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Lungenembolie – tückisches Nachspiel einer Thrombose

Eine Lungenembolie ist ein Verschluss einer (oder mehrerer) Lungenarterien durch ein Blutgerinnsel, das sich aus den Venen des Körpers löst und in die Lungengefäße eingeschwemmt wird. 

Lungenembolien stellen die dritthäufigste Todesursache aufgrund von Herz- und Gefäßerkrankungen dar und schätzungsweise sterben in Deutschland ca. 40.000 Menschen pro Jahr an einer Lungenembolie.

  • Was ist eine Lungenembolie?

    Bei einer Embolie wird in der Regel ein Blutgerinnsel aus einer Vene im Körper über die Blutbahn in ein Blutgefäß eingeschwemmt und verstopft dieses. Betrifft dies Lungenarterien, dann spricht man von einer Lungenembolie. Die Lungenembolie kann lebensbedrohlich sein.

    Meist stammen die Blutgerinnsel oder Thrombosen, die eine Lungenembolie verursachen, aus den Bein- und/oder Beckenvenen. Sie können aber auch an anderen Orten im Körper entstehen. Auch wenn Blutgerinnsel die häufigste Ursache sind, können selten auch z. B. Fett oder Knochen (nach operativen Eingriffen am Skelett), Luft, Bakterien, Zellen oder Fremdkörper und sogar Fruchtwasser in den Blutgefäßen zu Embolien führen.

  • Risikofaktoren

    Besonders gefährdet, eine Thrombose oder eine Lungenembolie zu entwickeln, sind unter anderem Menschen nach Verletzungen und Operationen, besonders Gelenkersatzoperationen, bettlägerige oder gelähmte Menschen, Patienten, bei denen ein oder beide Beine ruhiggestellt sind oder die Bluttransfusionen erhalten haben, und Patienten mit Herz- oder Lungenerkrankungen oder Krebspatienten.

    Ältere Menschen sind häufiger betroffen als junge. In einigen Fällen liegt der erhöhten Gerinnbarkeit des Blutes oder auch eine vererbte Veranlagung zugrunde. Auch schwangere Frauen haben ein erhöhtes Thromboserisiko, und manche Medikamente, zum Beispiel die Antibabypille in Kombination mit dem Rauchen, können die Blutgerinnung beschleunigen.

  • Ursachen

    Die Hauptgründe, die das Entstehen einer Thrombose begünstigen, sind:

    Das Blut fließt zu langsam

    In den Venen fließt das Blut von Natur aus sehr viel langsamer als in den Arterien. Hauptsächlich wird der venöse Blutfluss in den Beinen durch die Muskelpumpe der Wadenmuskeln gesteuert. Beim Gehen und Laufen pressen die Muskeln die Venen zusammen und fördern dadurch den Blutfluss zum Herzen.

    Ist das Bein ruhiggestellt ist, sei es z. B. durch einen Gips, durch Lähmung, Immobilisierung, Bettlägerigkeit oder auch auf langen Flugreisen, werden die Muskeln und damit die Muskelpumpe nicht ausreichend aktiviert. Die Fließgeschwindigkeit des Blutes wird verlangsamt und es kann sich leichter eine Thrombose bilden.

    Die Innenwand der Blutgefäße ist beschädigt

    Damit das Blut ungehindert fließen kann, müssen die Innenwände der Blutgefäße glatt sein. Krampfadern, Rauchen oder Veränderungen durch Verletzungen und vorausgegangene Thrombosen können die Gefäßwand rau machen. Winzig kleine Gerinnsel können dann besser anhaften und den Ausgangspunkt für die Entstehung von Thrombosen bilden.

    Das Blut gerinnt zu schnell

    Die Blutgerinnung hängt von verschiedenen Einflüssen ab. Zum Beispiel gerinnt das Blut nach einer größeren Verletzung oder nach Operationen schneller, damit Blutverluste vermieden werden. Auch bei manchen Erkrankungen sowie bei Flüssigkeitsmangel im Körper ist die Blutgerinnung erhöht. 

  • Beschwerden

    Wenn die Lungenembolie nur ein kleines Lungengefäß betrifft, verursacht sie keine oder nur leichte Beschwerden und man kann sie leicht übersehen. Ist jedoch ein größeres Lungengefäß verstopft, kann dies lebensbedrohlich sein. Symptome wie Luftnot, Schmerzen beim Atmen und Herzrasen können darauf hinweisen. 

    Die fulminante Lungenembolie, die schwerste und akut lebensbedrohliche Form der Lungenembolie, führt innerhalb kürzester Zeit zu starker Luftnot und Kreislaufversagen. Hier sind sofort Maßnahmen zur künstlichen Beatmung oder sogar eine Wiederbelebung (Reanimation) erforderlich.

  • Komplikationen

    Eine Lungenembolie kann zu einer Reihe von Komplikationen führen.

