Medikamente

Es gibt wirksame Medikamente zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Häufig ist eine Wirkstoffkombination nötig, um Beschwerden zu lindern sowie ein Fortschreiten der Krankheit und Komplikationen zu verhindern. Dabei unterscheidet man im Wesentlichen zwei große Gruppen:

  • Medikamente mit Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System:
    • ACE-Hemmer
    • Aldosteron-Antagonisten
    • Angiotensinrezeptor-Blocker
    • Beta-Blocker
    • Digitalis: Herzglykoside
    • Diuretika
    • Neprilysin-Inhibitor
  • Blutgerinnung- und plättchenhemmende Medikamente:
    • Acetylsalicylsäure
    • Cumarine
    • Direkte (oder „neue“) orale Antikoagulantien (DOAK oder  NOAK)

Medikamente mit Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System

  • ACE-Hemmer

    ACE-Hemmer sind gefäßerweiternde Medikamente, die häufig zur Blutdrucksenkung eingesetzt werden. Die Abkürzung ACE steht für ein körpereigenes Enzym, das Angiotensin-Converting-Enzym, das für die Umwandlung von Angiotensin-I in Angiotensin-II verantwortlich ist. Angiotensin-II ist ein körpereigener Wirkstoff, der die Blutgefäße verengt und eine der stärksten Blutdruck-steigernden Substanzen im Körper.

    So wirken ACE-Hemmer

    Durch die ACE-Hemmer verringert sich die Anspannung der Gefäßmuskulatur. So nimmt der Druck in den Blutgefäßen ab, d. h. der Blutdruck sinkt. Weil weniger Angiotensin-II zur Verfügung steht, wird auch weniger Aldosteron aus der Nebennierenrinde freigesetzt, was den Wasserhaushalt beeinflusst und zur Ausscheidung von Flüssigkeit führt. Das Herz wird entlastet und schlägt kräftiger. Etwaige Wasseransammlungen in der Lunge werden verringert und die Luftnot bessert sich.

    ACE-Hemmer werden u. a. bei Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und nach einem Herzinfarkt eingesetzt. ACE-Hemmer sind günstig bei der Behandlung von Nierenerkrankungen durch Bluthochdruck oder Diabetes, denn sie verbessern die Nierendurchblutung und die Ausscheidung harnpflichtiger Stoffe.

    Mögliche Nebenwirkungen

    Eine relativ häufige Nebenwirkung ist ein Reizhusten. Er tritt etwa bei 10 Prozent der Patienten auf, die ACE-Hemmer einnehmen. Nach längerer Zeit (etwa 3 Monaten) kann der Husten von selbst verschwinden. Ist dies nicht der Fall oder können Sie den Husten nicht so lange ertragen, kann Ihr Arzt Ihnen evtl. ein anderes Medikament verschreiben, z. B. einen Angiotensinrezeptor-Blocker.

    Außerdem kann der Blutdruck bei Einnahme eines ACE-Hemmers abrupt abfallen. Deshalb verordnet der Arzt anfangs meist eine niedrige Dosis und steigert sie allmählich.

    Es kann außerdem u. a. zu Magen-Darm-Störungen, Kopfschmerzen und Schwindel kommen. Ein erhöhter Kaliumspiegel im Blut mit der Gefahr von Herzrhythmusstörungen ist eine weitere Nebenwirkung.

    Obwohl ACE-Hemmer sich bei Nierenerkrankungen oft günstig auswirken, können sie doch in seltenen Fällen zur Verschlechterung der Nierenfunktion führen.

    Das sollten Sie beachten

    Bevor Sie ACE-Hemmer erhalten, überprüft Ihr Arzt in einem Labortest Ihre Nierenfunktion. Beginnen Sie mit der Medikamenteneinnahme am Abend. Wenn Sie sich hinlegen, spüren Sie einen möglichen Blutdruckabfall weniger und sie vermeiden Stürze durch möglichen Schwindel.

    Wenn es Probleme gibt oder Sie Fragen haben: Besprechen Sie dies bitte immer mit Ihrem Arzt!

    Kontrollen

    Wichtig sind die regelmäßige Kontrolle Ihres Blutdrucks und der Mineralstoffe im Blut sowie die Überprüfung der Nierenfunktion.

    Beispiele

    Captopril, Enalapril, Benazepril

  • Aldosteron-Antagonisten

    Aldosteron-Antagonisten sind harntreibende Substanzen und gehören zur Gruppe der Diuretika. Aldosteron-Antagonisten werden z. B. bei Herzschwäche (Herzinsuffizienz) eingesetzt. Sie werden in der Regel mit anderen Medikamenten kombiniert und können die Lebenserwartung bei Herzinsuffizienz verbessern.

