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Synkope (Bewusstlosigkeit)

Das Bewusstsein zu verlieren kann eine erschreckende Erfahrung sein, vor allem, wenn man keine Erklärung dafür hat. Meist sind Synkopen harmlos, manchmal weisen sie aber auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hin. Ein Arzt sollte das abklären. 

  • Was ist eine Synkope?

    Mit Synkope bezeichnet man eine vorübergehende Bewusstlosigkeit, bedingt durch ein kurzes Aussetzen der Gehirndurchblutung. Charakteristisch für die Synkope sind das rasche Einsetzen, die kurze Dauer im Sekundenbereich und die darauf folgende schnelle und vollständige Erholung. Meist sind Synkopen harmlos, es kann jedoch auch eine Grunderkrankung dahinter stecken. Wenn Synkopen im Zusammenhang mit bestimmten Herzerkrankungen auftreten, können sie auf ein erhöhtes Risiko für Herztod hinweisen. Bei der Synkope kommt es auch häufig zu Stürzen, die zu Verletzungen führen können. 

    Auslöser für die Minderdurchblutung des Gehirns ist ein plötzlicher starker Blutdruckabfall, der nicht vom Herz-Kreislauf-System reguliert werden kann. 
     

  • Ursachen

    Für Synkopen gibt es verschiedene Ursachen, nach denen drei Gruppen von Synkopen unterschieden werden:

    Reflex-Synkope: Dies ist die häufigste Synkopen-Form. Der Blutdruckabfall entsteht durch überschießende Reflexe des Nervensystems auf verschiedenste Reize. 

    • Vasovagale Synkopen sind im Allgemeinen harmlos und treten hauptsächlich bei jungen und gesunden Menschen auf – bei Frauen etwas häufiger als bei Männern. Die durch unterschiedliche Reize, z. B. Angst, Schmerzen oder Stress, erhöhte Aktivität des Vagusnervs (Parasympathikus, Teil des vegetativen Nervensystems) vermindert die Gefäßspannung und führt zum Abfall des Blutdrucks und evtl. des Pulses, wenn nicht sein Gegenspieler, der Sympathikus, entgegenwirkt. So kann es sein, dass das Gehirn kurzzeitig nicht ausreichend durchblutet wird und der Betroffene das Bewusstsein verliert. 
    • Situative Synkopen entstehen im Zusammenhang mit bestimmten körperlichen Aktivitäten wie Niesen, Husten, Darmentleerung, Wasserlassen, oder auch nach dem Essen. Hier lösen Nervenreflexe aus dem Brust- und Bauchraum die Minderdurchblutung des Gehirns aus. 
    • Karotissinus-Synkopen: In der Aufzweigung der Arteria carotis (Halsschlagader) liegt ein Nervengeflecht mit Drucksensoren (Barorezeptoren), die Blutdruck und Puls regulieren. Manchmal sind die Barorezeptoren besonders empfindlich und reagieren bei Kopfbewegungen oder direktem Druck auf die Halsschlagader – hier reicht schon ein enger Kragen – mit einem Signal zur Senkung von Blutdruck und Puls. 

    Kardiogene Synkopen können bei verschiedenen Herz- und Gefäßerkrankungen auftreten, die zur zeitweisen Minderdurchblutung des Gehirns führen; u. a. bei

    Auch manche Medikamente, zum Beispiel Blutdrucksenker oder Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen, können Synkopen auslösen.

    Synkopen infolge orthostatischer Hypotonie: Auch eine spezielle Form des niedrigen Blutdrucks, die orthostatische Hypotonie kann Synkopen auslösen. Hier kommt es bei Lageveränderungen, genauer beim Wechsel vom Liegen oder Sitzen zum Stehen, zum Blutdruckabfall. Ursache kann eine Fehlfunktion des vegetativen Nervensystems sein, die orthostatische Hypotonie kann aber auch durch manche Medikamente wie z. B. manche Psychopharmaka oder durch zu wenig Flüssigkeit im Körper verursacht werden.