    • Vor allem wenn große Blutgefäße in der Lunge durch das Blutgerinnsel verlegt sind, muss das rechte Herz stärker arbeiten, um diesen Widerstand zu überwinden. Als Folge sind eine Rechtsherzschwäche (Rechtsherzinsuffizienz) und sogar Rechtsherzversagen möglich, außerdem kann es zum Kreislaufschock kommen.
    • Treten Lungenembolien wiederholt auf und muss das Herz dauerhaft gegen einen höheren Widerstand im Lungengefäßsystem arbeiten, entsteht Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie). Auch in diesem Fall kann sich eine Rechtsherzschwäche bis hin zum Rechtsherzversagen entwickeln.
    • Weitere mögliche Komplikationen sind u. a. Entzündungen der Lunge (Pneumonie) und des Rippen- oder Lungenfells (Pleuritis), Lungeninfarkte oder auch Herzrhythmusstörungen.
  • Untersuchungen

    Jeder Verdacht auf eine Lungenembolie muss sofort von einem Arzt abgeklärt werden. 

    Die Untersuchung der sogenannten D-Dimere im Blut sagt etwas darüber aus, ob im Körper Blutgerinnsel (Thromben) vorhanden sind, die abgebaut werden. Werden im Blut nicht vermehrt D-Dimere gefunden, ist eine Lungenembolie weniger wahrscheinlich, jedoch nicht ganz ausgeschlossen.

    Besteht der Verdacht weiterhin, sind bildgebende Untersuchungen der Lunge und der Beinvenen erforderlich:

    • Eine computertomografische Darstellung der Blutgefäße der Lunge (CT-Pulmonalisangiografie (CTPA)) oder eine Ventilations-/Perfusionsszintigrafie
    • Eine Ultraschalluntersuchung der Lunge (Lungenultraschall (LUS)). Damit kann man, vor allem in Kombination mit weiteren Ultraschalluntersuchungen (Sonografie der Beinvenen, Echokardiografie) eine Lungenembolie nachweisen. Ein negatives Ergebnis der Lungen-Ultraschalluntersuchung schließt diese jedoch nicht aus und macht weitere Untersuchungen (CTPA, Szintigrafie) erforderlich.
    • Der Nachweis einer Beinvenenthrombose bei der Sonografie der Beinvenen bestätigt den Verdacht auf eine Lungenembolie. 

    Eine Abklärung der Folgen der Lungenembolie für das rechte Herz sowie die Abschätzung des akuten Risikos für den Patienten ermöglichen die Echokardiografie [https://www.kardionet.de/echokardiographie/] und die transösophageale Echokardiografie, bei der das Herz durch die Wand der Speiseröhre (Ösophagus) untersucht wird. 

  • Behandlung

    So schnell wie möglich sollten Patienten mit einer Lungenembolie Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen („Blutverdünner“), erhalten, damit die Bildung weiterer Gerinnsel in den Bein- und Beckenvenen verhindert wird. 

    In den ersten Tagen werden diese Medikamente häufig als Injektion unter die Haut oder direkt in die Vene verabreicht, es gibt jedoch inzwischen auch Medikamente in Tablettenform, die von Anfang an gegeben werden können. An die Akutbehandlung schließt sich eine Erhaltungstherapie mit blutverdünnenden Tabletten über 3 bis 6 Monate oder auch länger an. Während dieser Erhaltungstherapie ist eine regelmäßige Überwachung der Gerinnungswerte erforderlich.

    Die Auflösung eines frischen Gerinnsels (Thrombolyse) in der Lunge durch Medikamente kann die Durchblutung der Lunge schneller wiederherstellen als die alleinige Blutverdünnung. Man nennt diese Therapie deswegen auch Reperfusionstherapie. Sie soll den Widerstand und den Druck im Lungengefäßsystem schnell senken und damit die Funktion des rechten Herzens verbessern. Allerdings gibt es Erkrankungen, bei denen keine Thrombolyse erfolgen darf.

    In bestimmten Fällen kann das Gerinnsel in einer Lungenarterie auch operativ oder z. B. mithilfe eines Katheters zerkleinert und entfernt werden. Dieses Vorgehen nennt man auch Thrombektomie.

  • Über diesen Artikel

    Autor: Redaktion, SGE

    Aktualisierung: 15.4.2019

    Literatur:

    • Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V. S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie – Pocket-Version. Deutscher Ärzteverlag, Köln, 2017
    • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. ESC-Pocket-Guideline „Management der akuten Lungenembolie“. Björn Bruckmeier Verlag, 2015
    • Wilkens H, Held M. Lungenarterienembolie: Status 2018. Dtsch Ärztebl 2018; 11 5(Supplement Perspektiven der Pneumologie & Allergologie 2/2018): 8–14 

    Bildnachweise:

    • Titelbild © M.Dörr & M.Frommherz / fotolia.com
    • Illustration © DP-Medsystems AG