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Weiße Dose und Kapseln. Cholesterin ist einer der Hauptrisikofaktoren für die Entstehung von Atherosklerose und Folgeerkrankungen wie Herzinfarkten und Schlaganfällen. © Stefano Escandiussi / Pixabay

Neue Richtwerte für die Cholesterinwert im Blut festgelegt © Stefano Escandiussi / Pixabay

Cholesterinsenkung als Primär- und Sekundärprophylaxe

Cholesterin, ein Blutfett, stand in den letzten Jahrzehnten wie kaum ein anderes medizinisches Thema im Mittelpunkt zahlreicher Gespräche, Diskussionen und Kontroversen. Auch wir haben schon mehrmals darüber berichtet. 2019 wurden die empfohlenen Cholesterinwerte nochmals weiter abgesenkt. Doch was steckt hinter Cholesterin, warum ist die Cholesterinsenkung so wichtig und was versteht man unter Primär- und Sekundärprophylaxe? Die Antworten haben wir für Sie im Folgenden zusammengefasst.

Cholesterin – ein wichtiger Baustoff im Körper

Chemisch betrachtet gehört Cholesterin zu den Fetten und gehört zu den Grundbausteinen des Körpers. Cholesterin wird im Körper unter anderem benötigt zum Aufbau der Zellwände sowie zur Herstellung wichtiger Botenstoffe (Hormone), zum Beispiel der Sexualhormone. Auch für die Herstellung der Gallensäure, welche zur Aufnahme von Nährstoffen im Darm benötigt wird, braucht man Cholesterin.

Warum macht zu viel Cholesterin krank?

Cholesterin ist an der Entstehung verschiedener Erkrankungen mit beteiligt. So spielt ein erhöhter Cholesterinspiegel im Blut eine Rolle bei der Entstehung der Atherosklerose, der „Arterienverkalkung“. Mögliche Folgen können Herzinfarkte oder Schlaganfälle, aber auch die Schaufensterkrankheit (periphere Arterielle Verschlusskrankheit) sein. Deswegen ist es eines der großen Ziele in der Medizin, den Cholesterinwert in einem gewissen Rahmen zu halten.

Wie viel Cholesterin ist zu viel?

In einigen großen Studien wurden in den letzten Jahrzehnten Empfehlungswerte für den Cholesteringehalt im Blut ermittelt, insbesondere für den LDL-Wert, einen Subtyp von Cholesterin, wobei die empfohlenen Werte in den letzten Jahren immer weiter gesenkt wurden.

Während der empfohlene Wert für LDL-Cholesterin für Patienten mit einem sehr hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen 2016 noch bei unter 70 mg/dl liegen sollte, so liegt der empfohlene Wert für die gleichen Patienten seit 2019 bei unter 55 mg/dl.

Wenn diese Grenzwerte dauerhaft überschritten werden, so zeigen Untersuchungen, steigt das Risiko an Atherosklerose und den damit verbundenen Folgeerkrankungen zu erkranken. Durch die neuen Grenzwerte erhoffen sich Wissenschaftler und Ärzte eine weitere Senkung cholesterin-bedingter Erkrankungen.

Wo genau der Grenzwert für den idealen Cholesterinwert im Blut liegt, hängt von verschiedenen Aspekten ab. Grundsätzlich gilt: Je höher das Risiko eines Patienten für eine Atherosklerose ist, desto niedriger ist der empfohlene Cholesterinwert bzw. LDL-Wert. So sollte der Spiegel des LDL-Cholesterins bei Personen mit einem insgesamt geringen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen unter 116 mg/dl liegen, bei moderatem Risiko unter 100 mg/dl und unter 70 mg/dl.

Cholesterinsenkung

Der Cholesterinwert kann grundsätzlich über zwei verschiedene Wege beeinflusst werden: über den Lebensstil (vor allem Ernährung und körperliche Aktivität) und durch Medikamente.

Es stehen zahlreiche Wirkstoffe zur Verfügung, die entweder allein oder in Kombination mit anderen Cholesterinsenkern zur Behandlung gegeben werden können. Dazu zählen vor allem die Statine (z. B. Atorvastatin), die die Herstellung von Cholesterin im Körper hemmen, Cholesterol-Reabsorptionshemmer (z. B. Ezetimib), welche die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm hemmen, sowie PCSK-9 Hemmer (z. B. Evolocumab), die an den Leberzellen wirken und dort die Aufnahme von Cholesterin aus dem Blut fördern. Dabei gilt, je mehr der Cholesterin- und der LDL-Wert gesenkt werden können, desto besser.

Primär- versus Sekundärprophylaxe

Allgemein und auch im Rahmen der Cholesterinsenkung unterscheidet man die sogenannte Primärprophylaxe von der Sekundärprophylaxe.

Unter Primärprophylaxe versteht man, dass Patienten mit erhöhtem Cholesterin behandelt werden, die momentan noch keine Komplikationen wie beispielsweise einen Herzinfarkt erlitten haben. Ziel der Therapie ist es, das Auftreten einer Atherosklerose insgesamt zu verhindern oder zu verlangsamen, auch wenn der Patient momentan noch gesund scheint.

Im Gegensatz dazu spricht man von Sekundärprophylaxe, wenn ein Patient behandelt wird, der schon erkrankt ist, also schon eine nachweisbare Atherosklerose vorliegt, und vielleicht sogar bereits eine Komplikation wie einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erlitten hat. Bei diesen Patienten liegt das Ziel der Behandlung darauf, das Fortschreiten der Erkrankung und das erneute Auftreten von Komplikationen, zum Beispiel eines weiteren Herzinfarktes oder Schlaganfalls, zu verhindern.

Die Unterscheidung nach Primär- und Sekundärprophylaxe ist deswegen relevant, weil für Patienten in der Sekundärprophylaxe grundsätzlich strengere Richtwerte für den Cholesterin- und den LDL-Wert gelten als für Patienten in der Primärprophylaxe. Dies liegt darin begründet, dass das Risiko einer Komplikation deutlich höher ist, je weiter die Atherosklerose fortgeschritten ist.

Fazit

Die Kontrolle des Cholesterinwerts ist eine der Grundsäulen in der Prävention und in der Behandlung von Atherosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die häufigste Todesursache in Deutschland. Durch die Fortschritte in der medikamentösen Therapie kann der LDL-Wert um bis zu 85 % reduziert und somit das Risiko für Atherosklerose und Folgeerkrankungen deutlich gesenkt werden. Die positiven Effekte einer Senkung der Cholesterinwertes wurden auch vielfach in Studien untersucht und bestätigt, wobei auch eine starke Senkung auf sehr niedrige Werte keine negativen Gesundheitsfolgen zu haben schien.