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Endokarditis

Die Endokarditis oder Herzinnenhautentzündung ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die unbehandelt oft tödlich verläuft. Meist wird sie durch eine Infektion mit Bakterien ausgelöst, man spricht deshalb von der infektiösen Endokarditis. Die Endokarditis wird mit Antibiotika behandelt, in der Regel im Krankenhaus.
 

  • Was ist eine Endokarditis?

    Die Endokarditis ist eine Entzündung der Herzinnenhaut (medizinisch: Endokard), einer feinen Haut, die den gesamten Innenraum des Herzens auskleidet und auch die Herzklappen und ihren Halteapparat überzieht. Heutzutage tritt fast ausschließlich die infektiöse Endokarditis auf, die durch eine Infektion vor allem einer Herzklappe mit Bakterien bedingt ist.

    Es gibt jedoch auch andere Formen der Endokarditis, die nicht direkt durch eine Infektion mit Bakterien verursacht werden. Ein Beispiel ist das heutzutage seltene „rheumatische Fieber“. Hierbei handelt es sich um eine Immunreaktion im Bereich des Herzens, die im Gefolge eines unbehandelten Streptokokkeninfekts, z. B. Wochen nach Scharlach oder nach einer Mandel- oder Mittelohrentzündung, auftreten kann.

  • Ursache und Risikofaktoren

    Die bakterielle Endokarditis ist eine in den Industrieländern seltene Erkrankung. Menschen, die an Herzklappenerkrankungen leiden oder an den Herzklappen operiert wurden, haben allerdings ein erhöhtes Risiko, eine infektiöse Endokarditis zu entwickeln. Auch bei Diabetikern, die sich Insulin spritzen, bei Dialyse-Patienten und bei intravenösem Drogengebrauch ist das Risiko für eine Endokarditis erhöht. Jedoch ist es auch möglich, dass Menschen ohne Risikofaktoren eine infektiöse Endokarditis entwickeln.

    Überwiegend sind es Eitererreger wie Staphylokokken und Streptokokken sowie Enterokokken, die eine infektiöse Endokarditis hervorrufen.

    Die Bakterien werden von einem Infektionsherd im Körper ausgeschwemmt und über das Blut zum Herzen transportiert. Dies kann beispielsweise durch die Behandlung einer infizierten Zahnwurzel oder bei der Entfernung der Mandeln oder auch der Behandlung eines Abszesses passieren. Wenn die Körperabwehr, das Immunsystem, die Bakterien nicht unschädlich machen kann, dann können sie sich im Herzen auf der Herzinnenhaut ansiedeln und vermehren.
     

  • Gefahren einer Herzinnenhautentzündung

    Bei der infektiösen Endokarditis bilden sich Ablagerungen auf den Herzklappen. Sie bestehen aus Entzündungsprodukten wie Fibrin, Entzündungszellen und Bakterien und können zur Schädigung oder sogar zur Zerstörung der Herzklappen und ihres Halteapparats führen. Die Funktion der Herzklappen (auch der künstlichen!) kann beeinträchtigt werden: Es kommt zu sogenannten Klappenfehlern. Die Herzklappen schließen dann nicht mehr richtig (Klappeninsuffizienz) oder sie öffnen sich nicht mehr ausreichend (Klappenstenose). 

    Besonders gefährlich ist es, wenn sich solche Ablagerungen von den Herzklappen lösen. Sie werden mit dem Blutstrom durch das Gefäßsystem des Körpers transportiert und können Blutgefäße verstopfen und zur Infektion anderer Gewebe führen, z. B. im Gehirn. Diese Verstopfung eines Gefäßes nennt man Embolie.

  • Beschwerden

    Die Symptome der Endokarditis sind meist unspezifisch: Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Schwitzen, Fieber oder erhöhte Körpertemperatur, Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen kommen bei vielen Erkrankungen vor. Bei einer akut verlaufenden Endokarditis stehen hohes Fieber, Schüttelfrost und ein schweres Krankheitsgefühl im Vordergrund, ebenso können auch Zeichen einer Herzinsuffizienz auftreten, wie Atemnot bei Belastung.

    Bei Patienten, bei denen Risikofaktoren vorliegen, z. B. eine künstliche Herzklappe oder intravenöser Drogengebrauch, muss bei diesen Symptomen untersucht werden, ob eine infektiöse Endokarditis vorliegt.
     

  • Untersuchungen

    Wenn aufgrund der Symptome und des Vorberichts der Verdacht auf eine Endokarditis besteht, müssen eine ganze Reihe von Untersuchungen durchgeführt werden. Neben einer sorgfältigen körperlichen Untersuchung, einem EKG und Laboruntersuchungen (Blutbild, Nierenwerte und Entzündungswert) sind eine Ultraschalluntersuchung des Herzens sowie eine Blutkultur zum Erregernachweis mit Bestimmung der wirksamen Antibiotika erforderlich.