    So wirken Aldosteron-Antagonisten

    Aldosteron ist ein natürliches Hormon aus der Nebennierenrinde. Es wirkt auf die Niere und reguliert den Mineralstoff- und Wasserhaushalt im Körper. Es wird auch als „Dursthormon“ bezeichnet, weil es bei Flüssigkeitsmangel ausgeschieden wird.

    Aldosteron sorgt dafür, dass Wasser und Natrium im Körper zurückgehalten werden. Kalium wird dagegen vermehrt ausgeschieden. Bei einer Herzinsuffizienz kommt es zu einem Überschuss an Aldosteron als Folge einer Anpassungsreaktion des Körpers und damit zu Flüssigkeitseinlagerung.

    Aldosteron-Antagonisten binden an den Aldosteron-Rezeptor und verhindern dadurch die Bindung von Aldosteron an seinen Rezeptor. So kann Aldosteron seine Wirkung – nämlich Wasser zurück zu halten – nicht entfalten. Wasser wird vermehrt ausgeschieden und Ödeme bilden sich zurück. Kalium wird vermehrt im Körper zurückgehalten. Der Körper reagiert auf Aldosteron-Antagonisten mit einer gesteigerten Produktion von Aldosteron, was zum Teil die Nebenwirkungen erklärt.

    Mögliche Nebenwirkungen

    Es kann u. a. zu Magen-Darm-Störungen kommen. Die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen kann beeinträchtigt werden. Im Extremfall ist auch eine Austrocknung möglich, Blutgerinnsel können sich bilden. Eine weitere mögliche Nebenwirkung ist eine Vergrößerung der Brust bei Männern, verbunden mit einem unangenehmen Spannungsgefühl. Falls dies auftritt, kann der Arzt eine gleichartig wirkende Substanz verordnen, bei der diese Nebenwirkung viel seltener auftritt. Ein erhöhter Kaliumspiegel im Blut mit der Gefahr von Herzrhythmusstörungen ist eine weitere Nebenwirkung.

    Das sollten Sie wissen

    Diuretika werden häufig kombiniert, um die Dosis der einzelnen Substanzen und damit deren Nebenwirkungen zu reduzieren. Sie sollten die Diuretika nicht absetzen, sobald eine Besserung eintritt.

    Wenn es Probleme gibt oder Sie Fragen haben: Wenden Sie sich bitte immer an Ihren Arzt!

    Kontrollen

    Die Nierenwerte und Mineralstoffe im Blut, insbesondere Kalium, sollten regelmäßig durch Laboruntersuchungen kontrolliert werden.

    Beispiele

    Spironolacton, Eplerenon

  • Angiotensinrezeptor-Blocker

    Angiotensinrezeptor-Blocker werden gemäß ihrer Funktion auch AT1-Rezeptorantagonisten, Angiotensin-II-Antagonisten oder dem Wirkstoff nach Sartane genannt. Sie werden z. B. bei Bluthochdruck, Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und nach einem Herzinfarkt eingesetzt. Sie sind eine Alternative für Herzinsuffizienz-Patienten, die ACE-Hemmer nicht vertragen, denn sie wirken ähnlich wie diese.

    So wirken Angiotensinrezeptor-Blocker

    Angiotensin-II ist ein körpereigener Wirkstoff, der die Blutgefäße verengt. Angiotensinrezeptor-Blocker unterdrücken die Wirkung von Angiotensin-II am Angiotensin 1 (AT1)-Rezeptor an Herz, Blutgefäßen und Nieren. Dadurch kann Angiotensin-II seine Wirkung dort nicht entfalten. Die Salz- und Wasserausscheidung der Niere wird verbessert, der Widerstand in den Blutgefäßen nimmt ab. Dadurch sinkt der Blutdruck und das Herz wird entlastet.

    Angiotensinrezeptor-Blocker wirken schützend auf die Blutgefäße und verbessern die Lebenserwartung von Patienten mit chronischer Herzschwäche.

    Mögliche Nebenwirkungen

    Bei der Einnahme eines Angiotensinrezeptor-Blockers kann sich u. a. die Nieren- und Leberfunktion verschlechtern. Es kann zu Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit und Durchfall kommen.

