Ihr Herz-Kreislauf-Portal

Herztransplantation

Bei einer Herztransplantation wird einem schwerstkranken Herzpatienten das gesunde Herz eines hirntoten Organspenders verpflanzt. In Deutschland werden pro Jahr circa 200 Herzen transplantiert. Dabei ist die Warteliste für eine Herztransplantation lang. Rund 700 Patienten warten derzeit auf eine Herztransplantation.

  • Warten auf ein neues Herz

    Ob ein Herzpatient für eine Transplantation geeignet ist und auf die Warteliste aufgenommen wird, entscheidet ein großes Team aus Medizinern unterschiedlicher Fachrichtung im Rahmen einer Konferenz in einem Transplantationszentrum. Bei der gemeinsamen Entscheidung müssen verbindliche Richtlinien eingehalten werden.

    In Deutschland ist für die Koordinierung einer Organtransplantation die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) zuständig. Für die Zuteilung der gespendeten Organe an die Patienten auf der Warteliste ist die Vermittlungsstelle Eurotransplant in den Niederlanden verantwortlich. Die Organvermittlung erfolgt nach festen Kriterien. Dabei werden zum Beispiel Blutgruppe, Größe und Gewicht von Spender und Empfänger sowie die medizinische Dringlichkeit der Transplantation berücksichtigt. Vor der Organentnahme wird der Hirntod des Organspenders von zwei unabhängigen, speziell ausgebildeten Ärzten sorgfältig geprüft und nach strengen Richtlinien festgestellt.

    Die Zahl der durchgeführten Herztransplantationen und die Neuanmeldungen für die Warteliste haben in den letzten Jahren abgenommen. Dies liegt einerseits am Mangel an Spenderherzen. Auf der anderen Seite haben jedoch auch die verbesserten Behandlungsmöglichkeiten zu einem Rückgang der Patienten auf der Warteliste geführt. Beispielsweise können so genannte Herzunterstützungssysteme (englisch: Ventricular Assist Device, VAD) , welche die Herzfunktion mechanisch unterstützen oder ersetzen, häufig über einen längeren Zeitraum oder sogar dauerhaft eingesetzt werden. Diese Patienten werden dann nicht für die Warteliste für ein Spenderherz angemeldet. Auch bei Menschen, die auf der Warteliste für ein Spenderherz stehen, können künstliche Herzunterstützungssysteme dazu beitragen, den Gesundheitszustand zu verbessern und die Wartezeit bis zu einer Transplantation zu überbrücken.

  • Einsatzgebiete

    Die Herztransplantation stellt bei Patienten mit endgültiger Herzschwäche (Herzinsuffizienz), bei denen die Erkrankung durch andere medizinische Behandlungen – wie Medikamente, Schrittmacher oder Operationen – nicht mehr in den Griff zu bekommen ist, die letzte Therapiemöglichkeit dar. Für viele schwerstkranke Herzpatienten, deren eigenes Herz versagt, ist die Organspende damit die Chance auf ein neues Leben.

    Zu den häufigsten Gründen für eine Herztransplantation zählen

    Einige Patienten eignen sich nicht für eine Herztransplantation, zum Beispiel Patienten mit schweren Nieren-, Leber-, Lungen- oder Gefäßerkrankungen, Krebs oder schweren Infektionen.

     

  • Ablauf

    Vor der Operation

    Wurde es ein passendes Organ für einen Empfänger auf der Warteliste gefunden, dann nimmt das Transplantationszentrum Kontakt mit dem Organempfänger auf. Ist dieser körperlich in der Lage für eine Operation, muss er auf dem schnellsten Weg ins Transplantationszentrum kommen. Dort werden noch einige Voruntersuchungen durchgeführt, um gesundheitliche Probleme auszuschließen, die gegen eine Transplantation sprechen, zum Beispiel Infektionen.

    Da alles sehr schnell gehen muss, werden all diese Maßnahmen schon durchgeführt, bevor das Spenderorgan endgültig akzeptiert ist. Parallel entscheidet das Entnahmeteam vor Ort beim Spender, ob das Herz äußerlich keinerlei Mängel aufweist und transplantiert werden kann. Es kann also immer noch zu einer Absage der Transplantation kommen.

    Anschluss an die Herz-Lungen-Maschine

    Die Herztransplantation gehört zu den Standardverfahren der Herzchirurgie. Dabei wird zunächst unter Vollnarkose der Brustkorb des Organempfängers der Länge nach geöffnet. Danach wird der Blutkreislauf an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, die während der Operation die Aufgabe des Herzens und der Lunge übernimmt. Sie leitet das Blut aus dem Körper, reichert es mit Sauerstoff an und pumpt es wieder in den Körper zurück.

