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Drei Spielzeug-Putzmänner reinigen das Innere einer Arterie. Kann man Adern von Ablagerungen befreien? © anncapictures / Pixabay

Kann man die Arterien von Ablagerungen so reinigen, als würde man eine Straße kehren? © anncapictures / Pixabay

Kann man seine Adern reinigen?

Das Wichtigste vorab: Die einzige Möglichkeit, Ablagerungen aus den Blutgefäßen in nennenswertem Maß zu entfernen, ist der chirurgische Eingriff. Entweder fräst oder schneidet man mittels eines Katheters die Ablagerungen ab oder der Chirurg öffnet das Blutgefäß, um die Plaques abzutragen. Denn haben sich durch Atherosklerose einmal Plaques gebildet, sind diese ohne mechanische Einwirkung praktisch nicht mehr zu entfernen. Zwar tauchen immer wieder Studien auf, die behaupten, dass bestimmte Stoffe die Wanddicke der Adern verringern, also Plaque abbauen. Tatsächlich handelt es sich dabei aber bestenfalls um eine geringfügige Verringerung des Plaque-Volumens und nicht um eine Wiederherstellung des Ursprungszustands der Gefäße.

Wie entstehen Ablagerungen?

Viele stellen sich das Verkalken von Blutgefäßen so vor, wie es auch bei Rohren geschieht: Auf der Oberfläche des Rohrinneren bleiben Partikel haften, an diesen dann weitere Stoffe und so fort, bis sich eine dicke Kruste im Rohr gebildet hat.

Bei Blutgefäßen funktioniert das nicht so. Zwar kann da auch mal ein winziges Teilchen kurzzeitig an der Gefäßwand haften bleiben, aber durch den pulsierenden Blutstrom und die Bewegung der Aderwand, die sich mit jedem Pulsschlag etwas ausdehnt und dann wieder zusammenzieht, wird es schnell abgelöst und weitergetragen.

Anders ist es, wenn die innere Schicht der Arterie (Intima) – und sei es minimal – beschädigt ist. Dann können z. B. Fette in die darunter liegende Schicht einwandern. Der Körper reagiert darauf mit einer Entzündungsreaktion, die ihrerseits die innerste Zellschicht (Endothel) weiter beschädigt. In der Folge bilden sich sogenannte Schaumzellen innerhalb der Gefäßwand, in denen sich zusätzlich Kalk und andere Stoffe einlagern können. Dies ist dann die atherosklerotische Plaque.

Wie lässt sich Plaque entfernen?

Wenn man die Arterien reinigen, also die Plaque entfernen will, kann man diese mechanisch abtragen. Dabei löst man aber eben nicht nur eine „Kruste“ von der inneren Oberfläche, man trägt auch immer Zellen aus dem Inneren des Blutgefäßes ab. Diese Wunde verheilt zwar, „wie neu“ wird die Ader aber dadurch nicht.

Man könnte auch versuchen, den Körper zu veranlassen, die Schaumzellen samt Einlagerungen aufzulösen. Je frischer die Plaque ist, also je weniger Kalk und Co. enthalten sind, desto einfacher sollte das gehen. Theoretisch jedenfalls. Seit die Medizin von den Plaques weiß, gab es aber keinen belastbaren Nachweis, dass das mit irgendeinem Mittel funktioniert. Statine haben eine gewisse Plaque-reduzierende Wirkung, aber die reicht nicht, um von einer „Reinigung der Arterie“ sprechen zu können.

Allerdings tauchen immer wieder einzelne Studien auf, die für bestimmte Patientengruppen und bestimmte Stoffe – z. B. Folsäure, hochdosierte B-Vitamine – eine Abnahme der Gefäßwanddicke ermittelt haben. Einige der Studien sind über 20 Jahre alt. Bis heute hat sich daraus kein als Medikament taugliches „Adernputzmittel“ entwickeln lassen. Stattdessen werden im Krankheitsfall Gefäße durch Ballondillation geweitet oder während einer Atherektomie mechanisch gereinigt. Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln zitieren diese Studien trotzdem gern, um die Wirksamkeit ihrer Produkte zu belegen.

Kann man etwas gegen Plaque tun?

Ein Gutes haben all die Studien in Sachen Ernährung und Atherosklerose allerdings: Sie haben einige Ansatzpunkte gefunden, wie man – neben einem generell gesunden Lebensstil – durch passende Nahrungsmittel Atherosklerose vorbeugen und die Entstehung von Plaques bremsen kann.

Nahrungsergänzungsmittel, die zur Vorbeugung von Arterienverkalkung angepriesen werden, sollten dabei nicht Ihre erste Wahl sein. Prüfen Sie vorher, ob Sie überhaupt einen Mangel an den Stoffen haben, die in dem Mittel enthalten sind. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, ob Sie zur Vorbeugung oder Therapieunterstützung diese oder jene Substanz in größeren Mengen nehmen sollten.

Deutlich wichtiger ist es, Bluthochdruck zu vermeiden oder gegebenenfalls zu behandeln, nicht zu rauchen und sowohl das Körpergewicht als auch die Blutfettwerte zu normalisieren. Bei Letzterem ist gegebenenfalls eine Unterstützung durch Medikamente nötig.

Welche Nahrungsmittel sind gut für die Blutgefäße?

Auch wenn Nahrungsmittel Adern nicht wirklich putzen können, gelten einige doch als günstig für die Gefäßgesundheit.

Bei der Auswahl der Nahrungsmittel sollten Sie als erstes auf den Zucker- und den Fettgehalt schauen. Bei den freien Zuckern gilt: So wenig wie möglich, genau genommen kommt man auch ganz ohne Zucker aus. Fett hingegen brauchen wir, allerdings nur wenig und am besten zu einem großen Teil aus pflanzlichen Quellen.

Nahrungsmittel, die als Entzündungshemmer wirken, können den Prozess der Atherosklerose bremsen. Sekundäre Pflanzenstoffe, vor allem Flavonoide, aus Obst und Gemüse haben diese Wirkung. Omega-3-Fettsäuren aus fettem Seefisch (Lachs, Makrele, Hering) sowie aus Nüssen und Samen (Lein- oder Chia-Samen) wirken gleich doppelt: Sie beeinflussen den Blutfettspiegel günstig und senken das Entzündungsgeschehen in den Blutgefäßen.

Auch alles andere, was sich regulierend auf den Cholesterinspiegel im Blut auswirkt, hilft bei der Vorbeugung oder Verlangsamung von Atherosklerose. Pektin (z. B. Apfel, Grapefruit, Granatapfel) hat diese Wirkung, die Ballaststoffe aus Leinsamen, Hafer und Hülsenfrüchte gelten als günstig für die Blutfette und auch Knoblauch, Ingwer und Artischocken gehören auf die Liste der „Adernfreunde“.

Fazit

Atherosklerose kann man nicht rückgängig machen. Man kann ihr vorbeugen und man kann sie so verlangsamen, dass das Risiko für Folgeschäden sinkt.

Also leben Sie ein Adern-freundliches Leben: Bewegen Sie sich ausreichend, ernähren Sie sich gesund und betreiben Sie ein effektives Stressmanagement. Und verzichten Sie getrost auf Nahrungsergänzungsmittel, es sei denn, Ihre Ärztin oder der Arzt haben sie ausdrücklich empfohlen, weil Sie einen Mangel an einem bestimmten Stoff haben.