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Junge Frau im Bett schlafend. Beim Schlafen ist der Blutdruck am niedrigsten. © manbob86 / Pixabay

Beim Schlafen ist der Blutdruck am niedrigsten. © manbob86 / Pixabay

Was bestimmt, wie hoch der Blutdruck ist?

Der Blutdruck ist ein wichtiger Parameter, um den Gesundheitszustand des Herz-Kreislauf-Systems zu beurteilen. Er schwankt im Laufe des Tages oder bei verschiedenen Tätigkeiten. Wovon also hängt er ab?

Wie entsteht Blutdruck?

Das Blut ist wichtigste Transportmedium im Körper. Es versorgt die Zellen und entsorgt Stoffwechselendprodukte. Es wird dafür vom Herzen durch das Gefäßsystem gepumpt – also durch die Gefäße gedrückt. Diese Kraft muss so groß sein, dass z. B. sauerstoffreiches Blut bis ins Hirn transportiert wird – ohne Druck, würde das Blut einfach zurückfließen und letztlich in den Füßen und Beinen versacken.

Der Druck wird von zwei Dingen bestimmt: Wie stark wird etwas gegen die Oberfläche eines Material gedrückt und wie stark ist der Widerstand dieses Materials. Für den Blutdruck bedeutet das: Er hängt ab von der Pumpkraft des Herzens und von der „Weichheit“ bzw. „Härte“ der Arterien.

Das erklärt übrigens, warum es zwei Blutdruckwerte gibt – den oberen, systolischen, für den Moment, wenn das Herz sich zusammenzieht und das Blut in den Kreislauf presst, also viel Kraft aufwendet, und den unteren, diastolischen, wenn der Herzmuskel sich entspannt.

Wie viel Druck in einem geschlossenen System herrscht, hängt aber auch vom Volumen der Flüssigkeit und von dem zur Verfügung stehenden Platz ab. Ein hohes Blutvolumen erzeugt mehr Druck als ein geringes. Und: Dieselbe Menge Blut drückt in engen Arterien stärker auf die Gefäßwand als in weiten.

Warum und wie ändert sich der Blutdruck normalerweise?

Ein komplexes Steuerungssystem sorgt dafür, dass der Blutdruck der jeweiligen Situation angepasst wird. So muss das Blut z. B. im Liegen nicht so starke Höhenunterschiede überwinden – der Blutdruck sinkt. Wenn man körperlich aktiv ist, müssen die Muskeln besser versorgt werden, mehr Blut muss pro Zeiteinheit strömen: Das Herz schlägt kräftiger und häufiger, der Blutdruck steigt. Bei Angst oder Stress bereitet sich der Körper auf eine erhöhte Anforderung vor – Herzfrequenz und Blutdruck werden vorsorglich erhöht.

Die Zentrale dieses Steuerungssystems ist das sogenannte Kreislaufzentrum des Gehirns. Neben den Informationen zur Körperlage und zum Aktivitätsgrad verarbeitet es die Signale verschiedener „Blutdruckmessstellen“, den Druck- oder Barorezeptoren. Eine wichtige Messstelle liegt in der Halsschlagader (Arteria carotis), ist dieser Barorezeptor überempfindlich, kommt es zum Carotissinussyndrom.

Kurzfristig – also im Sekundenbereich – kann der Körper den Blutdruck über die Herzleistung und/oder die Weite der Arterien beeinflussen. Dabei gilt als Faustregel: Je höher die Herzfrequenz und/oder enger die Blutgefäße, desto höher der Blutdruck.

Mit einer zeitlichen Verzögerung macht sich die Regulierung des Blutdrucks über die Nieren bemerkbar. Sinkt der Blutdruck z. B. deutlich ab, verringert sich die Durchblutung der Nieren. Die Nieren setzen nun das Enzym Renin frei, dieses startet einen Prozess, in dessen Ergebnis sich die Schlagadern verengen – der Blutdruck steigt wieder.

Außerdem bewirkt dieser Prozess (Renin-Angiotensin-Aldosteron-System = RAAS), dass Natrium und Wasser im Körper zurückgehalten werden. So wird die Blutmenge erhöht, der Blutdruck steigt. Umgekehrt sorgt dieses System bei hohem Blutdruck dafür, dass vermehrt Wasser ausgeschieden wird und so die Blutmenge und der Blutdruck sinken.

Wie entsteht Bluthochdruck?

Dauerhaft hoher Blutdruck entsteht also, wenn

  • das Herz ständig schnell und kräftig pumpt
  • die Arterien verengt sind
  • die Arterien unelastisch sind
  • ständig zu viel Wasser im Blut ist

Die Faktoren werden von verschiedensten Dingen bestimmt und können einzeln oder – und das kommt häufiger vor – zu mehreren auftreten.

Vor allem die ersten drei Faktoren sind typisch für Bluthochdruck (Hypertonie) in Folge von falscher Ernährung, mangelnder Bewegung und Übergewicht. Schlecht trainierte Muskeln und ein hohes Gewicht machen schon alltägliche Aktivitäten anstrengend, sodass der Körper mehrfach am Tag den Blutdruck erhöht. Das überlastet auf Dauer die Muskeln der Arterienwand und schädigt die Gefäßinnenhaut – Atherosklerose setzt ein. Das Fatale daran: Hoher Blutdruck schädigt die Gefäße, die Gefäße verengen sich und versteifen noch mehr, der Blutdruck steigt weiter – nun allerdings dauerhaft und nicht mehr nur bei Anstrengung.

Unzureichend funktionierende Nieren sind nur bei einem kleineren Teil der Hypertoniker (Hochdruckkranke) Ursache für den Bluthochdruck. Trotzdem ist man als Bluthochdruckpatient oder -patientin gut beraten, die Nieren zu entlasten, indem man auf eine moderate Salzzufuhr achtet. Niereninsuffizienz kann durchaus eine Folge von Bluthochdruck sein.

Weitere Ursachen finden Sie unter „Krankheiten & Co.“  und im Kardionet-Dossier zum Thema Bluthochdruck.

Wie entsteht zu niedriger Blutdruck?

Umgekehrt kann es natürlich auch zu niedrigem Blutdruck (Hypotonie) kommen. Dieser schadet den Blutgefäßen nicht, die Symptome Schwindel, dauerhafte Abgeschlagenheit und häufiges Frieren können allerdings unangenehm werden. Problematisch wird es bei erhöhter Sturzgefahr oder permanenter Unterversorgung der Organe.

Vorübergehend niedriger Blutdruck entsteht zum Beispiel, wenn man zu schnell aufsteht und der Körper den Blutdruck erst verzögert der Lageänderung anpassen kann (Orthostatische Dysregulation). Flüssigkeitsmangel sowie durch Hitze geweitete Blutgefäße sind vor allem im Sommer typische Auslöser.

Dauerhaft zu niedriger Blutdruck kann verschiedene Ursachen haben. Herzinsuffzienz oder eine Aortenstenose gehören ebenso dazu wie Erkrankungen der Schilddrüse oder der Nebenniere. Aus diesem Grund sollte man auch Hypotonie ärztlich abklären lassen, um nicht eine schwerwiegenderes Problem zu übersehen.

Weitere Ursachen finden Sie unter „Krankheiten & Co.“