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Mechanische Herzklappenprothese. © ivan68 / iStock

Mechanische Herzklappenprothese. © ivan68 / iStock

Mechanische und biologische Herzklappenprothesen

Damit das Herz das Blut optimal durch den Kreislauf pumpen kann, sind funktionierende Herzklappen sehr wichtig. Die Aortenklappe zum Beispiel sorgt dafür, dass das Blut während der Diastole und atrialen Systole  – also wenn der Herzmuskel entspannt ist – nicht aus der Hauptschlagader zurück ins Herz strömt.

Funktioniert eine Herzklappe nicht mehr ausreichend, kann man sie – je nach Situation – durch eine Operation wiederherstellen oder durch eine künstliche (genauer: körperfremde) Klappe ersetzen.

Material

Mechanische Herzklappenprothesen bestehen aus Metall und Kunststoff. Sie erzeugen ein typisches Klick-Geräusch, wenn sie zuschlagen. Wegen des Fremdmaterials besteht ein erhöhtes Risiko, dass sich an den anorganischen Flächen Blutgerinnsel bilden. Deshalb müssen diese Patienten ihr Leben lang gerinnungshemmende Medikamente einnehmen.

Biologische Ersatzklappen bestehen aus tierischem oder – seltener – menschlichem Gewebe. Die meisten biologischen Herzklappen werden entweder aus Aortenklappen von Schweinen oder aus Herzbeutelgewebe von Rindern hergestellt. Stabilisiert wird die Klappe durch einen Ring (Stent); dieser kann starr oder faltbar sein. Für spezielle Anwendungsgebiete gibt es auch biologische Klappen ohne Gerüst, sogenannte Stentless-Prothesen. Das Risiko ist sehr gering, dass sich an biologischen Klappen Blutgerinnsel bilden. Dafür ist die Haltbarkeit einer biologischen Prothese aufgrund von Verschleißerscheinungen begrenzt, so dass sie nach ungefähr 10 bis 15 Jahren wieder im Rahmen einer Operation ausgetauscht werden muss.

Wege der Implantation

Die klassische Version einer Herzklappenimplantation ist die Operation am offenen Herzen. Dafür wird der Blutkreislauf der bzw. des Betroffenen vorübergehend durch eine Herz-Lungen-Maschine aufrechterhalten. Der Chirurg bzw. die Chirurgin entfernt die alte Klappe und setzt die neue ein, indem er den starren Ring (Stent) mit dem Herzgewebe vernäht.

Auf diesem Wege werden auch sogenannte „Rapid deployment“-Prothesen eingesetzt. Diese haben einen faltbaren Stent, der entweder gar nicht oder mit weniger Stichen vernäht werden muss. Dadurch geht die Operation schneller.

Bei einigen Betroffenen kann eine biologische Aortenklappenprothese mithilfe eines Herzkathetereingriffs eingesetzt werden. Dabei ist die neue Herzklappe in einen kleinen faltbaren Stent eingenäht. Dieser wird im Bereich der alten Klappe aufgedehnt und schiebt dabei die bisherigen Klappen zur Seite. Lesen Sie hier mehr zur Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI).

Aktueller Stand

In einer Übersichtsarbeit haben Kardiologen aus Freiberg und Lübeck die Erfahrungen mit biologischen Aortenklappenprothesen zusammengestellt. Noch liegen für die „Rapid deployment“- und die TAVI-Prothesen keine Langzeitdaten vor, aber die mittelfristigen Daten halten die Mediziner für vielversprechend. Den wesentlichen Vorteil sehen sie derzeit vor allem darin, Klappentyp und Implantationsmethode noch individueller für Betroffene auswählen zu können.