Körperliche Untersuchung

Eine gründliche körperliche Untersuchung liefert wichtige Hinweise für das Vorliegen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Dabei wird der Arzt z. B. Folgendes überprüfen:

  • Wie fühlt sich der Puls an?
  • Ist die Atmung beschleunigt?
  • Ist der Blutdruck erhöht?
  • Leiden Sie an Wasseransammlungen in den Knöcheln, am Fußrücken oder im Bauchbereich?
  • Ist die Leber gestaut?
  • Sind die Halsvenen erweitert und gestaut?
  • Ist die Haut bläulich verfärbt, was besonders an den Lippen sichtbar ist?

Zur körperlichen Untersuchung gehört auch, dass Sie der Arzt mit einem Stethoskop abhört. Dadurch kann er folgende Befunde erheben:

  • Gibt es Rasselgeräusche in der Lunge?
  • Schlägt das Herz zu schnell/zu langsam oder unregelmäßig?
  • Sind Herztöne oder -geräusche zu hören, die bei einem gesunden Herzen nicht auftreten?

Eventuell wird der Arzt Sie auch im Brust- oder Bauchbereich abklopfen. Damit kann er z. B. feststellen, ob sich Wasser in der Lunge angesammelt hat oder die Leber vergrößert ist.

  • Weitere Untersuchungen der Blutgefäße

    Tasten der Fußpulse

    Am einfachsten lässt sich der Puls am Handgelenk oder seitlich am Hals tasten, da dort Arterien dicht unter der Haut verlaufen. Aber auch am Fuß verlaufen zwei Arterien, an denen ein Puls tastbar ist, nämlich einmal am Fußrücken und seitlich oberhalb der Ferse. Eine Messung der Fußpulse liefert Hinweise auf etwaige Durchblutungsstörungen der Beine und damit auch der Füße. Ein gut tastbarer Fußpuls bedeutet, dass die Beine gut durchblutet sind. Ist der Fußpuls nicht oder nur schlecht zu tasten, klären weitere Untersuchungen ab, ob eine Durchblutungsstörung der Beine vorliegt oder ob die Pulsmessung nur durch ein festeres oder verhärtetes Gewebe die Pulsmessung erschwert wird.

    Wozu dient eine Blutdruckmessung an den Füßen?

    Sicherlich kennen Sie die Armmanschette, mit der in der Arztpraxis Blutdruck gemessen wird, vielleicht haben Sie sogar so ein Gerät zu Hause. Auch an den Beinen oberhalb der Knöchel kann der Blutdruck gemessen werden. Bei gesunden Menschen ist der Blutdruck an den Füßen etwas höher oder gleich wie der Druck an den Handgelenken. Wenn aber die Durchblutung in den Beinen gestört ist, wie zum Beispiel bei der Schaufensterkrankheit (pAVK), dann ist der Blutdruck an den Füßen niedriger als an den Handgelenken.  

    Was ist ein Knöchel-Arm-Index?

    Ein Vergleich der Blutdruckwerte von Knöchel und Arm zeigt, ob möglicherweise eine Durchblutungsstörung vorliegt: Ist der Quotient des systolischen Blutdrucks am Bein/am Arm kleiner als 1, sind die Beine schlechter durchblutet als die Arme. Diesen Wert nennt man Knöchel-Arm-Index (auf Englisch „ankle-brachial-index“, ABI). Je kleiner der Wert, desto stärker sind vermutlich die Durchblutungsstörungen der Beine. Mit dieser einfachen und schmerzlosen Methode kann der Arzt also viel über die Gesundheit der Blutgefäße in den Beinen herausfinden. Oft kann z. B. eine pAVK festgestellt werden, bevor sie im Alltag die für pAVK typischen Schmerzen beim Gehen verspüren.

    Mit einem speziellen Doppler-Ultraschall kann der Arzt außerdem die Fließrichtung und Fließgeschwindigkeit des Blutes messen und so z. B. Engstellen in den Gefäßen aufspüren.

    Abhören von Schlagadern

    Beim Abhören der Schlagadern mit dem Stethoskop hört der Arzt, wie das Blut durch die Adern fließt. Veränderte Geräusche zeigen, ob ein Gefäßabschnitt verengt oder erweitert ist, da dann das Blut schneller oder langsamer fließt. Das Abhören der Halsschlagader kann z. B. Hinweise auf eine Verengung (Karotisstenose) liefern. Dann folgen weitere Untersuchungen wie z. B. ein Ultraschall, die das das Ausmaß der Verengung zeigen. Bei starker Verengung der Halsschlagader kann ein Schlaganfall drohen.  

    Die Bauchschlagader ist die Hauptschlagader des Körpers. Ein gefährliches Bauchaortenaneurysma kann entstehen, wenn sich diese Schlagader sackartig ausgedehnt hat. Das spürt man nicht, aber der Arzt kann es unter Umständen mit dem Stethoskop hören. Auch hier folgt dann in der Regel eine Abklärung per Ultraschall.

Ergebnisse

Der Arzt kann zwar durch die körperliche Untersuchung allein nicht die Diagnose stellen, weil manche Befunde bei vielen verschiedenen Erkrankungen vorkommen können, die körperliche Untersuchung ist aber ein wichtiger Mosaikstein, durch den sich der Arzt in Kombination mit weiteren Symptomen und Untersuchungsbefunden ein Gesamtbild über eine Erkrankung machen kann.

Einige Beispiele für die Befunde, die bei der körperlichen Untersuchung auftreten können und mögliche Interpretationen:

  • Unregelmäßiger, sehr schneller oder langsamer Puls bzw. Herzschlag kann ein Hinweis sein auf Herzrhythmusstörungen.
  • Beschleunigte, schwere Atmung kann ein Hinweis sein auf Atemnot, z. B. bei Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz.
  • Wasseransammlungen in den Knöcheln, am Fußrücken oder im Bauchbereich können ein Hinweis sein auf Schwäche des Herzens, z. B. bei Herzinsuffizienz.
  • Gestaute, erweiterte Halsvenen können ein Hinweis sein auf Schwäche des rechten Herzens, z. B. bei Herzinsuffizienz.
  • Rasselgeräusche in der Lunge können ein Hinweis sein auf Wasseransammlung in der Lunge, z. B. wegen einer Herzinsuffizienz.
  • Veränderte Herzgeräusche treten z. B. auf bei Herzklappenerkrankungen und Herzinsuffizienz.
  • Ein Knöchel-Arm-Index unter 1 weist auf Durchblutungsstörungen der Beine (z. B. pAVK) hin.
  • Veränderte Strömungsgeräusche in der Hauptschlagader können auf ein Aortenaneurysma hinweisen.
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    Autor: Redaktion
    Aktualisierung: 5. 11. 2018
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