    Das sollten Sie wissen

    Die Behandlung beginnt meist mit einer sehr niedrigen Dosis, die über mehrere Wochen langsam gesteigert wird, um einen plötzlichen Blutdruckabfall zu vermeiden. Falls Sie zu Beginn der Behandlung ein Schwächegefühl spüren, denken Sie daran: Allmählich wird Ihre körperliche Belastbarkeit verbessern und den ursprünglichen Stand deutlich überschreiten.

    Wenn Sie mit der Behandlung am Abend beginnen, wird Ihnen eine mögliche Blutdrucksenkung weniger unangenehm sein.

    Wenn es Probleme gibt oder Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt!

    Kontrollen

    Wichtig sind regelmäßige Kontrollen des Blutdrucks, der Leber- und Nierenfunktion und der Mineralstoffe im Blut.

    Beispiele

    Valsartan, Candesartan, Losartan, Telmisartan, Eprosartan, Irbesartan

  • Beta-Blocker

    Beta-Blocker werden auch Beta-Adrenorezeptorenblocker genannt. Sie können u. a. eingesetzt werden bei

    Häufig werden Beta-Blocker mit anderen Medikamenten kombiniert, z. B. mit ACE-Hemmern und gegebenenfalls mit harntreibenden Medikamenten (Diuretika).

    So wirken Beta-Blocker

    Bei einer Aktivierung eines bestimmten Teils des vegetativen Nervensystems, dem so genannten Sympathikus – beispielsweise bei Stress – sorgen Hormone wie Adrenalin und Noradrenalin dafür, dass der Körper auf Kampf oder Flucht vorbereitet wird: Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt.

    Beta-Blocker dämpfen die Aktivierung des Sympathikus. Sie blockieren die Beta-Rezeptoren und hemmen so die Wirkung einiger Stresshormone, besonders von Noradrenalin und Adrenalin: Pulsfrequenz und Blutdruck sinken, ebenso die Schlagkraft und Erregbarkeit des Herzens.

    Der Herzmuskel arbeitet effektiver, die Pumpfunktion bessert sich, der Sauerstoffbedarf des Herzens sinkt und das Herz kann sich erholen. Beta-Blocker sorgen bei Herzinsuffizienz dafür, dass der Herzmuskel sich nicht weiter vergrößert.

    Beta-Blocker können die Prognose bei Herzinsuffizienz, bei koronarer Herzkrankheit und nach einem Herzinfarkt sowie bei Bluthochdruck verbessern.

    Selektive Beta-Blocker

    Im Körper gibt es verschiedene Rezeptoren für Adrenalin: Die ß1-Adrenorezeptoren wirken vor allem auf die Herzleistung. Andere, wie die ß2-Adrenorezeptoren, wirken beispielsweise auf die Bronchialmuskulatur.

    Nichtselektive Beta-Blocker wirken auf beide Rezeptoren. Selektive Beta-Blocker wirken nur auf den ß1-Rezeptor und damit v. a. auf das Herz. Besonders hilfreich sind auch Beta-Blocker, die zusätzlich die Blutgefäße erweitern.

    Mögliche Nebenwirkungen

    Es kann anfangs zu einer vorübergehenden Verschlechterung Ihrer Beschwerden kommen, u. a. mit Müdigkeit, Leistungsminderung und Blutdruckabfall. Gelegentlich treten z. B. Schwindel, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und Potenzstörungen auf. Seltene Nebenwirkungen sind u. a. ein zu langsamer Herzschlag und depressive Verstimmungen. Bei Asthma-Patienten können auch Asthma-Beschwerden auftreten.

    Das sollten Sie wissen

    Der Arzt beginnt die Behandlung meist mit einer sehr niedrigen Dosis, die allmählich bis zu einer ausreichend hohen Dosis gesteigert wird.

    Wenn es Probleme gibt oder Sie Fragen haben: Wenden Sie sich bitte immer an Ihren Arzt!

    Kontrollen

    Es ist wichtig, dass Beschwerden und die Symptome einer Herzschwäche (wie Gewichtszunahme und Flüssigkeitsansammlungen in den Beinen), Blutdruck und Puls überwacht werden.

    Beispiele

    Nicht-selektive Betablocker: Propanolol, Pindolol, Sotalol und Bopindolol

    Häufig eingesetzte Beta1-selektive Betablocker sind z. B. Bisoprolol und Metoprolol.

