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Metabolisches Syndrom – das „tödliche Quartett“

Bei der Wohlstandserkrankung Metabolisches Syndrom treten mehrere Symptome bzw. Erkrankungen gemeinsam auf: Fettleibigkeit, erhöhte Fett- und Blutzuckerwerte sowie Bluthochdruck. Dieses „tödliche Quartett“, wie das metabolische Syndrom oftmals auch genannt wird, erhöht das Risiko für Atherosklerose, Diabetes und Herzerkrankungen.

  • Was ist ein Metabolisches Syndrom?

    Das Metabolische Syndrom ist eine Kombination unterschiedlicher Risikofaktoren:

    1. Fettleibigkeit mit zu viel Bauchfett: Taillenumfang bei Frauen über 80 Zentimeter, bei Männern über 94 Zentimeter

    2. Zusätzlich zwei der vier folgenden Faktoren:

    • Nüchternblutzucker von über 100 mg/dl oder Diabetes mellitus Typ 2
    • Triglyceride von über 150 mg/dl nüchtern
    • Erniedrigter Wert des „guten“ HDL-Cholesterins von unter 40 mg/dl bei Frauen und unter 50 mg/dl bei Männern
    • Blutdruckwerte von über 130/85 mmHg

    Das Metabolische Syndrom ist eine typische Wohlstandserkrankung, die durch Überernährung und Bewegungsmangel entsteht. Bis zu 25 Prozent der Bevölkerung Deutschlands sind von einem Metabolischen Syndrom betroffen, darunter immer mehr jüngere Menschen.

     

  • Ursachen

    Die Entstehung des Metabolischen Syndroms ist komplex und bis heute nicht vollständig geklärt. Es betrifft vor allem Menschen mit einer stammbetonten Fettleibigkeit. Hierbei erfolgt die Gewichtszunahme vor allem am Bauch, die sogenannte „Apfelform“ entsteht. Besonders problematisch ist das Fettgewebe, das sich im Bauchraum ansammelt und die inneren Organe umgibt. Es wird als viszerales Fett bezeichnet und hat Einfluss auf den Fett- und Zuckerstoffwechsel.

    Insulinresistenz

    Das Hormon Insulin regelt nicht nur die Aufnahme von Glukose (Zucker) in die Körperzellen, sondern beeinflusst auch den Fettstoffwechsel und viele andere Stoffwechselprozesse. Reagieren die Körperzellen weniger empfindlich auf Insulin, entsteht eine sogenannte Insulinresistenz, die eine zentrale Rolle beim Metabolischen Syndrom einnimmt. Die Zellen von Muskel-, Leber- und Fettgewebe sind von einer Insulinresistenz besonders betroffen. In der Folge steigt der Blutzuckerspiegel an und die Bauchspeicheldrüse schüttet mehr Insulin aus, um den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren.

    Bleibt eine Insulinresistenz mehrere Jahre bestehen, entwickelt sich häufig ein Typ-2-Diabetes. Darüber hinaus erhöht eine Insulinresistenz das Risiko für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und begünstigt die Entstehung von schlechten Fettwerten und Bluthochdruck.

    In der Entstehung der Insulinresistenz spielt das Fettgewebe des Bauchraums (stammbetonte Fettleibigkeit) eine besondere Rolle. Insbesondere die Botenstoffe, die von den Fettzellen freigesetzt werden, begünstigen die Entwicklung einer Insulinresistenz. Zum Teil wird das Risiko für eine Insulinresistenz auch vererbt. Bedeutsam wird die Insulinresistenz in diesen Fällen aber erst, wenn weitere Faktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel und eine fettreiche Ernährung hinzukommen.

    Bluthochdruck

    Häufig ist es der Bluthochdruck, der vom Hausarzt als erstes Merkmal des Metabolischen Syndroms festgestellt wird. Der erhöhte Druck in den Blutgefäßen schädigt nicht nur die Gefäßwände und ist damit ein Risikofaktor für die Erstehung von Atherosklerose (Gefäßverkalkung), sondern belastet auch das Herz. Daher ist ein Bluthochdruck ein entscheidender Risikofaktor für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.

    Erhöhte Blutfettwerte

    Störungen des Fettstoffwechsels [https://www.kardionet.de/hohes-cholesterin] wirken sich bei längerer Dauer negativ aus. Erhöhte Triglycerid-Werte und ein erhöhtes „schlechtes“ LDL-Cholesterin sind erhebliche Risikofaktoren für die Entwicklung einer Atherosklerose (Gefäßverkalkung).