  • Beschwerden

    Oft kündigt sich eine Synkope durch einen Schweißausbruch, Übelkeit und Schwindel sowie Herzklopfen und Blässe an. Auch das plötzliche „Schwarzwerden vor den Augen“ ist nicht selten. Wenn die Betroffenen diese Anzeichen spüren, können sie sich oft noch schützen, bevor sie stürzen und sich verletzen könnten.

    Synkopen können jedoch auch aus heiterem Himmel auftreten, also ohne jegliche Vorankündigung, und zu gefährlichen Stürzen führen. Dies ist besonders häufig bei Synkopen im Zusammenhang mit Herzrhythmusstörungen der Fall.

    Die Dauer des Bewusstseinsverlusts ist unterschiedlich, die meisten Synkopen dauern aber nur kurz und das Bewusstsein kehrt schnell zurück. 

  • Untersuchungen

    Patienten mit vorübergehendem Bewusstseinsverlust müssen sorgfältig untersucht werden. Besonders wichtig ist die genaue Erhebung des Vorberichts (Anamnese) mit Fragen zu den begleitenden Umständen, dem Beginn und Verlauf der Synkope, zur Familiengeschichte, zu bestehenden Herzerkrankungen und früheren Synkopen sowie zu Medikamenten, die der Patient einnimmt. Es folgen die körperliche Untersuchung mit Blutdruckmessung und ein EKG.

    Zusätzlich kann der Arzt je nach Beschwerdebild zu weiteren Untersuchungen raten, z. B. zur Ultraschalluntersuchung des Herzens (Herz-Echo, Echokardiografie), in bestimmten Fällen auch zum sofortigen EKG-Monitoring oder zu einer elektrophysiologischen Untersuchung. Ebenfalls kann er einen Orthostase-Test (Steh-Test und/oder Kipptischuntersuchung), Blutdruckmessungen im Stehen und Liegen oder auch eine neurologische Untersuchung veranlassen.

  • Behandlung

    Je nach ihrer Ursache werden Synkopen unterschiedlich behandelt.

    Synkopen im Zusammenhang mit orthostatischer Hypotonie bedürfen oft keiner spezifischen Behandlung. Sinnvolle Maßnahmen sind eine ausreichende Salz- und Flüssigkeitszufuhr, körperliches Training, Schlafen mit erhöhtem Oberkörper. Kompressionsstrümpfe können einer Versackung des Bluts in den Venen vorbeugen. Wenn nötig, können bei der orthostatischen Hypotonie auch Medikamente eingesetzt werden.

    Bei anderen Ursachen wird die Grundkrankheit behandelt. Bei Synkopen aufgrund von bestimmten Herzerkrankungen mit Rhythmusstörungen können Medikamente (Antiarrhythmika) den Herzrhythmus positiv beeinflussen. Es kann jedoch auch eine elektrophysiologische Behandlung mit dem Herzkatheter, die Implantation eines Herzschrittmachers oder eines implantierbaren Kardioverter-Defibrillators (ICD) erforderlich sein. 

  • Tipps

    Das können Sie selbst tun

    Bei niedrigem Blutdruck ist es gut, den Kreislauf zu trainieren. Körperliche Betätigung, Gefäßtraining mit kalt-warmen Wechselduschen oder auch Saunabesuche regen den Kreislauf an, ebenso morgendliche Gymnastik im Bett und langsames Aufstehen.

    Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 2 bis 2,5 Liter täglich. Sie sollten auch genug Salz zu sich nehmen, um Flüssigkeit im Körper zu halten.

    Vermeiden Sie langes Stehen sowie stickige, warme Räume.

    Setzen oder legen Sie sich bei den ersten Anzeichen für eine Ohnmacht hin, um sie möglichst noch abzuwenden oder zumindest einen Sturz zu vermeiden. Oder gehen Sie in die Hocke, kreuzen Sie die Beine oder spannen Sie die Muskulatur von Beinen, Gesäß, Armen und Bauch an.