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Ultraschall-Untersuchung: So lassen sich die meisten Bauchaortenaneurysmen erkennen. © Christoph Droste / pixelio

Mit Ultraschall lassen sich die meisten Bauchaortenaneurysmen erkennen. © Christoph Droste / pixelio

Bauchaortenaneurysma rechtzeitig erkennen

Ein Aortenaneurysma entsteht oft unbemerkt und wird meist nur durch Zufall entdeckt. Eine Einschätzung zum Risiko, dass das Blutgefäß an dieser Stelle reißt, ist aber auch danach nicht einfach.

 

  • „Silent Killer“

    Von Bauchaortenaneurysmen, einer sackartigen lokalen Aufweitung der Hauptschlagader, sind in West-Europa und den USA etwa 3 Prozent der über 65- bis 70-jährigen Männer und weniger als 1 Prozent der Frauen der gleichen Altersgruppe betroffen. Mit fortschreitendem Alter steigt die Häufigkeit exponentiell an. Diese degenerative Aufweitung der Aorta ist eine oft symptomfreie Erkrankung, die in vielen Fällen auch unbehandelt zu keinerlei Komplikationen führt.

    Allerdings besteht die Gefahr, dass die Aneurysmenwand im Laufe der Zeit einen kritischen Zustand annimmt und schließlich plötzlich reißt. Diese kritische Veränderung ist bislang klinisch nur schwer und ungenau einschätzbar. Eine Ruptur stellt für die Betroffenen ein katastrophales Ereignis dar, bei dem wegen der massiven inneren Blutungen akute Lebensgefahr besteht. Aneurysmen werden daher von Medizinern auch „silent killer“ (leiser Killer) genannt, die Sterberate unter den Betroffenen, die in Kliniken behandelt werden (Krankenhausletalität) beträgt 40 Prozent (Kühnl 2017), die Gesamtsterblichkeit wird auf 60 bis 80 Prozent geschätzt.

  • Screening

    Krankenversicherte Männer ab 65 Jahren haben seit 2017 in Deutschland Anspruch auf ein Ultraschallscreening zur Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen. Wichtig dabei ist auch die möglichst exakten Bewertung, ob das individuelle Aneurysma stabil oder rupturgefährdet ist. Danach wiederum richtet sich die Behandlung des Bauchaortenaneurysmas.

    Bislang beruht diese Einschätzung ausschließlich auf statistischen Kriterien, die im Einzelfall Zweifel offen lassen können.

Frankfurter Forschende entwickeln nun eine neue Methode zur Charakterisierung von Gefäßwänden, mit der die Risikoabschätzung leichter werden soll. Die neue Methode nutzt eine modifiziertes Echtzeit-3D-Echokardiographie-Gerät (4-D-Ultraschall). Damit bekommen Mediziner strahlungsfrei und nicht-invasiv erzeugte Bilder mit hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung. Sie zeigen nicht nur den Grad der Aussackung, sondern liefern auch Informationen über die individuellen Gewebeeigenschaften der erkrankten Aortenwand. So lässt sich die Gefahr einer lebensbedrohlichen Ruptur der Wand zuverlässiger prognostizieren.

In einer kürzlich veröffentlichten klinischen Studie konnte an einer Gruppe von 56 Aneurysmenpatientinnen und -patienten gezeigt werden, dass die entwickelten Methoden in der Lage sind, erkrankte Bereiche der Aortenwand von nicht erkrankten Bereichen der Wand zu unterscheiden. Damit das Verfahren klinischer Standard werden kann, sind weitere klinische Studien notwendig.