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Untersuchung beim Augenarzt. Bei einer Verengung der Halsschlagader kann es auch zu Sehproblemen kommen. © Paul Diaconu / Pixabay

Bei einer Verengung der Halsschlagader kann es auch zu Augenproblemen kommen. © Paul Diaconu / Pixabay

Augenprobleme durch Carotisstenose

Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Atherosklerose, Bluthochdruck und Vorhofflimmern können sich auch im Auge bemerkbar machen. Die Netzhaut leidet unter einer schlechten Durchblutung, Blutgerinnsel können im Auge sogar plötzliche Sehstörungen verursachen. Sollte man zur Vorsorge eine Ultraschalluntersuchung im Hinblick auf eine Verengung der Halsschlagader (Carotisstenose bzw. Karotisstenose) durchführen lassen?

Warum betrifft Carotisstenose meine Augen?

Im Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass sich Ablagerungen in den Blutgefäßen bilden und sich diese verengen. Oft ist die Halsschlagader betroffen, meist an der Stelle, an der sie sich in die innere und die äußere Halsschlagader gabeln. Eine Verengung der Halsschlagader geht mit einer Minderdurchblutung von Organen einher, die von der Halsschlagader mit Blut versorgt werden, also auch der Augen. Bei durchblutungsbedingten Augenerkrankungen liegt daher der Verdacht einer Carotisstenose nahe. Augenärzte können bei Vorliegen einer Carotisstenose eine typische Abnahme des Blutdrucks im Auge bei einer speziellen Messung des Augeninnendrucks feststellen. Ist dann eine Ultraschalluntersuchung der Halsschlagader sinnvoll?

Fakt ist: Die Carotisstenose gefährdet nicht nur die Augengesundheit. Eine hochgradige Verengung der Halsschlagader kann auch einen Schlaganfall auslösen. Bestehen Hinweise, dass eine Carotisstenose vorliegen könnte, sollten diese abgeklärt werden. Neben Sehstörungen können bei einer Carotisstenose z. B. Sprachstörungen, vorübergehende Lähmungserscheinungen an Armen und Beinen oder Schwindelattacken auftreten.

Untersuchungen bei Verdacht auf Carotisstenose

Die Wahrscheinlichkeit, dass Herz-Kreislauf-Gesunde an einer ausgeprägten Carotisstenose erkrankt sind, ist äußerst gering. Ein Patient, dem zur Abklärung eines Augenproblems eine Untersuchung der Halsschlagader empfohlen wird, der aber ansonsten keine Symptome einer Herz-Kreislauf-Erkrankung aufweist, muss nicht unbedingt fachärztlich untersucht werden. Der Hausarzt kann sich mit Untersuchungen wie z. B. dem Knöchel-Arm-Index (ABI), dem Abhören der Halsschlagader und gegebenenfalls einem EKG Klarheit über die allgemeine Gefäßgesundheit eines Patienten verschaffen. Erst bei einem auffälligen Befund ist als nächster Schritt eine Ultraschalluntersuchung der Halsschlagader sinnvoll.

Patienten mit bekannten Herz-Kreislauf-Leiden, bei denen der Augenarzt eine durchblutungsbedingte Augenerkrankung vermutet, sollten sich ohnehin regelmäßig von einem Kardiologen untersuchen lassen. Stellt dieser eine ausgeprägtere Carotisstenose fest, wird die Halsschlagader regelmäßig mit dem Ultraschall untersucht.

Ist eine Behandlung erforderlich, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Dazu zählen zunächst allgemeine Maßnahmen, um zu verhindern, dass die Gefäßveränderungen fortschreiten, z. B. Tabakrauchverzicht, Gewichtsabnahme, körperliche Bewegung sowie Medikamente zur Behandlung eines Bluthochdrucks, zu hoher Cholesterin- oder Blutzuckerwerte. Darüber hinaus können im Einzelfall eine Aufweitung der Engstelle oder Entfernung von Ablagerungen in der Halsschlagader erforderlich werden.

Die Ultraschalluntersuchung der Halsschlagader ist bei Patienten mit einem höheren Herz-Kreislauf-Risiko also ein wichtiges Werkzeug bei der Schlaganfallprävention. Immerhin werden etwa 15 % aller durchblutungsbedingten Schlaganfälle durch eine starke Verengung oder den Verschluss der Carotis verursacht. Eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung der Carotisstenose können lebensrettend sein.

Ultraschalluntersuchung der Halsschlagader: Risiko Überdiagnose

Kardiologen raten jedoch davon ab, grundsätzlich allen Menschen ab einem bestimmten Alter einen Ultraschall der Carotis als Screeninguntersuchung anzubieten. Eine ausgeprägte Carotisstenose ohne andere Symptome einer Arterienverkalkung ist sehr selten, das Schlaganfallrisiko sehr gering. Bei den allermeisten Patienten mit einer ausgeprägten Carotisstenose liegen gleichzeitig Durchblutungsstörungen in anderen Körperregionen vor, beispielsweise am Herzen (koronare Herzkrankheit) oder im Bereich der Beine (periphere arterielle Verschlusskrankheit, pAVK), so dass sie sich ohnehin in kardiologischer Behandlung befinden oder befinden sollten.

Viele Menschen weisen im Alter eine leichte bis mittelgradige Verengung der Halsschlagader auf. Das bereitet den Allermeisten keinerlei Probleme und ist in der Regel kein Grund zur Sorge. Eine Ultraschalluntersuchung sollte nicht durchgeführt werden, wenn keine Beschwerden bestehen. Sie könnte sogar indirekt schaden, sollten sich unnötige, gar belastende Untersuchungen oder Behandlungen anschließen. Alles in allem sollte ein Carotisultraschall daher nur in begründeten Fällen durchgeführt werden.