Elektrische Geräte: Worauf sollten Sie achten

Die meisten Elektrogeräte, die Sie im Alltag benutzen, haben keinen Einfluss auf Schrittmacher, implantierte Cardioverter-Defibrillatoren (ICD) und Geräte für kardiale Resynchronisationstherapie (CRT). Auf starke elektromagnetische Störungen reagieren  implantierte Therapiesysteme jedoch empfindlich und bestimmte elektrische oder magnetische Felder beeinflussen sie. 

Daher ist es wichtig, zu verstehen, welche Geräte harmlos sind und welche nicht. Generell gilt: Vermeiden Sie nach Möglichkeit elektrische Geräte, von denen eine Gefahr ausgehen könnte. Fühlen Sie sich unwohl, sollten Sie aus dem Einflussbereich der Störquelle gehen oder das störende Gerät ausschalten.

Unbedenkliche elektrische Geräte in Haushalt und Büro

Sicher sind bei normalem Gebrauch:

  • CD-/DVD-Player und Fernbedienung
  • Computer, Faxgeräte und Drucker
  • Elektrische Rasierapparate, Föhn
  • Elektrische Wärmedecken und Heizkissen
  • Elektro- oder Gasherd, Mikrowellenherd, Mixer
  • Staubsauger
  • Fernbedienungen (z. B. Garagentor, Kamera-/Videogeräte)

Ihr Therapiegerät reagiert möglicherweise mit Piepen auf starke Magnetfelder. In einem solchen Fall sollten Sie sich von der Quelle entfernen und Ihren Arzt informieren.

Handys/Mobiltelefone und iPods

Das Handy kann Ihren Herzschrittmacher, ICD oder CRT in seltenen Fällen vorübergehend stören, wenn es bei eingehenden Anrufen in der Brusttasche genau über dem Therapiegerät getragen wird (was vor allem bei Männern beliebt ist). Sobald das Handy vom Aggregat entfernt wird, funktioniert dieses wieder ordnungsgemäß.

Halten Sie das Handy ans Ohr auf der entgegengesetzten Körperseite vom implantierten Therapiesystem und tragen Sie es nicht in der Brusttasche, die über dem Aggregat liegt! Dies gilt in besonderem Maße für Smartphones, die sich regelmäßig über das Funknetz mit dem Internet verbinden, um aktuelle Daten zu senden oder abzurufen.

Halten Sie einen Abstand von mindestens 15 cm zwischen dem Handy und dem Aggregat ein! Überträgt das Telefon mit einer Leistung von über 3 Watt, vergrößern Sie den Abstand auf 30 cm! Beachten Sie den Mindestabstand auch, wenn Sie Ihr Handy in einer Brusttasche oder am Gürtel transportieren möchten! Diese Vorsichtsmaßnahmen gelten nicht für schnurlose Festnetztelefone.

Seien Sie bei der Nutzung eines iPods vorsichtig und tragen Sie ihn nicht in der Hemd- oder Jackentasche! Auch die kleinen Kopfhörer, wie sie bei Mobiltelefonen und mp3-Playern üblich sind, können Probleme bereiten. Die in ihnen befindlichen Magnete stören in einigen Fällen Defibrillatoren, wenn sie ganz nahe an das Aggregat gehalten werden. Tragen Sie daher diese Kopfhörer nicht lose um den Hals oder in der Brusttasche! Hören ist jedoch erlaubt.

Smart TV und Smart Home

Fernsehgeräte stellen kein Problem für das Therapiegerät dar, solange sie nicht per WLAN oder Bluetooth mit anderen Geräten kommunizieren. Auch bei Smart-Home-Lösungen sollten Sie sich in den Geräteunterlagen oder direkt beim Hersteller über die Verträglichkeit von Technik und Therapiegerät informieren.

Sicherheitskontrollen an Flughäfen

An Flughäfen werde verschiedene Sicherheitssysteme eingesetzt. Die Metalldetektoren in den Sicherheits-Torbögen oder Handscannern schlagen zwar aufgrund Ihres Therapiegerätes an, schaden diesem aber nicht. Trotzdem ist es ratsam, wenn Sie die Detektoren rasch durchschreiten und die Handabtaster nur kurz und nicht wiederholt über den Brustraum geführt werden. Ein Hinweis auf Ihr Therapiegerät erspart Ihnen die elektrische Sicherheitskontrolle zumeist.

Auch die modernen Röntgengeräte und Köperscanner, die mit Millimeterwellen arbeiten, stellen laut einer Studie des Deutschen Herzzentrums München keine Gefahr dar.

Elektroautos und Ladestationen

Sie dürfen sich unbesorgt in ein elektrisches Auto setzen. Eine Studie des Deutschen Herzzentrums München vom September 2018 zeigt, dass die von Elektroautos ausgehenden elektromagnetischen Felder keine Fehlfunktionen von implantierten Therapiesystemem verursachen.

