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Wie eine Waffe am Herzen: Herzerkrankungen – auch unentdeckte – können zum plötzlichen Herztod führen. © viperagp / fotolia

Plötzlicher Herztod – oft war die zugrunde liegende Erkrankung noch nicht erkannt. © viperagp / fotolia

Plötzlich und unerwartet: Herzstillstand aus heiterem Himmel

Jung, sportlich, gesund, Herzstillstand – für Betroffene und Angehörige ist das kaum zu fassen. Der plötzliche Herztod ereilt in Deutschland jedes Jahr etwa 65.000 Menschen jeden Alters. In aller Regel ist er die Folge einer Herzerkrankung. Wenn diese nicht bekannt war, dann kommt der Herzstillstand buchstäblich unerwartet. Aber auch bei bekannten Vorerkrankungen spricht man von plötzlichem Herztod, wenn der Tod aus zuvor völligem Wohlbefinden innerhalb einer Stunde nach Beginn der Symptome eingetreten ist.

  • Was passiert beim plötzlichen Herztod?

    Unmittelbar eingeleitet wird der plötzliche Herztod vor allem durch das plötzliche Auftreten der bösartigsten Herzrhythmusstörung, dem Kammerflimmern. Diese führt innerhalb weniger Sekunden zum Kreislaufkollaps: Das Herz hört auf zu schlagen, der Blutdruck sinkt auf „Null“. Der Patient verspürt nach vier Sekunden eine „Leere“ im Kopf. Nach acht Sekunden bricht er bewusstlos zusammen. Nach zwei bis drei Minuten hört er auf zu atmen, weniger als zehn Minuten später ist er tot. 

  • Was sind die Ursachen?

    Am häufigsten liegt dem plötzlichen Herztod eine koronare Herzkrankheit (KHK) zugrunde. Sie spielt für Patienten jenseits der 40 die größte Rolle. Autopsien ergaben, dass 75 % der plötzlich Verstorbenen bereits an KHK erkrankt waren. 

    Besonders häufig ist die Herzschwäche (Herzinsuffizienz) – meist infolge einer KHK oder auch einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) – Grund für den plötzlichen Herztod. Weitere seltenere Ursachen sind Herzklappenerkrankungen und angeborene Herzfehler sowie ein hoher Blutdruck.

    Bei jüngeren Patienten vor dem 40. Lebensjahr zählen auch genetisch bedingte elektrische Herzerkrankungen (Ionenkanalerkrankungen) und Drogenkonsum (z. B. Kokain, Amphetamine) zu den – wenn auch seltenen – Ursachen für plötzlichen Herztod.  

  • Wen kann es treffen?

    Im Prinzip kann es jeden treffen – selbst junge und fitte Menschen, auch wenn das seltener vorkommt. Bei ihnen liegt die Ursache für den plötzlichen Herzstillstand in der Regel in einem (meist angeborenen) Herzfehler oder in einer unerkannt gebliebenen oder nicht sorgfältig ausgeheilten Herzentzündung.

    Das größte Risiko besteht aber für Menschen, die entweder bereits an einer Herzrhythmusstörung leiden oder an der koronaren Herzkrankheit. Das gilt auch dann, wenn die Beschwerden als so gering eingeschätzt werden, dass man die Ursache bislang nicht hat abklären lassen.

    Übrigens: Auch Sportler, die grundsätzlich gesund leben, können von einer koronaren Herzkrankheit betroffen sein. In dem Fall bilden sich über Jahre Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen, die diese allmählich verengen. Durch den beschleunigten Herzschlag und den erhöhten Blutdruck während des Sports können Verletzungen an verengten Herzkranzgefäßen auftreten, an denen sich Blutgerinnsel bilden, die das Herzkranzgefäß verschließen. Es kommt zum Herzinfarkt, der zu Kammerflimmern und schließlich dem Herztod führen kann. 

Achten Sie auf Warnsignale

Das Tückische am plötzlichen Herztod ist, dass er sich nicht ankündigt. Es gibt aber Warnsignale, die auf ein Herz-Problem hindeuten und die Sie zum Arzt führen sollten:

  • Brustschmerzen (Angina pectoris) und/oder Luftnot 
  • Herzrasen mit Einschränkung der Belastbarkeit
  • Hartnäckiges Herzstolpern
  • Kurze Bewusstlosigkeiten 
  • Schwindelanfälle, drohende Bewusstlosigkeiten

Sofort den Notarzt (112) alarmieren sollten Betroffene bei den typischen Herzinfarkt-Symptomen. Das sind insbesondere plötzlich einsetzende starke Schmerzen, die länger als fünf Minuten anhalten und sich in Ruhe nicht bessern. 

So können Sie vorbeugen 

Der wichtigste Teil bei der Vorbeugung eines plötzlichen Herztodes ist eine gesunde Lebensweise. Das heißt konkret:

  • Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol und Drogen meiden oder wenigstens minimieren
  • Übergewicht vermeiden, starkes Übergewicht reduzieren
  • Körperlich aktiv bleiben oder werden, idealerweise mit Ausdauersport
  • Ausgewogene, gesunde Ernährung

Wichtig ist zudem, dass man gesundheitliche Beschwerden nicht zu sehr auf die leichte Schulter nimmt. 

  • Bei Infektionen lieber schonen, bis sie ausgeheilt sind. Vor allem bei einer Herzentzündung sollten Sie sehr sorgfältig die Anweisungen des Arztes befolgen.
  • Warnsignale beachten – besonders, wenn sie wiederholt auftreten. 

Darüber hinaus sollten Sie allgemein die Gesundheit im Blick behalten, um Herz-Kreislauf-Probleme rechtzeitig zu erkennen und behandeln zu können.

  • Die regelmäßige Kontrolle von Blutdruck und Gewicht hilft, gesundheitliche Veränderungen zu bemerken. Blutfettwerte und Blutzucker werden am besten bei Check-ups durch den Arzt bestimmt. 
  • Sportler, vor allem Leistungssportler, sollten abklären lassen, ob ihr Herz gesund ist. Das sollte regelmäßig geschehen, um auch eine entstehende koronare Herzkrankheit frühzeitig zu erkennen

Erste Hilfe: So können Sie die Überlebens-Chance erhöhen 

Beim lebensgefährlichen Kammerflimmern ist kein regulärer Herzschlag mehr zu spüren. Ersthelfer müssen in einem solchen Fall schnell und richtig handeln, um den plötzlichen Herztod nach Möglichkeit zu verhindern. Das Kammerflimmern lässt sich durch einen Elektroschock mit einem Laien-Defibrillator (AED) beenden. In vielen Sportstätten sind solche Geräte bereits installiert, automatische Ansagen helfen nach Starten des Geräts bei der Anwendung. 

In jedem Fall sollten Ersthelfer bei beobachtetem Herzstillstand nach Prüfung der Atmung und nach Absetzen des Notrufs 112 sofort eine Herzdruckmassage durchführen, bis der Rettungsdienst mit dem Notarzt eintrifft. Sind mindestens zwei Helfer vor Ort und weiß einer, wo in unmittelbarer Nähe ein AED installiert ist, kann eine Person die Herzdruckmassage durchführen, während die andere den AED holt. 

Mehr zu diesem Thema finden Sie auf Kardionet unter dem Menüpunkt „Im Notfall“.