  • Diagnose

    Um festzustellen, ob ein Metabolisches Syndrom vorliegt, ermittelt der Arzt den Taillenumfang, das Gewicht und den Blutdruck. Blutuntersuchungen geben Aufschluss darüber, ob eine Störung des Zucker- und/oder Fettstoffwechsels vorliegt. Laut der Definition der International Diabetes Federation (IDF) liegt ein Metabolisches Syndrom vor, wenn folgende Faktoren kombiniert auftreten:

    1. Fettleibigkeit mit zu viel Bauchfett: Taillenumfang bei Frauen über 80 Zentimeter, bei Männern über 94 Zentimeter

    2. Zusätzlich zwei der vier folgenden Faktoren

    •  Nüchternblutzucker von über 100 mg/dl oder Diabetes mellitus Typ 2
    •  Triglyceride von über 150 mg/dl nüchtern
    •  HDL-Cholesterin von unter 40 mg/dl bei Frauen und unter 50 mg/dl bei Männern
    •  Blutdruckwerte von über 130/85 mmHg

    Da das Übergewicht im Bauchbereich als besonders gesundheitsschädlich gilt, kann eine Messung des Taillenumfanges einen ersten Hinweis für eine Risikoabschätzung geben. Hierfür wird ein Maßband mittig zwischen Rippenbogen und Hüftknochen, etwas auf Höhe des Bachnabels, angelegt.

    • Folgeerkrankungen

      Mögliche Folgen eines Metabolischen Syndroms sind ein Typ-2-Diabetes und eine Gefäßverkalkung (Atherosklerose). Sind die Herzkranzgefäße von Atherosklerose betroffen, kann dies zu einem Herzinfarkt oder einer Herzschwäche führen. Bei einer Durchblutungsstörung des Gehirns kann es zu einem Schlaganfall kommen. Als Folge eines Typ-2-Diabetes kann eine Nierenschwäche entstehen, bei der im schlimmsten Fall eine Nierenersatzbehandlung (Dialyse) nötig wird.

      Alle Folgeerscheinungen entwickeln sich schleichend über mehrere Jahre und verursachen häufig zunächst keine Beschwerden. Daher ist es von großer Wichtigkeit, das Metabolische Syndrom zu erkennen und zu behandeln, bevor die ersten Symptome auftreten.

    • Behandlung

      Eine Änderung des Lebensstils mit einer Ernährungsumstellung und vermehrter körperlicher Aktivität sowie eine Reduktion des Körpergewichts sind die Grundpfeiler der Therapie des Metabolischen Syndroms. Reichen diese Veränderungen alleine nicht aus, kann eine Behandlung mit Medikamenten ergänzend zum Einsatz kommen.

      Ernährungsumstellung

      Um das Metabolische Syndrom zu behandeln, steht eine langsame und stetige Gewichtsreduktion an erster Stelle. Besonders wichtig ist eine dauerhafte Ernährungsumstellung. Anzustreben ist eine ausgewogene, kalorien- und fettreduzierte, ballaststoffreiche Mischkost mit viel frischem Gemüse und mit Vollkornprodukten.

      Regelmäßige körperliche Aktivität

      Ein weiterer wichtiger Pfeiler in der Therapie des Metabolischen Syndroms ist regelmäßige körperliche Aktivität, am besten für mindestens 30 Minuten täglich. Entscheidend ist hierbei, das Mehr an Bewegung in den Alltag zu integrieren. Auch Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen oder die Fahrt mit dem Fahrrad zum Einkaufen sind körperliche Aktivität. Durch regelmäßige körperliche Bewegung kann das Risiko für Folgeerkrankungen, insbesondere für die Entstehung eines Diabetes mellitus Typ 2, vermindert werden. Vor ausgeprägten sportlichen Aktivitäten sollten sich übergewichtige Patienten ärztlich durchchecken lassen um sicherzustellen, dass sie sich nicht durch eine Überlastung gefährden.

      Behandlung mit Medikamenten

      In einigen Fällen kann eine zusätzliche Behandlung mit Medikamenten notwendig werden. Zum Beispiel müssen erhöhte Blutzucker- oder Blutdruckwerte mit Arzneimitteln gesenkt werden. Sehr wichtig ist es dabei, dass die Ernährungsumstellung und vermehrte Bewegung weitergeführt werden.

      Nichtraucher werden

      Tabakrauchen erhöht das Risiko für Gefäßerkrankung wie zum Beispiel Durchblutungsstörungen der Beine, Herzinfarkt oder Schlaganfall [Krankheiten & Co.>>Krankheiten>>Schlaganfall/]. Da das Metabolische Syndrom per se das Risiko für diese Erkrankungen erhöht, ist es sehr wichtig, dass Patienten mit Metabolischem Syndrom das Rauchen einstellen.

    • Über diesen Artikel

      Autor: Redaktion / Dr. med. Nadine Großmann

      Erstellt: 04.07.2019

      Literatur:

      Bildnachweise:

      • Titelbild © kwanchaichaiudom / istockphoto.com
      • Illustration Diagnose/Umfangmessen © FredFroese / istockphoto.com
      • Illustration Folgen/Zuckermessen © Ta Nu / istockphoto.com
      • Illustration Behandlung/Ernährung © AlexRaths / iStock