Ihr Herz-Kreislauf-Portal

Drei Damen von hinten, die Jeans betonen das Gesäß. © Gpoint Studio / freepik

Man spricht nicht gern darüber, aber Hämorrhoidalleiden sind eine Volkskrankheit. © Gpoint Studio / freepik

Allererster Schritt für eine neue Hämorrhoiden-Therapie

Obwohl Hämorrhoidalleiden – umgangssprachlich auch einfach Hämorrhoiden (Hämorriden) genannt – sehr oft auftreten, ist bislang über die Ursachen nur sehr wenig bekannt. Man weiß zwar, dass vermehrtes Sitzen, Übergewicht, ballaststoffarme Ernährung, übermäßig lange Toilettengänge oder zu starkes Pressen sowie das Heben von schweren Gegenständen zu den Risikofaktoren gehören, aber wie im Detail die Vergrößerung der Hämorrhoiden entsteht, war bislang kaum untersucht.

Jetzt hat sich ein internationales Forscherteam der Sache angenommen. Untersucht wurden Erbinformationen von 218.920 Patientinnen und Patienten mit Hämorrhoidalleiden und 725.213 Vergleichspersonen. Durch die Analysen konnten die Forscher 102 Regionen im menschlichen Genom identifizieren, die Gene enthalten, die zu einem erhöhten Risiko für Hämorrhoidalleiden beitragen – also sogenannte Risikogene. Bis dahin war noch kein einziges Risikogen bekannt.

Zusätzlich wurden Zellen aus Hämorrhoiden-Gewebeproben analysiert, die bei Operationen entnommen worden waren. Dabei haben die Wissenschaftler gezeigt, in welchen Bereichen die Risikogene aktiv sind. Dadurch konnten sie erstmals Hinweise darauf finden, welche Funktionen bei der Erkrankung möglicherweise gestört sind und zu den Symptomen führen.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Hämorrhoidalleiden zumindest teilweise aus einer Fehlfunktion der glatten Muskulatur, der Blutgefäße und des Bindegewebes in diesem Bereich resultiert. Damit gibt es erste Hinweise auf mögliche Krankheitsmechanismen dieser Volkskrankheit. Langfristig könnte das bei der Entwicklung zusätzlicher nicht-invasiver Therapieoptionen helfen. Bisher werden Hämorrhoidalleiden schwereren Grades überwiegend chirurgisch, also durch Entfernen des überschüssigen Gewebes entfernt. Ein besseres Krankheitsverständnis könnte zukünftig auch zur Entwicklung von Therapien beitragen, die direkt an möglichen Ursachen ansetzen.
 

Autor:Redaktion

Erstellt: 13.07.2021

Quelle: „Umfangreiche Gen-Studie bringt neue Erkenntnisse zu den Ursachen von ,Hämorrhoiden‘“, Pressemitteilung des Exzellenzclusters „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen/Precision Medicine in Chronic Inflammation“, April 2021; https://www.precisionmedicine.de/de/detailansicht/news/umfangreiche-gen-studie-bringt-neue-erkenntnisse-zu-den-ursachen-von-haemorrhoiden

Originalpublikation: Zheng T, Ellinghaus D, Juzenas S, et al.: „Genome-wide analysis of 944,133 individuals provides insights into the etiology of hemorrhoidal disease“, Gut (2021). DOI: 10.1136/gutjnl-2020-323868

Bildnachweis: Titelbild © Gpoint Studio / freepik.com