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Lachendes Kind – Zahnprobleme in der Kindheit erhöhen Infarktrisiko bei Erwachsenen. © S. Hofschlaeger / pixelio

Zahnprobleme in der Kindheit erhöhen Infarktrisiko bei Erwachsenen. © S. Hofschlaeger / pixelio

Mundhygiene und Herz-Kreislauf-Vorsorge

Wie komplex in der Medizin die Dinge sein können, zeigt der Zusammenhang zwischen Mundhygiene und Herz-Kreislauf-Gesundheit.

Paradontitis und Bluthochdruck

In einer Meta-Studie fanden Professor Francesco D'Aiuto (UCL Eastman Dental Institute) und sein Team einen Zusammenhang zwischen Zahnfleischentzündung und Hypertonie-Risiko: Bei mittlerer bis schwerer Paradontitis stieg das Risiko um 22 %, bei schwerer sogar um 49 %. Im Schnitt lag die Erhöhung bei 4,5 mmHg (systolisch) und 2 mmHg (diastolisch). Dies sind Werte, die das Risiko eines tödlich verlaufenden Herzinfarkts oder Schlaganfalls bereits um ein Viertel erhöhen, so D'Aiuto. Ausgewertet wurden 81 Studien aus 26 Ländern.

Karies und Atherosklerose

Dass Menschen mit Karies und/oder Paradontitis häufiger als andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln, wird schon seit Längerem beobachtet. Karies beginnt vielfach bereits im Kindesalter.

Wissenschaftler der Universität Helsinki haben eine Studie mit 755 Personen durchgeführt, für die das Ergebnis einer zahnärztlichen Untersuchung im Alter von 8 Jahren vorlag. Insgesamt 4 Zeichen für Karies und/oder Paradontitis wurden erfasst: Karies, vorhandene Zahnfüllungen, Zahnfleischbluten, deutliche Zahnfleischtaschen. Zum Beispiel wurde bei 87 % der Kinder damals Karies festgestellt. Nur 5 % der Kinder hatten gesunde Münder. Bei den Probanden wurde im Alter zwischen 28 und 35 Jahren die Intima-Media-Dicke der Karotisarterien per Ultraschall gemessen. Erhöhte Werte gelten als Frühzeichen für Atherosklerose. In der Studie stellte sich heraus, dass Probanden, die als Kind 1-3 Zeichen aufwiesen, im Schnitt eine um etwa  80 % höhere Intima-Media-Dicke hatten als diejenigen, die als Kind gesund waren; bei 4 Zeichen war die Intima Media sogar doppelt so dick.

Mundbakterien und Schlaganfall

Im Mund kommen zahlreiche Bakterien vor, sie sammeln sich besonders im Zahnbelag an. Den Verdacht, dass diese bei der Bildung von Blutgerinnseln eine Rolle spielen, haben Mediziner schon seit einiger Zeit. Jetzt hat ein Team der Universität Tempere (Finnland) Blutgerinnsel untersucht, die bei einer Schlaganfall-Behandlung aus den Arterien von 75 Patienten entfernt wurden. In 79 % der Fälle fanden sie darin DNA von Bakterien, wie sie den Mund besiedeln. Ähnliche Ergebnisse gab es bereits bei Untersuchungen von kürzlich an Herzinfarkt gestorbenen Patienten und bei Thrombosen in den Beinen.

Fazit

Auch wenn noch Forschungsbedarf dazu besteht, auf welchem Weg sich die Mundflora im Einzelnen auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit auswirkt, ist klar, dass es einen Zusammenhang gibt. Sorgfältige Mundhygiene gehört also zur Vorbeugung von Atherosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall dazu.