    Betablocker mit Alpha-1-blockierender Wirkung: Carvedilol, Labetalol

  • Digitalis-Herzglykoside

    Digitalis ist eines der ältesten Herzmittel überhaupt. Gewonnen wurde es früher aus dem Fingerhut. Glykoside sind Substanzen, die mit Zuckermolekülen (Zucker = Glukose) verbunden sind.

    Digitalisglykoside werden bei fortgeschrittener Herzschwäche (Herzinsuffizienz) mit bestimmten Herzrhythmusstörungen, bei denen das Herz zu schnell schlägt (Tachykardien) – v. a. Vorhofflimmern –, eingesetzt, oft in Kombination mit ACE-Hemmern, Beta-Blockern und/oder Diuretika.

    So wirken Herzglykoside

    Herzglykoside binden an ein Membranprotein in den Herzmuskelzellen, dessen Funktion dadurch gedämpft wird: In der Folge steigt die Menge von Natrium in der Zelle, Kalzium verbleibt in der Zelle.

    Digitalis steigert so die Kontraktionskraft des Herzens, also die Leistung des Herzmuskels. Nun wird mit jedem Schlag mehr Blut ausgeworfen. Die Erregungsleitung wird verlangsamt, dadurch sinkt die Herzschlagfrequenz.

    Die Wirkung der Herzglykoside hängt stark von der eingesetzten Dosis ab. Bei einer Überdosierung kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen. Störungen des Mineralstoffhaushalts können die Wirkung von Herzglykosiden verändern.

    Mögliche Nebenwirkungen

    Digitalisglykoside können zu Störungen des Herzrhythmus führen. Vor allem bei Überdosierung kann es auch zu Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Psychosen, Störungen des Farbsehens und allgemeinen Sehstörungen kommen.

    Das sollten Sie wissen

    Es ist besonders wichtig, dass Sie die vorgeschriebene Dosierung genau einhalten, denn der Abstand zwischen wirksamer Dosis und Überdosis ist schmal. Sonst kann es im schlimmsten Fall zu einer Vergiftung mit den genannten Symptomen kommen. Falls Sie einmal eine Tablette vergessen, nehmen Sie daher bei der nächsten Einnahme auf keinen Fall die doppelte Dosis ein!

    Wenn es Probleme gibt oder Sie Fragen haben: Wenden Sie sich bitte immer an Ihren Arzt.

    Kontrollen

    Regelmäßig sollte der Medikamentenspiegel, also die Menge des Medikaments im Blut, bestimmt werden, um die optimale individuelle Dosis zu finden und Überdosierungen zu vermeiden.

    Beispiele

    Digoxin, Digitoxin

  • Diuretika

    Diuretika können z. B. eingesetzt werden bei Bluthochdruck und Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Häufig werden Diuretika mit anderen Medikamenten kombiniert, z. B. mit ACE-Hemmern und mit Beta-Blockern.

    So wirken Diuretika

    Diuretika helfen den Nieren, mehr Wasser und Salz im Urin auszuscheiden. Sie wirken also harntreibend („Wassertabletten“).

    Viele Menschen mit einer Herzschwäche leiden an Flüssigkeitsansammlungen in den Füßen, an den Knöcheln und Unterschenkeln. Auch „Wasser in der Lunge“, das zu Kurzatmigkeit führen kann, tritt häufig auf. Unter der Behandlung mit Diuretika gehen Flüssigkeitsansammlungen in Beinen und Füßen, aber auch in der Lunge, zurück, das Gewicht nimmt ab. Die Patienten bekommen wieder leichter Luft und können sich besser belasten. Zur Entlastung eines geschwächten Herzmuskels kann die Einnahme von Diuretika auch sinnvoll sein, wenn Sie keine Ödeme bemerken.

    Durch die verstärkte Ausscheidung von Flüssigkeit und Salz unter der Behandlung wird das Flüssigkeitsvolumen in den Blutgefäßen verringert. Der Gefäßwiderstand nimmt ab und der Blutdruck sinkt.

    Es gibt verschiedene Arten von Diuretika, die sich in ihrer Wirksamkeit und ihrem Einfluss auf den Mineralstoffhaushalt unterscheiden. Dazu gehören die Schleifendiuretika, Aldosteron-Antagonisten, Kalium sparende Diuretika und Thiazide. Manche Diuretika können miteinander kombiniert werden, um die Wasserausscheidung zu verbessern und gleichzeitig auch die Nebenwirkungen zu vermindern.

