Ihr Herz-Kreislauf-Portal

Gesundheits-Apps helfen nicht nur jungen Menschen, herzgesund zu leben, auch Senioren lassen sich bei Therapie und Arztbesuch immer öfter durch Apps unterstützen. © Syda Productions / fotolia

Gesundheits-Apps helfen nicht nur jungen Menschen, herzgesund zu leben, auch Senioren lassen sich bei Therapie und Arztbesuch immer öfter durch Apps unterstützen. © Syda Productions / fotolia

Gesundheits-Apps für ein fittes Herz-Kreislauf-System

Puls messen, Kalorien zählen, den Schlafrhythmus überwachen, Trainingsanweisungen geben oder sogar Krankheiten diagnostizieren – es gibt anscheinend nichts, was Apps nicht können. Gesund zu werden oder zu bleiben beziehungsweise mit einer Herz-Kreislauf-Krankheit besser leben zu können, ist spielend leicht geworden. So zumindest wird es von den Herstellern gern vermittelt. Aber was ist wirklich dran an den Gesundheits-Apps?

Gesundheits-Apps für jeden 

Der Begriff App steht genau genommen lediglich für „Anwender-Programm“. Ursprünglich waren damit Programme auf mobilen Geräten gemeint, es gibt sie aber heute für alle Computer-Typen. Oft gehören spezielle Geräte wie Armbänder oder an der Kleidung zu befestigende Clips (Tracker) dazu, die verschiedene Daten erfassen. Aber auch Apps, in die man selbst die benötigten Angaben eingibt, sind üblich. Neben der technischen Vielfalt erschwert die Spanne der Themen und Programmdetails die Auswahl. 

Fitness-Apps und Health-Care-Anwendungen

Im Bereich der Fitness-Apps und Health-Care-Anwendungen geht es um die Unterstützung der Gesundheitsvorsorge durch Sport, gesunde Ernährung und/oder gesundheitsrelevante Informationen. In diesem Bereich gibt es einen regelrechten Massenmarkt an Produkten.

Die App „Lifesum“ beispielweise ist eine Art Personal Trainer für die Tasche. Weitere Beispiele sind die Fitness- und Ernährungs-Apps von Runtastic, die Ernährungs-App „Yazio“, der Herzfrequenzmesser „Kardiograph“ oder „Quitnow Pro“, eine App, die bei der Rauchentwöhnung unterstützt. 

Medizin-Apps 

Medizin-Apps sind zum einen Programme, die bei der Bestimmung von Risiken z. B. für Herzrhythmusstörungen helfen, zum anderen gibt es Apps zu Werte-Kontrolle z. B. des Blutzuckerwertes oder des Blutdrucks und zur Therapieunterstützung.

Dazu zählen Programme wie die Gesundheits-App „Cardiogram“ im Zusammenspiel mit der Apple Watch oder die App „Diabetes Plus“ zur Verwaltung diabetesbezogener Daten.

Spezielle Apps für Patienten dienen der Aufklärung über die Erkrankung und unterstützen bei der Therapie, indem sie die Therapietreue überwachen oder Daten erheben (Tracking) und meist auch speichern. Diese Daten sind in der Regel auch für den Arzt nutzbar. 

So hilft „Medisafe Medication Erinnerung“ bei der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten. Auch die kostenlose „Herzstiftung App“ kann zu dieser Gruppe gezählt werden; sie informiert unter anderem über Symptome bei Herzinfarkt und Herzinfarkt-Risiken und sie bietet Unterstützung zur Ersten Hilfe bei einem Herz-Notfall. 

Blutdruck messen per Handy ist zwar bislang nicht zuverlässig möglich, aber ein Sammeln und Auswerten der Blutdruck-Daten ist zum Beispiel durch die App „Mein Blutdruck“ möglich. Manche Blutdruckmessgeräte, wie das von Withings, können die Messdaten auch direkt ans Handy zur entsprechenden App übertragen.

