Die Telekardiologie überbrückt die räumliche Distanz zwischen Arzt und Patient. © ijeab / iStock

Die Telekardiologie überbrückt die räumliche Distanz zwischen Arzt und Patient. © ijeab / iStock

Telekardiologie: Innovative Technologie optimiert Betreuung und Nachsorge

Jährlich erhalten in Deutschland mehr als 100.000 Patienten einen Herzschrittmacher, einen implantierbaren Cardioverter-Defibrillator (ICD) oder ein Herzinsuffizienz-Therapiesystem für die kardiale Resynchronisationstherapie (CRT). Diese Behandlungsverfahren sind sehr wirksam. Sie stimulieren gezielt das Herz und bringen den Herzrhythmus so wieder „in den richtigen Takt“ oder tragen dadurch dazu bei, dass das Herz wieder kräftig schlägt.

Viele Patienten haben aber Bedenken: Wie kann ich sicher sein, dass mein Gerät wirklich zuverlässig funktioniert? Reichen die Kontrolluntersuchungen ein- bis zweimal im Jahr aus, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen? Diese Sorgen sind teilweise nicht ganz unbegründet. Denn tatsächlich können sich Herzerkrankungen zwischen den Kontrollterminen verschlechtern oder gar einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machen. Hier kann die Telekardiologie die Behandlung der Patienten weiter verbessern.

  • Was bedeutet „Telekardiologie“?

    Telekardiologie ist eine innovative und patientenfreundliche Form der ärztlichen Betreuung und Nachsorge für Herzschrittmacher-, ICD- und CRT-Träger, mit der sich der Arzt regelmäßig über den Gesundheitszustand seiner Patienten informieren kann.

    Die Herzdaten der Patienten gelangen dabei je nach Hersteller Ihres Therapiegeräts auf verschiedenen Wegen zum Arzt. Bei einigen Systemen sendet eine im Implantat eingebaute Antenne die Daten über die Funktion von Herz und Kreislauf sowie technische Parameter an ein mobiles Empfangsgerät. Dieses Gerät übermittelt die Daten automatisch – je nach System – via Mobilfunknetz, Internet oder Festnetzleitung an den Arzt oder an ein zentrales Service-Center, wo sie täglich aufbereitet und dem Arzt zur Verfügung gestellt werden.

    Stellt das Implantat mit seinen Sensoren eine bedeutende Rhythmusstörung des Herzens oder eine technische Störung fest, wird der behandelnde Arzt unmittelbar benachrichtigt. Er kann dann sofort reagieren und Kontakt mit dem Patienten aufnehmen, um ihm z. B. mitzuteilen, wie er sich verhalten soll, oder um mit ihm eine baldige Kontrolluntersuchung zu vereinbaren.

    Es handelt sich jedoch nicht um ein Notfall- oder Notrufsystem. In einem akuten Notfall, zum Beispiel bei akuten Schmerzen im Brustkorb, muss der Patient dennoch einen (Not-)Arzt rufen.

  • Welche Daten werden an den Arzt übermittelt?

    Mit Hilfe spezieller Sensoren können Herzschrittmacher, ICDs und CRTs die Herztätigkeit des Patienten erfassen und beispielsweise als Elektrokardiogramm (EKG) aufzeichnen. So lassen sich beispielsweise Herzrhythmusstörungen frühzeitig erkennen. Außerdem überwachen die Geräte ihre eigene Funktionstüchtigkeit. Auch diese Daten zur Funktion eines Geräts, wie etwa der Batteriestatus, Informationen über die Elektroden und die sogenannte Reizschwelle, werden bei der Telekardiologie zur „Ferndiagnose“ an den Arzt übermittelt.

    Im Rahmen eines umfassenden ärztlichen Managements von Herzerkrankungen wie z. B. der Herzinsuffizienz können weitere wichtige Daten über die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems erfasst werden. Dazu zählen etwa der Blutdruck und das Körpergewicht, die von speziellen Blutdruckmessgeräten und Waagen automatisch an das Empfangsgerät und dann an den Arzt übermittelt werden. Solche Messwerte geben Aufschluss über den Gesundheitszustand des Patienten und fließen in die Entscheidung über die weitere Behandlung ein.

  • Welche Vorteile hat der Patient?

    Normalerweise muss jeder Träger eines Herzschrittmachers, ICD- und CRT-Geräts in regelmäßigen Abständen von einem Arzt überprüfen lassen, ob das Implantat einwandfrei funktioniert und ob die Einstellungen ggf. neu an die Bedürfnisse des Patienten anzupassen sind. Diese Kontrolltermine finden in der Regel alle 6 bis 12 Monate, ggf. auch häufiger statt. Studien haben gezeigt, dass die Geräte bei den Nachsorgeuntersuchungen meistens einwandfrei funktionieren und keine Umprogrammierung vorgenommen werden muss.