    Mögliche Nebenwirkungen

    Diuretika können dazu führen, dass sich die Menge an Mineralien im Blut verändert – wie Kalium, Natrium oder Magnesium. Als Folge können u. a. Herzrhythmusstörungen auftreten, z. B. bei zu niedrigen Kaliumwerten. In diesem Fall kann der Arzt die Behandlung auf ein anderes Medikament umstellen oder Kalium in Tablettenform zuführen. Es gibt Diuretika, die nicht zu einer vermehrten Kaliumausscheidung führen. Man spricht hier von Kalium sparenden Diuretika.

    Weitere mögliche Nebenwirkungen sind u. a. Durst und nächtliche Wadenkrämpfe. Im Extremfall – bei einem großen Wasserverlust – kann es zu einer Austrocknung kommen. Auch Blutgerinnsel (Thrombosen) können entstehen.

    Das sollten Sie wissen

    Diuretika werden meist nur in niedriger Dosierung verordnet. Ein vermehrter Harndrang ist erwünscht und zeigt, dass die Medikamente wirken. Häufig wird eine Einnahme am Morgen empfohlen, um die Nachtruhe nicht durch den gesteigerten Harndrang zu stören. Eine verringerte Trinkmenge ersetzt nicht die Einnahme des Diuretikums und schadet außerdem den Nieren.

    Wenn sich das Körpergewicht ändert (d. h. durch Wassereinlagerung zunimmt oder durch Wasserausscheidung abnimmt), kann in Absprache mit Ihrem Arzt die Menge der Diuretika angepasst werden. Dies gilt auch, wenn Sie zunehmende Kurzatmigkeit oder Schwellungen in den Beinen bemerken. Bisweilen ist dann eine Dosissteigerung der Diuretika hilfreich.

    Wichtig ist, dass Sie mit dem Arzt darüber sprechen, wenn Sie weiterhin unverändert unter Beschwerden leiden.

    Wenn es Probleme gibt oder Sie Fragen haben: Wenden Sie sich bitte immer an Ihren Arzt.

    Kontrollen

    Bei der Einnahme von Diuretika müssen bestimmte Mineralstoffe im Blut regelmäßig kontrolliert werden. Außerdem ist eine tägliche Gewichtskontrolle besonders wichtig, um eine „Überwässerung“ rechtzeitig zu erkennen, die Zeichen einer zunehmenden Herzschwäche ist.

    Da zu Beginn der Behandlung das Risiko für eine Thrombose hoch ist, werden anfangs vorbeugend Thrombosespritzen gegeben.

    Beispiele

    Schleifendiuretika: Furosemid, Torasemid

    Kalium sparende Diuretika: Amilorid, Triamteren,

    Aldosteron-Antagonisten: Spironolacton, Eplerenon

    Thiazide: Hydrochlorothiazid

  • Neprilysin-Inhibitoren

    Ein Neprilysin-Inhibitor kann bei Herzinsuffizienz mit einer verminderten Pumpleistung des Herzens in Kombination mit einem Angiotensin-Rezeptorblocker eingesetzt werden, wenn die Standardtherapie mit ACE-Hemmern und Betablockern versagt. Dieser Angiotensin-Neprilysin-Inhibitor (kurz ARNI) entlastet das Herz und verbessert die Pumpfunktion. 

    So wirken Neprilysin-Inhibitoren

    Der Neprilysin-Inhibitor schützt gefäßerweiternde Eiweiße wie ANP, BNP und CNP davor, von dem Enzym Neprilysin abgebaut zu werden. Dadurch steigt der Spiegel dieser vasoaktiven Peptide, die Blutgefäße weiten sich, die Nierentätigkeit wird angekurbelt und Natrium wird vermehrt ausgeschieden. All dies wirkt dem schleichenden Umbau des Herzmuskels entgegen, der typischerweise im Zuge der Herzinsuffizienz stattfindet.

    Kurz gesagt, der Neprilysin-Inhibitor wirkt herzschützend und entwässernd. Der Wirkstoff allein hat aber keine blutdrucksenkende Wirkung und wird nur zusammen mit einem Angiotensin-Rezeptorblocker eingesetzt.

    Mögliche Nebenwirkungen

    Das Kombipräparat kann den Blutdruck häufig so stark senken, dass Beschwerden aufgrund niedrigen Blutdrucks in Erscheinung treten. Die Nieren können in ihrer Funktion gestört werden und die Kaliumkonzentration im Blut kann zu stark ansteigen. Husten, Anämie und zeitweilige Schwellungen, vor allem an Gesicht und Lippen (Angioödeme) wurden auch beobachtet.