Tipp: Auf der Plattform Digimeda können Sie gezielt nach Apps suchen, die für Ihre Erkrankung entwickelt wurden.

Versorgungs-Apps

Patient und/oder Arzt können mit Hilfe solcher Apps auf die elektronische Gesundheitsakte zugreifen und benötigte Daten auslesen oder aktuelle Daten (z. B. Blutdruckwerte) ergänzen. 

Ein aktuelles Bespiel dafür ist „vivy“, eine im Auftrag von 14 gesetzlichen und zwei privaten Krankenversicherungen entwickelte App. Mit „CardioCoach“, einer vom Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) mitentwickelten App, dokumentiert der Patient unter anderem wichtige Befunde und Laborwerte und macht die Informationen über die App für seine behandelnden Ärzte zugänglich.

Apps speziell für medizinische Fachkreise

Bei Apps für medizinische Fachkreise geht es zum einen um die praktische Hilfe bei Diagnose und Therapie. Zum anderen werden Informationen bereitgestellt – typisch sind News-Apps und Nachschlage-Apps z. B. zu Behandlungsleitlinien oder Wechselwirkungen von Medikamenten sowie zum Berechnen von Dosierungen, Infusionsraten usw.

Vorteile von Gesundheits-Apps

Der größte Vorteil von Apps jeder Art ist, sie mobil einsetzen zu können: Auf dem Smartphone oder Tablet hat man sie jederzeit bei der Hand, die Tracker sind bequeme Begleiter im Alltag oder beim Sport und viele Apps halten sich durch automatische Updates selbst auf dem neuesten Stand.

Für alle Anwendungen, die sich auf den Alltag beziehen – zum Beispiel ein insgesamt aktiveres Leben, regelmäßige Medikamenteneinnahmen oder Kontrollen von gesundheitsrelevanten Daten – ist es von großem Vorteil, dass sich Apps und Tracker leicht in das tägliche Leben integrieren lassen.

Durch die rasante technische Entwicklung sind ein immer genaueres Tracking und komplexere und damit individueller arbeitende Apps möglich.

Risiken bei Gesundheits-Apps 

Apps – auch Gesundheits-Apps – unterliegen keiner amtlichen Kontrolle. Bei reinen Warentests durch Medien oder Institute werden gelegentlich einzelne Apps auf ihre technische Leistungsfähigkeit, Anwenderfreundlichkeit und fachliche Sinnhaftigkeit geprüft. 

Die Risiken, die insbesondere im Fitness- und Consumerbereich sowie bei den Patienten-Apps auftreten, beziehen sich auf drei Bereiche:

  • fehlerhafte Messungen bei den Tracking-Elementen, z. B. bei der Pulsmessung
  • fachlich nicht belegbare Zusammenhänge als Grundlage für die Algorithmen
  • mangelnde Datensicherheit

Da User ohne einschlägige Ausbildung in der Regel nicht einschätzen können, wie gut eine App in diesen drei Bereichen arbeitet, ist es sinnvoll, sich nicht nur auf die Kundenmeinungen zu verlassen, die in den meisten Verkaufsportalen inzwischen Teil der Produktpräsentation sind. Vor allem ist es im Einzelfall schwierig zu unterscheiden, ob eine App bei der Erkennung, Behandlung oder Überwachung von Krankheiten oder Verletzungen im Sinne eines Medizinprodukts unterstützen soll oder es sich um eine Fitness- oder Gesundheits-App handelt.