Ein anderes Thema ist das Aufladen der Elektroautos: Bisher ist das Aufladen per Steckdose und an öffentlichen Schnelladestationen laut TÜV noch unterhalb des Strahlenniveaus, das Probleme verursachen könnte, aber technologischer Fortschritt könnte diese Grenze bald überschreiten. Auch von induktiven Ladestationen könnte eine Gefahr ausgehen, die noch nicht untersucht ist.

Größerer Sicherheitsabstand

Objekte, bei denen Sie einen Mindestabstand von 30 cm zu Ihrem Aggregat einhalten sollten:

  • Stereolautsprecher großer Audiosysteme, Ghettoblasters
  • Batteriebetriebene, kabellose Werkzeuge
  • Starke Magnete
  • Bohrmaschinen (mit Kabel), ebenso batteriebetriebene, schnurlose elektrische Werkzeuge (Bohrmaschinen, Schraubendreher, Tischsägen usw.)
  • Kettensägen
  • Laubbläser, Rasenmäher, Schneebläser
  • Spielautomaten (Bestimmte Spielautomaten können beim Kontakt Ihr Aggregat beeinträchtigen.)
  • Polizeifunkantennen
  • Magnetische Abtaster (die beispielsweise von den Sicherheitskräften am Flughafen)

Objekte, bei denen Sie einen Mindestabstand von 60 cm zu Ihrem Aggregat einhalten sollten:

  • Induktionskochfeld (Achten Sie auch auf die Herstellerangaben!)
  • CB-Funkantennen
  • Lichtbogenschweißer

Gänzlich vermeiden

Objekte, die Sie vermeiden sollten – unabhängig vom Abstand:

  • Körperfettanalysator bzw. Körperfettwaage
  • Elektrische Schockgeräte zur Selbstverteidigung
  • Laufende Motoren und Lichtmaschinen: Lehnen Sie sich nicht über die Lichtmaschine eines laufenden Fahrzeugs! Lichtmaschinen erzeugen große Magnetfelder, die Ihr Aggregat beeinträchtigen können.
  • Presslufthämmer
  • TENS-Geräte zur Schmerzkontrolle durch elektrische Stimulierung

Bei Fragen zu elektromagnetischen Störquellen berät in der Regel auch der technische Kundendienst der Gerätehersteller. Falls Sie sich im Umgang mit technischen Geräten mal nicht sicher sind, wenden Sie sich an den Hersteller Ihres Implantates!

Übersicht: Elektromagnetische Störquellen für Herzschrittmacher, ICDs und CRT-Ds

Unproblematisch: Kein bekanntes Risiko bei Geräten in einwandfreiem Zustand und bei sachgemäßem Gebrauch
Sicherheitsabstand: Abstand zwischen Gerät (bzw. Geräte-Antenne oder Motor) und Therapiegerät
Nicht empfohlen: Hohes Risiko auch bei intaktem Gerät und sachgemäßem Gebrauch

  • Unterhaltung, Medien, Kommunikation

    Unproblematisch

    • Fernsehgeräte *
    • MW/LW/UKW-Radio
    • CD/DVD-Player und -Rekorder *
    • Festnetz-Telefon, auch schnurlos
    • Digitaler Musikspieler (iPod)
    • Computer (Desktop, Laptop) *
    • Drucker *, Scanner *, Kopierer, Faxgerät

    Sicherheitsabstand mindestens 15 cm

    • alle Geräte mit WLAN (WIFI) oder Bluetooth – z. B. Router, Smart-TV, Smartphone, Headset, Modems, Handy-Freisprecheinrichtung
    • Handy (bis 3 W Sendeleistung)
    • e-Book-Reader
    • Kabellose Heimelektronik
    • Kabellose Controller (Spielkonsolen)
    • Kabellose Kopfhörer (Abstand zum Sendegerät)
    • Lautsprecher

    * ohne WLAN oder Bluetooth, inkl. Fernbedienung

  • Küche

    Unproblematisch *

    • kleine ortgebundene Geräte wie Mixer, Küchenmaschine, Dosenöffner
    • Mikrowelle, Toaster
    • Umluft,- Elektro-, Gasofen
    • Kühlschrank
    • Geschirrspüler

    Sicherheitsabstand mindestens 15 cm

    • Handgeräte wie Handmixer, Pürierstab oder Elektromesser

    Sicherheitsabstand mindestens 60 cm

    • Induktionsofen

    * Achtung bei Smart-Home-Ausstattungen, die per WLAN oder Bluetooth angewählt werden.