    Das sollten Sie wissen

    Der Neprilysin-Inhibitor wird nur als Kombipräparat eingesetzt.  Der Wirkstoff ist noch relativ neu, daher liegen kaum Daten zur Langzeitsicherheit vor. Bei Patienten mit stark fortgeschrittener Herzschwäche (NYHA-Klasse IV) ist Vorsicht geboten. Eine gleichzeitige Anwendung mit Statinen sollte sorgfältig überwacht werden.

    Kontrollen

    Blutdruckmessungen, Überwachung des Kaliumspiegels im Blut, Kontrolle der Nierenfunktion

    Beispiele

    Sacubitril (nur zusammen mit Valsartan)

     

„Blutverdünner“

Bei bestimmten Herzerkrankungen müssen Sie Medikamente nehmen, mit denen die Fähigkeit zur Blutgerinnung oder zur Zusammenballung der Blutplättchen (Thrombozyten) herabgesetzt wird, z. B.

  • bei koronarer Herzkrankheit und nach einem Herzinfarkt
  • bei bestimmten Herzrhythmusstörungen (beispielsweise Vorhofflimmern)
  • nach einer Herzklappenoperation
  • nach dem Einsetzen eines Stents
  • oder wenn sich bereits früher bei Ihnen ein Blutgerinnsel gebildet hat.

Damit soll verhindert werden, dass sich Blutgerinnsel (Thromben) bilden, die die Blutgefäße verstopfen können und zu einer Minderdurchblutung von Organen führen. Landläufig werden diese Medikamente deshalb auch als „Blutverdünner“ bezeichnet, auch wenn das Blut nicht wirklich „verdünnt“ wird.

Beispiele für Blutgerinnungshemmer: Heparin, Cumarine (Phenprocoumon,Acenocumarol oder Warfarin) oder als neue orale Antikoagulanzien (NOAK) bezeichnete Wirkstoffe wie Apixaban, Dabigatran, Edoxaban und Rivaroxaban.

Beispiele für Plättchenhemmer: die vier am häufigsten verordneten Thrombozytenaggregationshemmer sind Acetylsalicylsäure (ASS), Clopidogrel, Prasugrel und Ticagrelor.

  • Acetylsalicylsäure

    Acetylsalicylsäure (ASS) ist ein Thrombozytenaggregationshemmer. ASS wird zur Hemmung der Blutplättchen (Thrombozyten) eingesetzt, um die Bildung von Blutgerinnseln in den Gefäßen zu verhindern.

    So wirkt Acetylsalicylsäure

    ASS hemmt bestimmte Enzyme, die dafür sorgen, dass die Blutplättchen sich zusammenlagern. Eine ausreichende Funktion der Blutstillung bei geringfügigen Verletzungen ist unter der Einnahme von ASS jedoch vorhanden.

    Mögliche Nebenwirkungen

    Es kann zu Sodbrennen und Erbrechen kommen. Bei regelmäßiger Einnahme sind Schleimhautreizungen, Blutungen im Magen-Darm-Trakt und Magengeschwüre möglich. Bei Asthmatikern kann Acetylsalicylsäure Anfälle verursachen.

    Das sollten Sie beachten

    ASS kann die Wirkung zahlreicher anderer Medikamente verstärken oder abschwächen. Beispielsweise erhöht die gleichzeitige Einnahme von Kortison die Gefahr von Magen-Darm-Blutungen. Informieren Sie deshalb Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie noch andere Medikamente einnehmen!

    Die gerinnungshemmende Wirkung hält bis zu ca. 7 Tage nach der letzten Einnahme von ASS an. Man muss warten, bis neue, funktionsfähige Blutplättchen im Körper gebildet werden. Steht eine Operation an, muss sorgfältig abgewogen werden, ob das Medikament weiter genommen werden soll.

    Wenn ein operativer Eingriff geplant ist oder Ihnen ein Zahn gezogen werden soll oder wenn Sie andere Probleme oder Fragen haben: Wenden Sie sich bitte immer an Ihren Arzt!

  • Cumarine

    So wirken Cumarine

    Cumarine sind Antikoagulanzien. Sie hemmen die Blutgerinnung, indem sie Vitamin K blockieren und so die Bildung von Gerinnungsfaktoren in der Leber hemmen. Ihre volle Wirkung entfalten sie erst nach 3-6 Tagen.

