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Plötzlicher Herztod

Beschwingt kehrt Herr Müller von einem geselligen Abend zurück. Auf der Treppe vor seiner Wohnung bricht er plötzlich tot zusammen. Ein Alptraumszenario. Doch der Sekundentod ist genau das: Das Herz bleibt scheinbar ohne Warnung von einer Sekunde auf die nächste stehen. Ohne sofortige Hilfe hat der Betroffene keine Überlebenschance. Was sind die Auslöser des plötzlichen Herztodes und wie kann ich mich davor schützen?

  • Was ist der plötzliche Herztod?

    Der plötzliche Herztod tritt häufiger auf, als vermutet. Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 70 000 Menschen daran, die Hälfte von ihnen ohne bekannte Vorerkrankung. Man spricht von einem plötzlichen Herztod, wenn der Tod aus zuvor völligem Wohlbefinden innerhalb einer Stunde nach Beginn der Symptome eingetreten ist.

    Was passiert dabei genau? Durch Aussetzen des Herzens kommt es zum Stillstand des Herz-Kreislauf-Systems und der Atmung und damit zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn und in den Organen. Durch den Mangel an Sauerstoff im Gehirn verlieren die Betroffenen plötzlich das Bewusstsein und sterben innerhalb weniger Minuten.

    Der plötzliche Herztod ist häufig die direkte Folge des sogenannten Kammerflimmerns, einer lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörung. In seltenen Fällen lösen ein plötzlich auftretender, sehr langsamer Herzschlag (Bradykardie) oder ein plötzlicher Herzstillstand den Sekundentod aus.

    Wie entsteht Kammerflimmern?

    Bei einer Schädigung des Herzmuskels können neben der normalen elektrischen Erregung der Herzmuskelzellen auch unerwünschte elektrische Impulse im Erregungsleitungssystem des Herzens entstehen – eine Art Kurzschluss. Dieser Kurzschluss ist besonders gefährlich, wenn er im Bereich der Herzkammern auftritt (ventrikuläre Arrhythmie). 

    Im ungünstigsten Fall führt dies zu einer Art „Kettenreaktion“. Dabei breiten sich die Impulse ungeordnet und mit hoher Geschwindigkeit über die Herzmuskelzellen aus. Diese werden unkoordiniert erregt. Der Herzmuskel zuckt nur noch – das Herz „flimmert“.

    Die Herzkammern ziehen sich nicht mehr zusammen und können kein Blut mehr in den Kreislauf pumpen. Es kommt zum Herz-Kreislauf-Stillstand und einem Sauerstoffmangel im Gehirn und in den Organen. Hält das Kammerflimmern an, führt es unbehandelt innerhalb von wenigen Minuten zum Tod.

  • Ursachen für den Sekundentod

    Nicht immer kann eine Ursache für den plötzlichen Herztod gefunden werden. In vier von fünf Fällen liegt jedoch eine Durchblutungsstörung des Herzens in Form einer koronaren Herzkrankheit zugrunde, also eine Verengung oder Verstopfung der Herzkranzgefäße, die das Herz versorgen. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, dass das Herz aufgrund einer KHK stehen bleibt.

    Ein weniger häufiger Grund für den Sekundentod sind Erkrankungen des Herzmuskels (Kardiomyopathie), wie zum Bespiel eine Verdickung und Versteifung des Herzmuskels oder eine Ausweitung der Herzkammern, die die Pumpleistung des Herzens beeinträchtigen.

    Der plötzliche Herztod trifft nicht nur Ältere oder Vorerkrankte. Vielleicht kennen Sie Zeitungsberichte von jungen Hochleistungssportlern, die plötzlich tot zusammenbrechen. Erst hinterher stellt sich heraus, dass sie an einer Herzmuskelerkrankung oder einer ererbten Herzerkrankung litten. Diese spektakulären Fälle sind jedoch sehr selten. Nur selten bleibt das Herz aufgrund einer ererbten Reizleitungsstörung wie dem Brugada-Syndrom oder einem Long-QT-Syndrom stehen.

    Diese Krankheiten verursachen den plötzlichen Herztod

    Verschiedene Krankheiten werden mit dem plötzlichen Herztod in Verbindung gebracht,  z. B.

    Auch Nebenwirkungen von Medikamenten oder Drogenkonsum können den plötzlichen Herztod auslösen.

  • Herztod-Risiko senken

    Um dem plötzlichen Herztod durch eine KHK oder Kardiomyopathie vorzubeugen, gelten die gleichen Regeln wie bei der allgemeinen Herzvorsorge: gesunde Ernährung, Bewegung, kein Übergewicht oder Rauchen, eine regelmäßige Kontrolle der Blutfette und des Blutdrucks. Etwa 50 % der Herzstillstände treten bei Menschen auf, bei denen keine Herzerkrankung bekannt war, daher sind kardiologischen Vorsorgeuntersuchungen wichtig, um etwaige Herzerkrankungen zu erkennen. Eine bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankung sollte unbedingt behandelt werden, um das das Risiko eines tödlichen Herzstillstandes zu senken.

    Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn der plötzliche Herztod in Ihrer Familie häufiger vorkommt, da Sie möglicherweise eine seltene Herzerkrankung geerbt haben, die nur mit einer speziellen Herzuntersuchung festgestellt werden kann.

  • Gibt es Warnzeichen für einen plötzlichen Herztod?

    Ja, es gibt einige Warnzeichen des Sekundentodes, aber leider nimmt sie kaum jemand ernst. Laut Befragungen von Angehörigen oder Überlebenden verspürten etwa die Hälfte aller Menschen in den Tagen oder Stunden vor ihrem Herzstillstand Brustschmerzen oder -enge, Atemnot oder vorübergehenden Schwindel. Diese Symptome verschwanden meist schnell wieder.

    Herr Müllers Geschichte hätte also auch so ausgehen können:  Auf dem Heimweg verspürt er plötzlich das gleich seltsame Ziehen in der Brust, das er schon vor einigen Tagen hatte, und er bleibt schwer atmend stehen. Seine Frau erkennt die Warnzeichen und ruft trotz seines Protest sofort den Notarzt. Im Krankenhaus wird eine schwere KHK festgestellt und Herr Müller bekommt einen Stent. Er hat noch einmal Glück gehabt.

  • Herznotfall

    Der plötzliche Herztod ist ein medizinischer Notfall, der unbehandelt innerhalb weniger Minuten zum Tod führt. Deshalb muss rasch gehandelt und alle Notfallmaßnahmen ergriffen werden:

    • Bei Bewusstlosen, die nicht atmen, immer sofort den Rettungsdienst/Notarzt (Telefon: 112) informieren (Notruf)
    • Sobald als möglich sollte mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden.
    • Die einzige wirksame Behandlung gegen Kammerflimmern stellt die Defibrillation dar, bei der mithilfe großflächiger Elektroden ein „Elektroschock“ verabreicht wird. Je früher die Wiederbelebung und Defibrillation erfolgt, desto eher überlebt der Betroffene ohne bleibende Schäden.
  • Sonstige Maßnahmen

    Der plötzliche Herztod kann bei bestimmten Patienten durch einen sogenannten implantierbaren Kardioverter Defibrillator (ICD) verhindert werden. Dies wird empfohlen, wenn ein erhöhtes Risiko besteht, am plötzlichen Herztod zu versterben oder bereits einmal lebensbedrohliche Rhythmusstörungen aufgetreten sind. Ein ICD überwacht den Herzrhythmus und gibt bei Herzrasen oder Kammerflimmern Impulse oder Elektroschocks ab, die den normalen Herzrhythmus wieder herstellen. Ein transvenöser ICD arbeitet mittels Drähten, die direkt zum Herzen geführt werden. Beim ssubkutanen ICD wird das Aggregat  unterhalb der Achselhöhle und die Elektrode oberhalb des Brustbeins direkt unter der Haut implantiert, sodass keine Drähte im Herz verankert werden müssen

    Bei einigen Patienten mit einer schweren Herzinsuffizienz, die an Herzrhythmusstörungen leiden, kann ein CRT-D-Gerät eingesetzt werden, eine Kombination aus einem speziellen Herzschrittmacher mit einem ICD-Elektroschockgerät.

    Besteht bei einem zu langsamen Herzschlag (Bradykardie) die Gefahr eines plötzlichen Herztods, genügt in der Regel ein Herzschrittmacher. Er überwacht den Herzrhythmus und stimuliert das Herz im Bedarfsfall, dass es wieder häufiger schlägt.

    Lesen Sie dazu: Leben mit implantierten Therapiesystemen

  • Über diesen Artikel

    Autor:Redaktion

    Aktualisierung: 13.04.2021, Dr. Corinna Powell

    Literatur: 

    • Priori SG et al. 2015 ESC guidelines for the management of patients with ventricular arrhythmias and the prevention of sudden cardiac death. the task force for the management of patients with ventricular arrhythmias and the prevention of sudden cardiac death of the European Society of Cardiology. Eur Heart J 2015; 36:2793-867
    • Merghani A et al. Sudden cardiac death: detecting the warning signs. Clin Med (Lond). 2013; 13(6): 614–617. doi: 10.7861/clinmedicine.13-6-614, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5873668/
    • Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) 19. Nov. 2019 Plötzlicher Herztod - wem der Defi wirklich hilft [Pressemeldung] https://dzhk.de/aktuelles/news/artikel/ploetzlicher-herztod-wem-der-defi-wirklich-hilft/
    • Voigtländer T. Plötzlicher Herztod durch  koronare Herzkrankheit (KHK). Bedrohliche Herzrhythmusstörungen 2019, Herzstiftung

    Bildnachweise: 

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    • Illustration EKG © 2012 Boston Scientific 
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