA1c-Wert)
      Das HbA1c (Glykohämoglobin) ist der Farbstoff der roten Blutkörperchen (Hämoglobin), der mit Zuckerresten verknüpft ist. Dieser Wert zeigt an, wie hoch die Konzentration des Blutzuckers in den letzten sechs bis acht Wochen war.

    Kontrolluntersuchungen

    Wurde ein Diabetes festgestellt, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig, um Folgeschäden zu verhindern oder zu verringern. Hierzu gehören Untersuchungen von:

    • Urin
      Bei sehr hohem Blutzuckerspiegel findet man auch Zucker im Urin. Bestimmte Eiweiße weisen zudem auf eine diabetische Nierenerkrankung hin.
    • Blut
      Blutzuckermessung mittels Teststreifen kann man auch selbst zu Hause durchführen. Der der Arzt prüft anhand mehrerer Blutwerte (Langzeit-Blutzuckerwert {HbA1c}, Cholesterin und andere) den Behandlungserfolg, auch Folgeerkrankungen kann er so erkennen.
    • Herz-Kreislauf
      Diabetiker sollten einmal jährlich zum EKG, um mögliche Herzerkrankungen zu erkennen. Das EKG misst Herzfrequenz und -rhythmus und liefert Informationen über die elektrische Aktivität von Herzvorhöfen und -kammern.
      Mit einem Belastungs-EKG können Herztätigkeit und Blutdruck unter Belastung beurteilt werden. Hierzu muss sich der Patient unter Beobachtung körperlich anstrengen, meist auf einem Standfahrrad. Diese Messungen werden auch als Ergometrie bezeichnet.
      Diabetiker sind Hochrisikopatienten für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für den Arzt zählt ein Diabetes so, als hätte der Patient bereits einen Infarkt erlitten. Entsprechend streng sind die Maßnahmen, die zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ergriffen werden sollten. Hierzu gehören die regelmäßige Überprüfung von Blutzucker, Cholesterin und Blutdruck sowie ihre konsequente Behandlung.
    • Augen
      Der Augenarzt kontrolliert regelmäßig die Sehschärfe und überprüft die Netzhaut auf Veränderungen, die aufgrund von Diabetes auftreten können.

    Selbstkontrolle

    Achten Sie aufmerksam auf Ihren Körper! Gibt es Schäden an den Füßen? Ist das Zahnfleisch entzündet? Wie fühlen Sie sich? Mit etwas Übung lassen sich auch Blutzucker und Blutdruck zu Hause selbst überprüfen.

    Diabetiker leiden außerdem häufiger unter Übergewicht. Daher sollte auch das Gewicht regelmäßig überprüft werden und gegebenenfalls Maßnahmen zur Gewichtsreduzierung ergriffen werden.

  • Vorbeugen – aber wie?

    Idealerweise sollten Sie Übergewicht als Hauptrisikofaktor für Diabetes Typ 2 vermeiden oder zumindest verringern. Gesunde Ernährung und eine aktive Lebensweise sind dafür der Schlüssel. 

    Diabetes Typ 1 lässt sich leider noch nicht verhindern, es wird allerdings an Präventionsmöglichkeiten geforscht. Wenn ein Diabetes besteht, geht es darum, Gefäßschädigungen und den daraus entstehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegenzuwirken. Eine Senkung des Blutzuckers in den Normalbereich (HbA1c unter 6,5) ist unerlässlich, aber nicht ausreichend. Auch bei optimalem HbA1c bleibt das Risiko von Herz-Kreislauf-Ereignissen deutlich erhöht. Daher müssen je nach Patient auch weitere Risikofaktoren wie LDL-Cholesterin (Senkung unter 100 mg/dL), Blutdruck (Senkung unter 130/80 mmHg oder so tief wie akzeptabel), sowie Übergewicht und Rauchen behandelt werden. 

Fazit

Der Diabetes mellitus hat alarmierende Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Bei früher Diagnose lässt sich jedoch durch eine Behandlung mit Medikamenten und einer Veränderung des Lebensstils einiges zur Gesunderhaltung von Herz und Gefäßen erreichen.