    Mögliche Nebenwirkungen

    Während der Behandlung besteht eine erhöhte Blutungsneigung. Dies äußert sich in einer vermehrten Neigung zu blauen Flecken, zu Zahnfleischbluten, Blutungen im Magen-Darm-Trakt, in den Harnwegen oder durch die Haut, außerdem zu Schlaganfällen durch Hirnblutung. In seltenen Fällen kann es auch zu einer Leberentzündung kommen.

    Das sollten Sie beachten

    Die volle gerinnungshemmende Wirkung setzt verzögert ein. Cumarine müssen zuverlässig eingenommen werden, die Kontrollen müssen unbedingt eingehalten werden.

    Eine streng Vitamin-K-arme Ernährung ist nicht nötig. Sie sollten sich abwechslungsreich ernähren und auch Gemüse in Ihren Speiseplan einbauen. Meiden Sie aber Blumenkohl, Broccoli, rohe Brunnenkresse, Rosenkohl und Spinat im Übermaß!

    Viele, auch rezeptfrei erhältliche Medikamente, wie beispielsweise Rheuma- oder Kopfschmerzmittel oder Vitaminpräparate, können die Wirkung der gerinnungshemmenden Medikamente stören. Es ist deshalb wichtig, dass Sie Ihrem Arzt mitteilen, welche Medikamente oder auch Vitaminpräparate Sie einnehmen.

    Bei akuten Blutungen, nach Operationen, bei schweren Leber- und Nierenfunktionsstörungen oder Netzhauterkrankungen mit der Gefahr von Blutungen sind Cumarine nicht für Sie geeignet. Ist ein operativer Eingriff oder das Ziehen eines Zahns geplant, muss die Behandlung entweder kurz unterbrochen oder durch ein anderes Medikament, das in die Bauchhaut gespritzt wird, ersetzt werden.

    Tragen Sie immer einen vom Arzt ausgestellten Ausweis über die gerinnungshemmende Behandlung bei sich!

    Wenn Sie stärkere Blutungen bemerken, wenn ein operativer Eingriff geplant ist oder Ihnen ein Zahn gezogen werden soll oder wenn Sie andere Probleme oder Fragen haben: Wenden Sie sich bitte immer an Ihren Arzt!

    Kontrollen

    Regelmäßige Kontrollen sind unerlässlich, um nicht zu riskieren, dass es bei einer Überdosierung zu Blutungen kommt. Zur Kontrolle eignet sich der Quick-Wert, auch Thromboplastinzeit (TPZ) genannt. Zur besseren Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Laboratorien wird heute besser der INR-Wert (international normalized ratio) angegeben. Es gibt tragbare Testgeräte für zu Hause: Dadurch wird die regelmäßige Kontrolle der Werte erleichtert.

    Beispiele

    Phenprocoumon, Warfarin

  • Direkte (oder „neue“) orale Antikoagulantien (DOAK oder NOAK)

    Die direkten oder auch „neuen“ oralen Antikoagulanzien (DOAK oder NOAK) werden als Dauertherapie bei Vorhofflimmern ohne Beteiligung einer undichten Herzklappe verwendet, ansonsten sind Vitamin-K-Antagonisten wie Marcumar Standard. Außerdem können DOAKs zur Vorbeugung erneuter tiefen Venenthrombosen oder Lungenembolien eingesetzt werden.

    So wirken DOAKs

    Diese Blutgerinnungshemmer wirken auf verschiedene Gerinnungsfaktoren, die normalerweise bei Blutungen in einer Gerinnungskaskade aktiv werden. Sie unterdrücken so die Entstehung von Thromben bei inneren Blutungen und verringern somit auch das Risiko eines Schlaganfalls.

    Mögliche Nebenwirkungen

    Wie bei allen Gerinnungshemmern, besteht auch bei DOAKs während der Behandlung eine erhöhte Blutungsneigung. Dies äußert sich in einer vermehrten Neigung zu blauen Flecken, zu Zahnfleischbluten, Blutungen im Magen-Darm-Trakt, in den Harnwegen oder durch die Haut, außerdem zu Schlaganfällen durch Hirnblutung. 

    Das sollten Sie beachten

    DOAKs werden je nach Wirkstoff ein- bis zweimal täglich eingenommen. Da sie die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabsetzen, muss der Arzt vor einer Operation unbedingt darüber informiert werden, dass Sie Gerinnungshemmer einnehmen. Gegebenenfalls können DOAKs vor einem geplanten Eingriff abgesetzt werden. Diese Entscheidung trifft Ihr Arzt. Bei Notfällen gibt es für manche Wirkstoffe ein Gegenmittel.

