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Plötzlicher Herztod

Der plötzliche Herztod ist häufig die Folge des sogenannten Kammerflimmerns, einer lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörung. Das Herz pumpt dabei kein Blut mehr in den Kreislauf, es kommt zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn und in den Organen.

  • Was ist der plötzliche Herztod?

    Der plötzliche Herztod ist meist die Folge einer lebensgefährlichen Herzrhythmusstörung – dem sogenannten Kammerflimmern. In seltenen Fällen führen ein plötzlich auftretender, sehr langsamer Herzschlag (Bradykardie) oder ein plötzlicher Herzstillstand zum plötzlichen Herztod.

    Man spricht von einem plötzlichen Herztod, wenn der Tod aus zuvor völligem Wohlbefinden innerhalb einer Stunde nach Beginn der Symptome eingetreten ist.

    Wie entsteht Kammerflimmern?

    Bei einer Schädigung des Herzmuskels können neben der normalen elektrischen Erregung der Herzmuskelzellen auch unerwünschte elektrische Impulse im Erregungsleitungssystem des Herzens entstehen – eine Art Kurzschluss. Dieser Kurzschluss ist besonders gefährlich, wenn er im Bereich der Herzkammern auftritt (ventrikuläre Arrhythmie). 

    Im ungünstigsten Fall führt dies zu einer Art „Kettenreaktion“. Dabei breiten sich die Impulse ungeordnet und mit hoher Geschwindigkeit über die Herzmuskelzellen aus.  Diese werden unkoordiniert erregt. Der Herzmuskel zuckt nur noch – das Herz „flimmert“.

    Die Herzkammern ziehen sich nicht mehr zusammen und können kein Blut mehr in den Kreislauf pumpen. Es kommt zum Herz-Kreislauf-Stillstand und einem Sauerstoffmangel im Gehirn und in den Organen. Hält das Kammerflimmern an, führt es unbehandelt innerhalb von wenigen Minuten zum Tod.

  • Risikofaktoren

    Verschiedene Krankheiten können den Herzmuskel schädigen. Risikofaktoren für den plötzlichen Herztod sind z. B.

    Etwa 50 % der Herzstillstände treten bei Menschen auf, bei denen keine Herzerkrankung bekannt war. Bei den meisten von ihnen liegt eine nicht erkannte Verengung der Herzkranzgefäße zugrunde.
     

  • Symptome

    Der plötzliche Herztod tritt meist überraschend und ohne vorherige Warnsymptome ein. 

    Aus den oben genannten Gründen kommt es zum Stillstand des Herz-Kreislauf-Systems und der Atmung und damit zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn und in den Organen. Durch den Mangel an Sauerstoff im Gehirn verlieren die Betroffenen bei zuvor völligem Wohlbefinden plötzlich das Bewusstsein.

  • Diagnose

    Der plötzliche Herztod ist ein medizinischer Notfall, der unbehandelt innerhalb weniger Minuten zum Tod führt. Bei Bewusstlosen ohne Atmung und Herzschlag wird deshalb in der Regel sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen, noch bevor die Diagnose zweifelsfrei gestellt werden kann.

    Mit Hilfe eines Defibrillators wird ein EKG (Elektrokardiogramm) abgeleitet und der Herzrhythmus kontrolliert. Bei Bedarf wird von dem Defibrillator ein Elektroschock abgegeben, um die Erregung der Herzmuskelzelle wieder zu koordinieren.

  • Im Notfall

    Der plötzliche Herztod ist ein medizinischer Notfall, der unbehandelt innerhalb weniger Minuten zum Tod führt. Deshalb muss rasch gehandelt und alle Notfallmaßnahmen ergriffen werden:

    • Bei Bewusstlosen, die nicht atmen, immer sofort den Rettungsdienst/Notarzt (Telefon: 112) informieren (Notruf)
    • Sobald als möglich sollte mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden.
    • Die einzige wirksame Behandlung gegen Kammerflimmern stellt die Defibrillation dar, bei der mithilfe großflächiger Elektroden ein „Elektroschock“ verabreicht wird. Je früher die Wiederbelebung und Defibrillation erfolgt, desto eher überlebt der Betroffene ohne bleibende Schäden.
  • Sonstige Maßnahmen

    Der plötzliche Herztod kann durch einen sogenannten implantierbaren Kardioverter Defibrillator (ICD) verhindert werden. Dies wird empfohlen, wenn ein erhöhtes Risiko besteht, am plötzlichen Herztod zu versterben oder bereits einmal lebensbedrohliche Rhythmusstörungen aufgetreten sind. Ein ICD überwacht den Herzrhythmus und gibt bei Herzrasen oder Kammerflimmern Impulse oder Elektroschocks ab, die den normalen Herzrhythmus wieder herstellen. Ein transvenöser ICD arbeitet mittels Drähten, die direkt zum Herzen geführt werden. Beim subkutanen ICD bleiben Herz und Blutgefäße unberührt und intakt. Das Aggregat wird unterhalb der Achselhöhle und die Elektrode oberhalb des Brustbeins direkt unter der Haut implantiert.

    Bei einigen Patienten mit einer schweren Herzinsuffizienz, die an Herzrhythmusstörungen leiden, kann ein CRT-D-Gerät eingesetzt werden, eine Kombination aus einem speziellen Herzschrittmacher mit einem ICD-Elektroschockgerät.

    Besteht bei einem zu langsamen Herzschlag (Bradykardie) die Gefahr eines plötzlichen Herztods, genügt in der Regel ein Herzschrittmacher. Er überwacht den Herzrhythmus und stimuliert das Herz im Bedarfsfall, dass es wieder häufiger schlägt.

    Risiken senken

    Die wichtigste Maßnahme, den plötzlichen Herztod zu verhindern, ist die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Risikofaktoren für den plötzlichen Herztod, z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wenn bei Ihnen ein Risiko besteht, sprechen Sie darüber unbedingt mit Ihrem Arzt!

    ICD und Schrittmacher

    Der plötzliche Herztod kann bei gefährdeten Patienten durch das Einsetzen eines sogenannten implantierbaren Therapiesystems verhindert werden, z. B. durch einen implantierbaren Kardioverter Defibrillator (ICD), ein CRT-D-Gerät oder einen Herzschrittmacher.

    Viele Patienten mit solchen implantierten Therapiesystemen können schrittweise zu dem Lebensstil zurückkehren, den sie vor dem Eingriff hatten. Ihre Lebensqualität schätzen sie danach sogar höher ein als zuvor und merken, dass sie wieder belastbarer sind.

    Generell sind Arbeit, gewöhnliche Hobbys, sexuelle Kontakte, Sport und Reisen mit einem implantierbaren System ohne Probleme möglich.

    Lesen Sie dazu: Leben mit implantierten Therapiesystemen

  • Über diesen Artikel

    Autor: Redaktion

    Aktualisierung: 8. 11. 2017, Eva Holmhey

    Literatur: 

    • Priori SG et al. 2015 ESC guidelines for the management of patients with ventricular arrhythmias and the prevention of sudden cardiac death. the task force for the management of patients with ventricular arrhythmias and the prevention of sudden cardiac death of the european society of cardiology. Eur Heart J 2015; 36:2793-867

    Bildnachweise: 

    • Titelbild © sudok1 / fotolia.com
    • Illustration EKG © 2012 Boston Scientific