Ihr Herz-Kreislauf-Portal

Herz in der Hand. Senkung des LDL-Cholesterins reduziert kardiovaskuläre Ereignisse. © eddows-animator / Freepik

LDL-Cholesterin verursacht atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Senkung des LDL-Cholesterins reduziert kardiovaskuläre Ereignisse © eddows-animator / Freepik

Neues von der LDL-Front

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weiterhin die führende Todesursache in Deutschland. Dabei ist ein erhöhtes LDL-Cholesterin ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.

Senkung des LDL-Cholesterins nach dem individuellen kardiovaskulären Risikoprofil

Die Cholesterinsenkung zur Vorbeugung kardiovaskulärer Ereignisse orientiert sich am individuellen Risiko. Um dieses einschätzen zu können, werden neben dem Cholesterin auch Alter, Geschlecht und Raucherstatus sowie Erkrankungen wie Bluthochdruck (Hypertonie), Diabetes mellitus und der Nieren berücksichtigt. Besonders gefährdet sind Menschen mit einer angeborenen familiären Cholesterinerhöhung sowie Herzpatienten, also Patienten, die schon einmal einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall hatten. Je höher das individuelle kardiovaskuläre Risiko ist, desto intensivere Maßnahmen zur LDL-Cholesterin-Senkung werden empfohlen, um den individuellen LDL-Cholesterin-Zielwert zu erreichen.

Stufentherapie, um das LDL-Cholesterin in den Zielbereich zu senken

Basismaßnahmen und Grundlage jeder Behandlung sind Änderung des Lebensstils mit körperlicher Bewegung, einer gesunden und ausgewogenen Ernährung, Normalisierung des Körpergewichts, Stressbewältigung sowie Rauchstopp. Lässt sich damit das LDL-Cholesterin nicht ausreichend senken, kommen lipidsenkende Medikamente zum Einsatz.

Hier gibt es verschiedene Präparate, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können und die sich in ihrer Wirkung sowie in ihren Nebenwirkungen unterscheiden. Zur Standardtherapie gehören dabei die Statine, die in der Leber ein Enzym hemmen, das für die Bildung von Cholesterin zuständig ist. Können auch mit einem Statin die definierten LDL-Cholesterin-Zielwerte nicht erreicht werden oder verträgt der oder die Betroffene Statine nicht gut, stehen weitere Wirkstoffe als Therapieergänzung zur Verfügung.

Senkung des LDL-Cholesterins durch Hemmung von PCSK9

PCSK9 (abgekürzt für Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin Typ 9) ist ein Enzym in der Leber, welches den Rezeptor für die LDL-Cholesterin-Aufnahme aus dem Blut abbaut und damit dessen Aufnahme und Abbau verringert. In der Folge steigt das LDL-Cholesterin im Blut an. Ist weniger PCSK9 vorhanden, kann das LDL-Cholesterin vermehrt aus dem Blut in die Leber aufgenommen werden und der Cholesterinspiegel im Blut sinkt.

Ein Weg, PCSK9 zu hemmen, sind monoklonale Antikörper. Damit kann der LDL-Cholesterinspiegel im Blut um 60 % gesenkt werden, wie klinische Studien gezeigt haben. Nachteilig ist, dass die Anti-PCSK9-Antikörper alle 2 bis 4 Wochen unter die Haut gespritzt werden müssen.

Nun ist aber eine Erleichterung bei der Anwendung in Sicht: Der neue PCSK9-Hemmer ist auch in Tablettenform wirksam, wie Ergebnisse einer klinischen Studie zeigen. Noch ist die „Anti-PCSK-9-Tablette“ nicht verfügbar, der Wirkstoff muss erst in weiteren klinischen Studienphasen geprüft werden.  

Ein anderer Wirkmechanismus, die Bildung von PCSK9 in der Leber zu senken, ist die sogenannte Ribonukleinsäure (RNA)-Interfenz. Hierbei spalten kurze RNA-Stücke, sogenannte small interfering RNA (siRNA), die RNA, die für die Bildung von PCSK9 wichtig ist, und senken damit die Bildung von PCSK9 in der Leber. Ein solcher RNAi-Wirkstoff ist Inclisiran, welches seit Dezember 2020 zur Senkung des Cholesterinspiegels im Blut in der EU zugelassen ist.

Auch Inclisiran wird als Injektion unter die Haut verabreicht, allerdings in größeren Abständen als die Anti-PCSK9-Antikörper, nämlich zu Behandlungsbeginn, nach drei Monaten und danach alle sechs Monate. Das lange Intervall verspricht damit eine hohe Therapietreue. Auch mit diesem Wirkstoff kann das LDL-Cholesterin wirksam gesenkt werden, wie klinische Studien zeigten: Im Vergleich zu Patienten, die eine Scheinbehandlung erhielten, konnte mit Inclisiran der LDL-Cholesterinspiegel um mehr als 50 % gesenkt werden. Darüber hinaus ist Inclisiran gut verträglich, die häufigsten Nebenwirkungen sind lokale Reaktionen an der Einstichstelle wie Schmerzen, Rötung und Hautausschlag.

Bisher liegen noch keine direkten Nachweise vor, dass Inclisiran Herzinfarkte oder Schlaganfälle reduziert. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass die Senkung des LDL-Cholesterins zur Verringerung atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankungen beiträgt. Studienergebnisse hierzu werden noch erwartet.

Behandlung mit PCSK9-Hemmern im zweiten Schritt

Eine Behandlung mit einem PCSK9-Hemmer ist nur dann angezeigt, wenn die Patientin bzw. der Patient Statine nicht verträgt oder sich der Cholesterinspiegel nicht ausreichend senkt trotz Höchstdosis des Statins. Daneben ist zu beachten, dass PCSK9-Hemmer nur eingeschränkt verordnet werden dürfen. Die Einleitung und Überwachung dieser Therapie unterliegt bestimmten Voraussetzungen und darf nur von bestimmten Fachgruppen erfolgen.