Ihr Herz-Kreislauf-Portal

Arbeitswelt und Herz-Kreislauf-Krankheit

Herzinfarkt, leichter Schlaganfall, Herz-Operation – nach einer Rehabilitationsphase können viele Patienten wieder am Arbeitsleben teilnehmen. Auch Menschen mit einer chronischen Herzerkrankung können ihren Beruf meist weiterhin ausüben. Das ist nicht nur finanziell von Vorteil, auch die Seele profitiert von beruflicher Anerkennung und dem sozialen Leben, das sich im Kollegenkreis ergibt. Wie gelingt der Wiedereinstieg in den Arbeitsalltag und was passiert, wenn ich nicht mehr oder nur noch eingeschränkt arbeiten kann?

Welchen Beruf kann ich noch ausüben?

Wie viel Stress und körperliche Anstrengung Sie sich im Beruf noch zumuten können, hängt von Ihrer Erkrankung und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber! Viele Jobs kann man ohne größere Einschränkungen weiterhin ausüben, bei anderen können sogenannte Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation dabei helfen, ihren bisherigen Arbeitsplatz baulich anzupassen oder Ihre Tätigkeit so abzuändern, dass sie diese bewältigen können.

Manchmal setzt jedoch die Technik Grenzen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die ständig oder vorübergehend die Reaktionsfähigkeit einschränken können, verbieten das Arbeiten an und mit Maschinen, bei denen ein Bedienfehler Menschenleben in Gefahr bringen kann. Dazu gehört auch das Führen von Kraftfahrzeugen.

  • Beispiele für Einschränkungen

    Bei ausgeprägtem Bluthochdruck können Sehstörungen, Kopfschmerzen und Schwindel auftreten – das Führen von Fahrzeugen und das Bedienen von schweren Maschinen ist in solchen Fällen verboten. Auch bei Erkrankungen, bei denen plötzliche Herzrhythmusstörungen auftreten können (Brugada-Syndrom, Long QT-Syndrom), ist von diesen Tätigkeiten abzuraten.

    Bei deutlicher Herzschwäche und dauerhaften Herzrhythmusstörungen sind körperlich anstrengende Jobs nicht geeignet.

    Implantierbare Therapiesysteme lindern die Krankheitssymptome. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie sich Ihre berufliche Leistungsfähigkeit hierdurch verbessert haben könnte und wo Ihnen das Therapiegerät möglicherweise neue Grenzen setzt!

     

Wie komme ich im Job klar?

Ob man seine Arbeit als erfüllend erlebt und sie gesundheitlich meistert, hängt von einigen äußeren Bedingungen ab, also von körperlicher und geistiger Belastung, technischer Ausstattung und Art der Tätigkeit.

Wichtigstes Werkzeug: Stressmanagement

Zu viel Stress ist ein bekanntes Gesundheitsrisiko, für Herz-Kreislauf-Patienten in besonderem Maße. Ein effektives Stressmanagement ist daher bei jeder Beschäftigung wichtig. Ganz ohne Stressmomente geht es in keinem Berufsalltag – es wird immer mal Auftragsspitzen, Zeitdruck oder unverhoffte Probleme geben. Bei einer Arbeit, die grundsätzlich viel Stress mit sich bringt, können eine Arbeitszeitanpassung oder sogar ein Arbeitsplatzwechsel nötig werden.

Mit ein paar Tricks verringern Sie den Stress im Arbeitsalltag:

  • Machen Sie Pausen! Eine einzige große Pause z. B. zur Mittagszeit reicht nicht aus. Wo es möglich ist, unterbrechen Sie Ihre Arbeit ganz kurz, strecken Sie sich oder gehen Sie ein paar Schritte oder lockern Sie bei körperlicher Arbeit Ihre Muskeln.
  • Achten Sie auf Stresszeichen! Spüren Sie, dass sie hektisch werden oder sich nicht mehr konzentrieren können? Übergehen Sie diese Signale Ihres Körpers nicht – auch nicht, wenn gerade eine dringende Sache zu erledigen ist. Sie können sich der Angelegenheit nach dem Durchatmen wieder effektiver widmen.
  • Laden Sie sich nicht zu viel auf! Bei allen Arbeitsplätzen gibt es Dinge, die unbedingt sofort erledigt werden müssen, und andere, die noch etwas Zeit haben. Lernen Sie, sich nicht von den weniger dringenden Aufgaben „jagen“ zu lassen. Wenn Sie im Beruf oft Termine wahrnehmen müssen, legen Sie diese nicht zu dicht – Sie brauchen auch Zeit zum Vor- und Nachbereiten.
  • Feierabend ist Feierabend! Auch wenn Sie einen Job mit sogenannter gleitender Arbeitszeit haben, achten Sie darauf, Arbeit und Freizeit zu trennen. Schnell noch etwas für den Job zu machen, sollte die absolute Ausnahme in Notfällen sein. Vermitteln Sie das gegebenenfalls auch Ihrem Vorgesetzten – ein „Das mache ich morgen sofort als Erstes“ hilft da oft schon.
  • Yoga, Meditation oder Achtsamkeitsübungen: Es gibt Techniken, die beim Entspannen helfen. Viele davon halten auch Kurz-Übungen bereit, mit denen Sie tagsüber mal schnell „aus dem Alltag aussteigen“ können. Fitness-Studios, Yoga- oder Meditationstrainer und manche Volkshochschulen haben Entspannungsübungen in ihren Programmen.

Achtung bei körperlichen Warnzeichen

Neben den Stress-Symptomen sollten auch körperliche Warnzeichen in Ihrem Fokus stehen. Schmerzen, Benommenheit, ein beschleunigter Puls, Unwohlsein oder andere Symptome – nehmen Sie diese ernst. Wenn sie wiederholt auftreten, sprechen Sie mit Ihrem Arzt!

 

  • Berufliche Rehabilitation

    Unter dem Begriff „Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben“ sieht der Gesetzgeber verschiedene Maßnahmen vor, damit Sie wieder erwerbsfähig werden oder es bleiben. Das können Geld- und Sachleistungen für den Erkrankten sein, aber auch eine Unterstützung für den Arbeitgeber, damit dieser einen angepassten Arbeitsplatz zur Verfügung stellen kann.

    Typische Angebote der beruflichen Rehabilitation sind Umschulungs-, Weiterbildungs- und Trainingsmaßnahmen. Auch das stufenweise Wiedereinsteigen gehört dazu: Man beginnt z. B. mit 4 Stunden und steigert sich nach und nach auf die anvisierte Arbeitszeit.

    Wenn Reha-Maßnahmen aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nötig werden, sind in der Regel die Bundesagentur für Arbeit oder die Sozialhilfeträger zuständig. Die gesetzliche Unfallversicherung kommt nur für Reha-Maßnahmen nach Arbeitsunfällen und bei Berufskrankheiten auf.

     

  • Berufsunfähigkeit und Erwerbsminderung

    Nicht immer gelingt nach einem schwerwiegenden Herz-Kreislauf Ereignis ein beruflicher Wiedereinstieg. Was ist der Unterschied zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit? Und was dann?

    Wenn man aufgrund gesundheitlicher Probleme seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, gilt man als berufsunfähig. Wenn es auch keinen anderen Beruf gibt, in dem man mehr als 6 Stunden arbeiten kann, liegt eine Erwerbsminderung (auch: teilweise Erwerbunfähigkeit) vor. Beträgt die mögliche tägliche Arbeitszeit weniger als 3 Stunden, handelt es sich um eine Erwerbsunfähigkeit.

    Wie stark die Einschränkungen sind, wird durch den „Grad der Behinderung“ beschrieben. Dieser ist auch die Grundlage für bestimmte arbeitsrechtliche Regelungen wie zusätzlicher Urlaub oder ein besonderer Kündigungsschutz. Zuständig für die Feststellung des Grades der Behinderung ist in der Regel das Amt für Soziales und Gesundheit.

    Bei eingeschränkter Erwerbsfähigkeit können Sie bei der Rentenversicherung einen Rentenantrag stellen. Dafür müssen auch versicherungsrechtliche Voraussetzungen erfüllt werden. Informationen dazu finden Sie unter anderem auf der Website der Deutschen Rentenversicherung.