    Kontrollen

    Die Nierenfunktion muss regelmäßig überprüft werden, da sich die Wirkstoffe bei nachlassender Nierenfunktion anreichern und sich die Blutungsgefahr erhöht, dazu jährliche Kontrolle der Leberfunktion und des Blutbildes. Im Gegensatz zu anderen Gerinnungshemmern müssen die Gerinnungswerte nicht regelmäßig kontrolliert werden.

    Beispiele

    Apixaban, Dabigatran, Edoxaban und Rivaroxaban

     

Tipps zur Einnahme von Herzmedikamenten

Was sollten Sie beachten, wenn Ihnen Medikamente verordnet werden?

  • Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig, pünktlich und in der verordneten Dosis ein. Achten Sie darauf, ob Sie die Medikamente vor oder nach dem Essen einnehmen sollen. Dies ist wichtig, damit die Tabletten optimal wirken können.
  • Falls Sie mehrere Tabletten einnehmen müssen, können Sie die Tagesdosis in kleinen Pillenschachteln vorbereiten, die Sie überall hin mitnehmen können. Nehmen Sie auch immer Ihren Medikamentenplan mit.
  • Wenn Sie einmal vergessen, Ihr Medikament zu nehmen, sollten Sie die Dosis nicht bei der nächsten Einnahme verdoppeln.
  • Bitte verlieren Sie nicht zu schnell die Geduld, wenn die erhoffte Besserung nicht sofort eintritt. Manche Medikamente benötigen einige Zeit, bis sie optimal wirken. In seltenen Fällen kann es sogar sein, dass Sie zunächst eine Verschlechterung Ihrer Beschwerden bemerken. Den Nutzen dieses Medikamentes spüren Sie häufig erst, wenn Sie es längere Zeit einnehmen.
  • Nehmen Sie Ihre Medikamente auch dann weiter in der verordneten Dosis ein, wenn Sie sich wohl fühlen oder nur noch geringe Beschwerden haben, denn Sie verdanken Ihr Wohlbefinden der Wirkung Ihrer Medikamente!
  • Über die wichtigsten Nebenwirkungen sollten Sie Bescheid wissen. Wenn Sie solche bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt.
  • Bitte teilen Sie Ihrem Arzt alle Medikamente mit, die Sie einnehmen. Viele, auch rezeptfrei erhältliche Medikamente, wie beispielsweise Schmerz-, Rheuma- oder Vitaminpräparate, können die Wirkung von Herz-Kreislauf- und gerinnungshemmenden Medikamente stören und dürfen nicht gleichzeitig eingenommen werden. Ihr Arzt kann auf andere Medikamente ausweichen.
  • Denken Sie rechtzeitig daran, sich ein neues Rezept ausstellen zu lassen.
  • Gehen Sie regelmäßig zur Kontrolle Ihrer Laborwerte. So können Nebenwirkungen, wie beispielsweise Verschiebungen im Mineralstoffhaushalt (Kalium, Natrium u. ä.) durch entwässernde Mittel (Diuretika), frühzeitig erkannt und behandelt werden.
  • Treten neue Beschwerden auf oder verschlechtern sich Ihre Beschwerden, suchen Sie bitte Ihren Arzt auf.

Was tun bei Nebenwirkungen?

Sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Arzt darüber, wenn Sie Beschwerden haben, die mit der Medikamenteneinnahme zu tun haben könnten: Nur so kann die für Sie optimale Medikation gefunden werden. Ihr Arzt hat verschiedene Möglichkeiten, um Ihre durch Nebenwirkungen ausgelösten Beschwerden zu reduzieren.

  • Ihr Arzt kann in bestimmten Fällen ein anderes Medikament verschreiben.
  • Ihr Arzt kann verschiedene Medikamente miteinander kombinieren. Dadurch kann die Dosis der einzelnen Präparate vermindert werden, wodurch auch die Nebenwirkungen vermindert werden.
  • Leiden Sie unter Nebenwirkungen, ist dies kein Grund, sofort die Medikamente abzusetzen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Sie die Medikamente z. B. zu einer anderen Tageszeit einnehmen können, an der die Nebenwirkungen Sie weniger belasten.
  • Vorsicht ist geboten, wenn sich Beschwerden verschlechtern oder neue Beschwerden auftreten. Suchen Sie bitte Ihren Arzt auf!
  • Über diesen Artikel

    Autor: Redaktion / CP
    Aktualisierung: 26. 11. 2018
    Bildnachweise: Titelbild © Rainer Sturm / pixelio.de