  • Checkliste für Apps

    Die wenigsten Gesundheits-Apps sind von staatlicher Seite überprüft und zum Beispiel als Medizinprodukt zugelassen und erfüllen damit die besonderen Anforderungen bezüglich Risiko, Sicherheit, Qualität und Überwachung (an einem CE-Zeichen erkennbar). Nachfolgend haben wir Kriterien zusammengestellt, die Sie bei der Vorauswahl einer Gesundheits-App berücksichtigen sollten[1]:

    • Was kann die App?
      Welche Funktionen bietet sie? Brauche ich diese Funktionen?
    • Funktioniert die App?
      Bietet sie die versprochenen Funktionen wirklich? Wie kompliziert ist die Bedienung?
    • Kann ich die App uneingeschränkt nutzen?
      Achten Sie auf verfügbare Sprachen, ob zwingend ein Internetzugang nötig ist, die Kompatibilität mit Ihrem Smartphone. Passen die Ländereinstellungen? Einige gesetzliche und amtliche Regelungen z. B. zu Impfungen, Leistungen der Kassen etc. variieren, zum Teil sogar stark.
    • Bezahlung
      Was kostet mich die App? Wenn sie kostenlos ist: Wie finanziert sie sich (z. B. durch Werbeeinblendungen, Weiterverkauf meiner Daten)? Ist sie nur im Testzeitraum kostenfrei? Muss ich wichtige Zusatzfunktionen kostenpflichtig hinzubuchen?
    • Wie vertrauenswürdig ist die App?
      Ist der Anbieter klar erkennbar? Gibt es Kontaktmöglichkeiten bei Fragen und Problemen? Ist erkennbar, ob es Sponsoren oder Partner gibt (Interessen, die durch die App vertreten werden)? Gibt es regelmäßige Updates?
    • Datensicherheit
      Achten Sie auf: Identifikation mit Nutzername und Passwort, verschlüsselte Datenspeicherung, sichere Datenversendung, Vollständigkeit der Datenschutzerklärung, Verständlichkeit der Datenschutzerklärung, Sitz des Anbieters im In- oder Ausland.

    Informationen zu diesen Bereichen finden Sie jeweils im App-Store, auf der Webseite des App-Anbieters sowie in Testberichten von Nutzern, Medien und Institutionen.
    Tipp: Die Techniker-Krankenkasse bietet eine Checkliste, mit der Sie nach einem Punktesystem die ausgewählte App auf die Eignung für Sie prüfen können.
     

  • Siegel für Gesundheits-Apps

    Noch läuft die Diskussion, ob es ein amtliches Siegel für Gesundheits-Apps geben soll und wenn ja, für welche speziell. Einig ist man sich über die Elemente, die geprüft werden müssten[2]:

    • Unabhängigkeit, Fundiertheit und Relevanz von Gesundheitstipps und Unterstützungshilfen, Evidenz (wissenschaftliche Belegbarkeit) der Empfehlungen. Der Evidenzgrad einer Empfehlung geht auf wissenschaftliche Belege zurück.
    • Verständlichkeit der Aussagen, d. h. verständlich für die Patienten, an die sich die Information bzw. der Service richtet.
    • Anwendungsfreundlichkeit.
    • Schutz und Sicherheit der Gesundheitsdaten.

    Beispiel: Das DiaDigital-Siegel für Diabetes-Apps wird von der Deutschen Diabetes Gesellschaft zusammen mit dem Zentrum für Telemedizin und Telematik vergeben.

Fazit

Gesundheits-Apps können bequeme Helfer sein, wenn es um gesunde Lebensweise oder das Leben mit einer Erkrankung geht. Wichtig ist, dass man eine sorgsame Wahl trifft – Siegel, Zertifizierungen und vertrauenswürdige Institutionen oder Unternehmen als Herausgeber der Apps helfen dabei.

Grundsätzlich gilt aber auch für die beste App: Sie ist immer nur ein Hilfsmittel. Selbst wenn sie durch eine Reihe von individuell einzugebenden oder gemessenen Daten auf den Nutzer angepasste Ergebnisse und Tipps liefert, werden weitere Erkrankungen oder andere spezielle Umstände in der Regel nicht berücksichtigt. Sie sollten also immer mit Ihrem Arzt sprechen, bevor Sie ein Training, eine Umstellung der Lebensweise oder eine neue Therapieunterstützung mittels App beginnen.