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Nervenzellen. Die Erregungsleitung findet entlang des Fortsatzes statt. © Colin Behrens / Pixabay

Nervenzellen. Die Erregungsleitung findet entlang des Fortsatzes statt. © Colin Behrens / Pixabay

Blutgefäße „reden“ mit Nervenzellen

Die Hauptaufgabe des Blutgefäßsystem besteht darin, das Blut durch den Körper zu leiten und ihn so mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen sowie Abbauprodukte abzutransportieren. Immer wieder finden Forscher aber auch heraus, dass die Blutgefäße Organfunktionen steuern und kontrollieren können.

In einer aktuellen Veröffentlichung in der Zeitschrift in Nature Neuroscience berichten Wissenschaftler von einem „Cross-talk“ zwischen Zellen des Nervensystems und Zellen des Blutgefäßsystems. Dieser Austausch von Signalen sorgt letztlich dafür, welche Sorte Nervenzellen sich ausbilden.

Im Detail

Das zentrale Nervensystem (ZNS) enthält – grob gesagt – Zellen, die für die Erregungsleitung und Erregungsübertragung zuständig sind (Neuronen), und Gliazellen, die gewissermaßen das schützende und stützende Gerüst bilden.

Oligodendrozyten wiederum sind Gliazellen, die eine lipidreiche Biomembran, das Myelin, produzieren, welche die Nervenzelle elektrisch isoliert. Gäbe es diese Myelinscheide nicht, könnte die Nervenzelle die elektrische Ladung nicht gezielt an die nächste Nervenzelle weiterreichen, weil die Ladung „unterwegs verloren“ geht.

Die Oligodendrozyten entstehen aus Oligodendrozyten-Vorläuferzellen, die sich ihrerseits aus neuralen Vorläuferzellen bilden. Wenn die Bildung der Oligodendrozyten-Vorläuferzellen und ihre anschließende Entwicklung zu Oligodendrozyten gestört ist, kann dies zu neurologischen Entwicklungsstörungen führen.

In der aktuellen Arbeit erforschten die Wissenschaftler aus Mannheim, wie neurale zu Oligodendrozyten-Vorläuferzellen werden. Dabei konnten sie zeigen, dass Signale aus dem Gefäßsystem, das in enger Nachbarschaft zu den neuralen Vorläuferzellen wächst, für diese Spezifizierung wesentlich sind.

„Wir konnten beobachten, dass neurale Vorläuferzellen Signale an die die Blutgefäße auskleidenden Endothelzellen senden. Und diese wiederum antworten, indem sie ein Signal zurücksenden, das die Vorläuferzellen anweist, sich in Richtung der Oligodendrozyten-Linie zu spezifizieren“, sagt Carmen Ruiz de Almodóvar, Senior-Autorin der hochrangig publizierten Arbeit, an der mehrere Forschergruppen der Medizinischen Fakultät Mannheim beteiligt sind.