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Erschöpfte Frau misst am Arbeitsplatz ihren Blutdruck. Stress am Arbeitsplatz kann mit einem höheren Blutdruck einhergehen. © Andrii Borodai / Freepik

Stress am Arbeitsplatz kann mit einem höheren Blutdruck einhergehen. © Andrii Borodai / Freepik

Erhöhter Blutdruck beim Arbeiten: Normal oder Grund zur Sorge?

Ein hoher Blutdruck erhöht unter anderem das Risiko für Schlaganfall, koronare Herzkrankheit (KHK), periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), chronische Nierenerkrankung, Demenz, Diabetes mellitus und erektile Dysfunktion.

Verschiedene Faktoren tragen zu Bluthochdruck bei und einige können durch unseren Lebensstil sowie durch unser Verhalten beeinflusst werden. Eine wichtige Grundlage einer jeden Bluthochdruck-Therapie ist deswegen die Veränderung des Lebensstils mit gesunder ausgewogener, salzarmer Ernährung, viel Bewegung und Gewichtsreduktion sowie der Verzicht auf Alkohol und Zigaretten.

Aber wie sieht es mit unserer Arbeit aus? Haben Stressfaktoren am Arbeitsplatz Auswirkungen auf den Blutdruck? Was ist normal und wann sollte ich deswegen zu meiner Ärztin oder meinem Arzt gehen?

Der Blutdruck schwankt im Laufe des Tages

Verschiedene (natürliche) Faktoren beeinflussen den Blutdruck im Laufe des Tages.

  • Tag-Nacht-Rhythmus
    Morgens mit dem Aufstehen steigt der Blutdruck und erreicht zwischen 9 und 10 Uhr einen ersten Gipfel. Mittags sinkt der Blutdruck, um im Laufe des Nachmittags erneut anzusteigen bis zu einem zweiten kleineren Gipfel am Abend. In der Nacht, insbesondere während wir schlafen, fällt der Blutdruck. Die niedrigsten Werte werden normalerweise zwischen 2 und 3 Uhr nachts erreicht. Die nächtliche Senkung des Blutdrucks ist besonders wichtig für die Erholung unseres Körpers.
  • Körperliche Aktivität
    Beim Sport und kurz danach sind die Blutdruckwerte höher, in der Ruhephase sinken sie ab. Das ist grundsätzlich normal und in den meisten Fällen kein Grund zur Sorge. Sogar im Gegenteil, insgesamt können Sie Ihr Risiko, einen Bluthochdruck zu entwickeln, langfristig sogar senken, wenn Sie aktiv sind und regelmäßig Sport treiben.
  • Aufregung und Stress
    Bei Aufregung und Stress steigt der Blutdruck., unabhängig davon, ob es sich um „positiven“ oder „negativen“ Stress handelt. So kann Stress am Arbeitsplatz den Blutdruck erhöhen, ebenso wie ein aufregendes privates Ereignis. Da auch ein Arztbesuch eine Stresssituation sein kann, kommt es häufig vor, dass der Blutdruck in der Praxis erhöht ist, während er zu Hause normal war. Ärzte sprechen dann vom sogenannten „Weißkittelhochdruck“. Gefährlich werden kann es dann, wenn wir unter Dauerstress stehen und der Blutdruck deswegen durchgehend erhöht ist.
  • Essen und Trinken
    Einige Lebensmittel haben einen größeren Einfluss auf den Blutdruck als andere. So erhöhen insbesondere Koffein und salzreiche Lebensmittel den Blutdruck.

Arbeit und Bluthochdruck – hängt das zusammen?

Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Arbeitnehmer können am Arbeitsplatz verschiedenen ungünstigen psychosozialen Bedingungen ausgesetzt sein, wie z. B. einer hohen Arbeitsbelastung und unrealistischen Erwartungen, Zeitdruck oder Mobbing. Dass eine höhere Arbeitsbelastung mit einem höheren Blutdruck einhergeht, konnte eine aktuelle Studie zeigen, die über 60.000 Arbeitnehmer untersuchte. Dabei begünstigt arbeitsbedingter Stress die Freisetzung von Stresshormonen wie Cortisol und Adrenalin. Das führt zu einer Verhärtung der Gefäße (Atherosklerose) und damit zu einer Erhöhung des Blutdrucks. Darüber hinaus kann die langfristige Aktivierung des vegetativen Nervensystems mit dem Sympathikus die Atherosklerose begünstigen.

Nicht zuletzt kann Stress bei der Arbeit gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen verstärken, wie Alkoholmissbrauch, vermehrtes Rauchen, weniger körperliche Bewegung, ungesunde Ernährung, Schlafstörungen, und selteneres Wahrnehmen von medizinischer Vorsorge und Behandlungen. Das kann wiederum den Blutdruck der Arbeitnehmer zusätzlich erhöhen.

Wie werden Blutdruckschwankungen erkannt?

Eine genaue und aussagekräftige Messung des Blutdrucks bei Blutdruckschwankungen ist eine besondere Herausforderung.

Die beste Methode, Ihre täglichen Blutdruckschwankungen zu beurteilen, ist die Langzeit-Blutdruckmessung. Dabei wird der Blutdruck über einen Zeitraum von 24 Stunden in bestimmten, vorab definierten, Zeitabständen gemessen. Der Vorteil ist, dass Ihre Blutdruckwerte unter alltäglichen Bedingungen gemessen werden und somit auch Einflussfaktoren wie psychosozialer Stress am Arbeitsplatz berücksichtigt werden können. Aus 40 bis 60 Messungen entsteht ein Blutdruck-Profil. Anhand dessen kann die Ärztin oder der Arzt zusammen mit dem Protokoll, in welchem Sie Ihre Aktivitäten vermerkt haben, beurteilen, ob es sich um natürliche oder ungewöhnliche Schwankungen handelt.

Müssen Blutdruckschwankungen behandelt werden?

Es ist normal, dass Ihr Blutdruck im Laufe des Tages je nach Ihren körperlichen Aktivitäten und Emotionen steigt und fällt. Starke oder ungewöhnliche Schwankungen aber sollten immer medizinisch abgeklärt werden, denn für die Herz-Kreislauf-Gesundheit scheint nicht nur die Höhe des Blutdrucks, sondern auch das Ausmaß der Blutdruckschwankungen im Alltag eine Rolle zu spielen. Das liegt daran, dass schnelle Blutdruckveränderungen eine stärkere Belastung der Arterienwand hervorrufen und diese schädigen.

Zögern Sie nicht und sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie sich über Ihre Blutdruckwerte Sorgen machen.

Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Ihnen je nach Ihren Symptomen und den Schwankungen Ihres Blutdrucks Vorschläge machen. Gegebenenfalls verordnet sie oder er Blutdruckmedikamente, um die Blutdruckschwankungen zu reduzieren.  Mit einer wirksamen Behandlung sollte sich Ihr Blutdruck stabilisieren.

Daneben können auch verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um den psychosozialen Stress am Arbeitsplatz und damit das Risiko von Bluthochdruck unter den Arbeitnehmern zu reduzieren, wie z. B. die Veränderung von Arbeitsprozessen oder Besprechungen im Team, um Schwierigkeiten zu äußern und gemeinsam Lösungen zu finden. Damit kann die Gesundheit der Arbeitnehmer erhalten und Fehltage reduziert werden.

Wirken Sie Stress aktiv entgegen! Machen Sie sich verschiedene kognitive Verhaltens- und Entspannungstechniken zunutze, treiben Sie regelmäßige Sport und pflegen Sie Ihre sozialen Kontakte. So können Sie den Folgen von arbeitsbedingtem Stress entgegenwirken.

Die größte Herausforderung wird sein, die rasant fortschreitenden Veränderungen der Arbeitswelt und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit der Arbeitnehmer im Blick zu haben und darauf zu reagieren.