    Für die Blutkultur wird im Labor eine Blutprobe des Patienten bei einer bestimmten Temperatur bebrütet, damit sich vorhandene Bakterien vermehren können und man sie dann identifizieren kann.

    Bei der Ultraschalluntersuchung des Herzens (Herz-Echo, Echokardiographie) kann der Arzt mit Hilfe von Ultraschallwellen eine Klappeninsuffizienz sichtbar machen sowie Ablagerungen auf natürlichen und künstlichen Herzklappen oder auch Abszesse erkennen. Die Sichtbarkeit wird verbessert, wenn die „normale“ Echokardiografie von außen durch die Brustwand mit der sogenannten transösophagealen Echokardiografie durch die Wand der Speiseröhre (Ösophagus) kombiniert wird.
     

  • Behandlung

    Die Behandlung der infektiösen Endokarditis muss stationär erfolgen, denn die Erkrankung ist lebensbedrohlich.

    Es werden Antibiotika, die nachweislich gegen den in der Blutkultur festgestellten Erreger wirksam sind, als Infusion verabreicht. Die Antibiotika-Behandlung dauert in der Regel einige Wochen, damit auch alle Bakterien ausgerottet werden.

    Wenn der Patient sich in einem lebensbedrohlichen Zustand befindet, werden die Ärzte jedoch sofort mit der Behandlung beginnen und dazu ein Antibiotikum verwenden, das sich in vielen Fällen als wirksam erwiesen hat. Wenn die Ergebnisse der Blutkultur vorliegen, erfolgt gegebenenfalls ein Wechsel auf ein anderes Antibiotikum, das besonders gut gegen den identifizierten Erreger wirksam ist. 

    Wenn die Antibiotikatherapie nicht ausreichend wirkt und die Endokarditis fortschreitet, ist meist eine Operation notwendig. Ein chirurgischer Eingriff am Herzen kann das Überleben der Patienten verbessern und das Risiko für eine Embolie durch Ausschwemmung von Ablagerungen an den Herzklappen verringern.

  • Vorbeugung

    Menschen mit einem sehr hohen Risiko für eine schwer verlaufende Endokarditis sollten vor zahnärztlichen Eingriffen im Bereich des Zahnfleischs und der Zahnwurzelregion sowie bei Eingriffen an der Mundschleimhaut eine vorbeugende Antibiotikabehandlung erhalten. 

    Empfohlen wird die sogenannte Endokarditisprophylaxe Menschen, 

    • die schon einmal eine Endokarditis hatten,
    • die künstliche Herzklappen erhalten haben,
    • die unter bestimmten Herzklappenerkrankungen leiden,
    • die in den letzten 6 Monaten vor dem geplanten Eingriff an den Herzklappen operiert wurden. 
  • Tipps

    Zur Verringerung des Endokarditisrisikos ist es besonders wichtig, auf gute Zahnpflege zu achten, da schon beim Zähneputzen oder Kauen Bakterien ins Blut gelangen können. Mangelhafte Mundhygiene und Zahnpflege sowie Zahnfleischerkrankungen können dazu führen, dass bei zahnärztlichen Eingriffen viele Bakterien ins Blut gelangen.

    Gehen Sie deshalb zweimal im Jahr zur Kontrolle zum Zahnarzt und achten Sie auf eine sorgfältige Mund- und Zahnpflege. Eine gute Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen sind für die Vorbeugung einer infektiösen Endokarditis sinnvoller als eine vorbeugende Antibiotikagabe.

  • Über diesen Artikel

    Autor: Redaktion, SGE

    Erstellt: 21.3.2019

    Literatur:

    • Westphal N, Plicht B, Naber C. Endokarditis – Prophylaxe, Diagnostik und Therapie. Deutsches Ärzteblatt 2009; 106: 481–490
    • Habib G, Lancellotti P et al. für die Task Force for the Management of Infective Endocarditis of the European Society of Cardiology (ESC). 2015 ESC Guidelines for the management of infective endocarditis. European Heart Journal 2015; 36: 3075–3123
    • European Society of Cardiology, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie. ESC Pocket Guidelines: Infektiöse Endokarditis Update. Version 2015.

    Bildnachweise:

    • Titelbild © Lupo / pixelio.de
    • Illustration Bau des Herzens © DP-Medsystems AG
    • Illustration Endokarditis © Roberto Biasini / 123rf.com