    Dank Telekardiologie bleiben Patienten einerseits unnötige Arztbesuche erspart: Der Arzt kann anhand der übermittelten Daten feststellen, ob eine Nachsorgeuntersuchung notwendig ist. Schließlich kosten Nachsorgeuntersuchungen auch Zeit und Geld. Vor allem bei Patienten aus ländlichen Gebieten addieren sich Anfahrt, Wartezeit, Nachsorge und Rückfahrt leicht zu mehreren Stunden. Andererseits kann der Arzt bei Patienten, bei denen es notwendig ist, die Behandlung zeitnah optimieren. Er kann frühzeitig eine Diagnose stellen und den Patienten für eine frühzeitige Kontrolluntersuchung einbestellen. 

    Telekardiologie-Systeme haben eine automatische Sicherheitsfunktion, mit deren Hilfe bei gefährlichen Komplikationen oder technischen Problemen der Arzt oder das Ärzte-Zentrum umgehend informiert oder alarmiert wird. Der Arzt kann  dann ohne große zeitliche Verzögerung die nötigen Maßnahmen ergreifen. So können telekardiologische Systeme das Leben retten. Trotzdem ist es unerlässlich, bei akuter Gesundheitsverschlechterung den Rettungsdienst zu rufen.

    Das Wissen um die kontinuierliche Kontrolle der Herztätigkeit und des Implantats gibt den Patienten ein Sicherheitsgefühl.  

    Manche Patienten fragen sich, ob eine Nachsorge durch Telemonitoring bei Herzerkrankungen wirklich zu Ihrem Nutzen ist. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) hat genau dies in einer 2018 veröffentlichen Untersuchung überprüft. Hierzu wurden 17 Studien mit über 10.000 Teilnehmern ausgewertet. Die Gutachter stellen fest, dass die Nachsorge durch Telemonitoring unterstützt werden kann, ohne dass Nachteile gegenüber den herkömmlichen Kontrollen entstehen. Dies gilt sowohl für das Auftreten von Schlaganfall oder Herzinfarkt, Sterblichkeit, Auftreten von psychischen Problemen als auch Klinikaufenthalten. Eine der ausgewerteten Studien (IN-TIME, 2014) zeigte sogar, dass sich die Prognose von Defibrillator-Patienten, die telemedizinisch versorgt wurden, deutlich verbesserte gegenüber einer Versorgung ohne Telemedizin. Insgesamt fehlen jedoch Daten, um unerwünschte Ereignisse oder den Einfluss auf die Lebensqualität objektiv beurteilen zu können.

    Eine andere Sorge betrifft den Batterieverbrauch durch den Einsatz der Telekardiologie. Moderne Sensoren und Fernabfragen steigern den Strombedarf tatsächlich, allerdings nur geringfügig. Nach Herstellerangaben benötigt dies nur etwa 1 % der Kapazität einer Herzschrittmacherbatterie. Dem gegenüber stehen die in den letzten Jahren durch leistungsfähigere Batterien und optimierte Schaltkreise und Programme enorm verlängerten Batterielebenszeiten. 

Fazit

Die Telekardiologie ist immer wichtiger geworden und wird sowohl von der Deutschen als auch der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie zur Früherkennung medizinischer und technischer Ereignisse empfohlen. Prinzipiell ist es heute möglich, bei allen Gerätetypen Telemonitoring durchzuführen. Für Sie als Träger eines Herzschrittmachers, ICD- oder CRT-Geräts liegen die Vorteile auf der Hand: Ihre Herzdaten werden kontinuierlich überwacht, ohne dass Sie es bemerken, Herzrhythmusstörungen werden automatisch erkannt. Die Behandlung wird individueller und kann schneller an den aktuellen Gesundheitszustand angepasst werden: Bei einwandfreier Funktion des Implantats müssen Sie Ihren Arzt für Nachsorgeuntersuchungen seltener aufsuchen, bei Problemen werden Sie rascher einbestellt. Sie haben somit mehr Sicherheit im Fall von Komplikationen oder technischen Problemen. 

  • Über diesen Artikel

    Autor: Redaktion (15. 3. 2018)
    Aktualisierung: 10. 12. 2018 
    Bildnachweise:  Titelbild © ijeab / iStockphoto.com

    Literatur: 

    1. Telekardiologie. Pressemitteilung der Aktion Meditech, September 2016
    2. IQWIG Abschlussbericht Telemonitoring mithilfe von aktiven kardialen implantierbaren Aggregaten bei ventrikulärer Tachyarrhythmie sowie Herzinsuffizienz Version 1.2, Stand 04.07.2018
    3. Hindricks G et al. Implant-based multiparameter telemonitoring of patients with heart failure (IN-TIME): a randomised controlled trial. The Lancet 2014; 384: P583-590
    4. Hindricks G et al. Was bringt die Telekardiologie für Patient und Arzt? Ein aktueller Review und Ausblick in die Zukunft. Dt. Ärzteblatt 2008; 105: A156-159.