  • Bad

    Unproblematisch

    • elektrische Zahnbürste (das Handteil)
    • Rasierapparat mit Batterie oder Akku

    Sicherheitsabstand mindestens 15 cm

    • Rasierapparat mit Netzkabel
    • Fön, mobile Trockenhaube
    • Ladestation der elektrischen Zahnbürste
    • Hand-Massagegerät

    Nicht empfohlen

    • Körperfett-Messwaage
  • Haus und Garten sonst

    Unproblematisch

    • Waschmaschine, Wäschetrockner
    • elektrische Wärmedecken/Heizkissen
    • Infrarot-Fernbedienung
    • Garagentoröffner
    • Akkuladegerät für Haushaltsakkus
    • Bügeleisen
    • Luftionisator
    • Massagestuhl oder -polster

    Sicherheitsabstand mindestens 15 cm

    • kleine Haushaltmagnete
    • Staubsauger, Nähmaschine (Abstand zum Motor)
    • Funkfernsteuerung bis zu 3 Watt Leistung (z. B. ferngesteuertes Spielzeug)
    • Schlüssellose Zugangs- und Startsysteme für das Auto

    Sicherheitsabstand mindestens 30 cm

    • Auto, Motorrad, Rasenmäher (Abstand zum Motor)
    • Elektrozaun und elektrische Begrenzungskabel (z. B. für Mähroboter)

    Nicht empfohlen

    • Magnetmatratze, -kissen
  • Elektrisch betriebene Werkzeuge

    Sicherheitsabstand mindestens 15 cm

    • Lötkolben

    Sicherheitsabstand mindestens 30 cm

    • Akku-betriebene schnurlose Elektrowerkzeuge
    • Rasenmäher
    • Bohrer, elektrischer Schraubendreher
    • Winkelschleifer
    • Schweißausrüstung
    • elektrische Laubsäge, Kettensäge, Kreissäge

    Sicherheitsabstand mindestens 60 cm

    • Wechselstromgenerator

    Nicht empfohlen

    • Presslufthammer
  • Freizeit, Hobby, Reisen

    Unproblematisch

    • Fernbedienung Garagentor
    • Sonnenbank, Achterbahn
    • Whirlpool und Sauna nach Rücksprache mit dem Arzt
    • Bodyscanner am Flughafen
    • Elektroautos

    Sicherheitsabstand 15 bis 60 cm

    • Laufband
    • Funkfernsteuerung bis zu 3 Watt Leistung (z. B. Modellflieger)
    • Flaschentauchen
    • Geldspielautomat
    • Stereolautsprecher
    • Laufender Motor
    • Hochspannungsleitungen
    • Diebstahlschutz (Geschäfte)
    • Fernseh- oder Rundfunkturm
    • Schnelladestationen und Induktionsladestationen für Elektroautos

    Nicht empfohlen

    • Bauchmuskelstimulator
  • Medizinische Verfahren

    Unproblematisch

    • Computertomographie
    • Zahnarztbohrer
    • Elektrokardiogramm
    • Ultraschall
    • Röntgen (z. B. Mammographie, Knochendichtemessung)

    Mögliche Probleme bei

    • Elektrokauterisation
    • TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation)
    • Muskelstimulation

    Große Risiken

    • Diathermie
    • Magnetresonanztomographie (MRT)

    * Sie sollten Ihren behandelnden Arzt immer über Ihr Therapiesystem informieren – auch bei als unproblematisch eingestuften Verfahren.

Im Einzelfall können Risiken größer oder geringer als hier angegeben sein. Bitte informieren Sie sich in den Geräteunterlagen und/oder beim Hersteller Ihres Therapiegerätes.

  • Über diesen Artikel

    Autor: Redaktion
    Aktualisierung: 4.12. 2018
    Bildnachweise: Titelbild © I-vista / pixelio.de

    Literatur:

    1. Sicherheitsscanner keine Gefahr für Patienten mit Herzschrittmachern und Defibrillatoren, Ärzteblatt 11.Sept 2018,  online abgerufen Dez. 2018 www.aerzteblatt.de/nachrichten/97789/Sicherheitsscanner-keine-Gefahr-fuer-Patienten-mit-Herzschrittmachern-und-Defibrillatoren
    2. Ismail MM et al. (2010) Third generation mobile phones (UMTS) do not interfere with permanent implanted pacemakers. Pac Clin Electrophys 33(7):860-864
    3. Lahor-Soler E et al. Capacity of dental equipment to interfere with cardiac implantable electrical devices. Eur J Oral Sci. 2015 Jun;123(3):194-201. doi: 10.1111/eos.12183. Epub 2015 Apr 23.
    4. Lennerz C et al. Electric Cars and Electromagnetic Interference With Cardiac Implantable Electronic Devices: A Cross-sectional Evaluation. Ann Intern Med. 2018 Sep 4;169(5):350-352. doi: 10.7326/M17-2930. Epub 2018 Apr 24.
    5. Vogt et al. Sicherheitsaspekte beim Laden von Elektrofahrzeugen BASt.Bericht F107, 2016