    Entfernen des alten und Einsetzen des Spenderherzens

    Nach Anschluss der Herz-Lungen-Maschine wird die Hauptschlagader (Aorta) des Organempfängers abgeklemmt und das erkrankte Herz entfernt, wobei die Teile der Herzvorhöfe im Brustkorb belassen werden. Nun kann das Spenderherz eingesetzt werden. Das Spenderherz wird präpariert, danach werden der im Körper verbliebene linke und rechte Vorhof des Organempfängers mit den jeweiligen Vorhöfen des Spenderherzens durch eine Naht verbunden. Im Anschluss werden die Lungenarterie und die Aorta des Empfängers mit den entsprechenden Blutgefäßen des Spenderorgans vernäht. Daneben gibt es noch andere, seltener angewandte Operationstechniken.

    Nach dem Einsetzen wird das Herz noch entlüftet, bevor der Blutfluss in den Herzkranzgefäßen durch Lösen der Aortenklemme freigegeben wird. Durch die Durchblutung der Herzkranzgefäße wird das Herzgewebe wieder mit sauerstoffhaltigem Blut versorgt und das Herz beginnt in der Regel von selbst wieder zu schlagen. Wenn das neue Herz seine Pumpfunktion aufgenommen hat, kann die Herz-Lungen-Maschine nach und nach abgestellt werden. Abschließend wird der Brustkorb wieder verschlossen. Die gesamte Operation dauert in der Regel etwa vier Stunden.

  • Nachsorge

    Nach der Herztransplantation bleiben die Patienten noch einige Wochen im Krankenhaus, zuerst auf der Intensivstation und danach auf der normalen Krankenstation. Im Anschluss an den Klinikaufenthalt folgt eine Kur in einer kardiologischen Rehabilitationsklinik. Während dieser Zeit können sie sich an das Leben mit dem neuen Herzen und an die neuen Medikamente gewöhnen. Gleichzeitig erlernen sie eine gesundheitsbewusste und herzschonende Lebensweise, zum Beispiel mittels Atemübungen, Herz-Kreislauf-Training oder einer Ernährungsberatung.

    Abstoßung verhindern durch Immunsuppression

    Um eine mögliche Abstoßungsreaktion – also eine Abwehrreaktion des Körpers gegen das neue Organ – zu verhindern, muss jeder Herztransplantierte Medikamente zur Vorbeugung von Abstoßungsreaktionen einnehmen. Die sogenannten Immunsuppressiva unterdrücken das körpereigene Abwehrsystem. Immunsuppressiva müssen ein Leben lang regelmäßig und zuverlässig genommen werden, da das neue Herz ansonsten schwer geschädigt werden kann oder sogar ganz versagt. Immunsuppressiva können das Risiko für Infektionen erhöhen. Aus diesem Grund sind bestimmte Hygienemaßnahmen und ein guter Impfschutz nötig. Aufgetretene Infektionen sollten konsequent behandelt werden.

    Regelmäßige Nachkontrollen

    Das Abstoßungsrisiko ist kurz nach der Operation am höchsten. In der Anfangsphase nach der Transplantation werden deshalb sehr häufig Kontrolluntersuchungen durchgeführt, um eine mögliche Abstoßungsreaktion früh zu erkennen und zu behandeln. Dazu werden zum Beispiel kleine Gewebeproben aus dem Herzmuskel (Myokardbiopsien) entnommen und untersucht.

    Im weiteren Verlauf werden die Abstände der Kontrolluntersuchungen zwar immer größer, dennoch sind regelmäßige Untersuchungen (z. B. Labor, EKG, Röntgen, Herzkatheter, Biopsie) u. a. beim Hausarzt und in der Transplantationsklinik nötig, um zu überprüfen, ob das neue Herz richtig arbeitet und ob gesundheitliche Komplikationen auftreten.

  • Über diesen Artikel

    Autor: Redaktion / Ulrike Kluska

    Aktualisierung: 30.4.2019

    Literatur:

    • Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Jahresbericht Organspende und Transplantation in Deutschland 2018.
    • Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie. Grundlegende Informationen zum Thema Herztransplantation der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Stand: 1. November 2015
    • Bundesärztekammer. Richtlinien für die Wartelistenführung und Organvermittlung zur Herz- und Herz-Lungen-Transplantation, Fassung vom 09.12.2013
    • Rieth A et al. Herztransplantation – Update 2017. Hessisches Ärzteblatt 2017; 4:207-213.
    • Deutsches Herzzentrum München: Herztransplantation. www.dhm.mhn.de
    • Klinikum der Universität München: Herztransplantation. www.klinikum.uni-muenchen.de

    Bildnachweis: Titelbild © St.Op. / fotolia.de