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Zigarette und USB-Ladekabel. E-Zigaretten kommen immer mehr in Mode, doch sind sie geeignet, um beim Rauchstopp zu unterstützen? © Gisela Peter/ pixelio

Sind E-Zigaretten eine gute Alternative, um mit dem Rauchen aufzuhören? © Gisela Peter / pixelio

Rauchstopp: Sind E-Zigaretten eine gute Alternative?

Rauchen gilt in Deutschland als größtes vermeidbares Gesundheitsrisiko. Seit den 1980er Jahren zeigte sich sowohl in der erwachsenen Bevölkerung als auch bei Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren ein Rückgang der Raucherquote – bis zum Jahr 2021. Im Dezember 2022 wurden die aktuellen Zahlen des vergangenen Jahres veröffentlicht – mit besorgniserregendem Ergebnis: eine deutliche Zunahme von Rauchern in allen Altersklassen. Neben herkömmlichen Zigaretten scheinen sich auch E-Zigaretten einer zunehmenden Beliebtheit zu erfreuen. Ob diese wirklich – wie vom Hersteller beworben – weniger gesundheitsschädigend als Tabakprodukte sind, ist noch nicht abschließend geklärt. (s. Magazinartikel „E-Zigaretten und Herzgesundheit“)

2022 erstmals wieder mehr Raucher in Deutschland

Seit 2016 wird im Rahmen der DEBRA-Studie regelmäßig das Rauchverhalten der deutschen Bevölkerung untersucht. 2022 zeigte sich entgegen dem Trend der letzten Jahre in allen Altersgruppen ein teils starker Anstieg der Raucherquote, vor allem in der Gruppe der Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren. So rauchten 2022

  • 15,9 % der 14- bis 17-Jährigen (8,7 % in 2021)
  • 40,8 % der 18- bis 24-Jährigen (35,6 % in 2021)
  • 35,6 % der über 25-Jährigen (30,8 % in 2021).

Auch der Anteil der Personen, die angaben, E-Zigaretten zu konsumieren, stieg an auf 2,5 % der 14- bis 17-Jährigen und auf 4  % der 18- bis 24-Jährigen. Gründe für den Anstieg der Raucherquote wurden in der Befragung nicht diskutiert.

Rauchstopp gelingt nur selten

Trotz der bekanntermaßen negativen Auswirkungen des Rauchens auf die Gesundheit und zahlreicher Warnhinweise und Bilder zur Abschreckung auf den Zigarettenverpackungen versuchten laut der Zahlen der DEBRA-Befragung im Jahr 2022 mit 8 % auch weniger Raucher als in den Vorjahren, mit dem Rauchen aufzuhören. Und von denen, die es probieren, schaffen es nur wenige, langfristig mit dem Rauchen aufzuhören.

Was macht den Rauchstopp so schwierig?

Dass es oftmals schwer ist, mit dem Rauchen aufzuhören, ist allgemein bekannt. Doch woran liegt das? Dafür verantwortlich ist in erster Linie die Suchtwirkung des Nikotins. Nikotin, welches sowohl in Zigaretten als auch in vielen E-Zigaretten enthalten ist, löst in unserem Gehirn die Freisetzung verschiedener Botenstoffe aus, die uns Wohlbefinden und Zufriedenheit signalisieren. Durch regelmäßiges Rauchen stellt das Gehirn schnell einen Zusammenhang zwischen dem Rauchen und einem positiven Gefühl her. Nach einer gewissen Zeit, verlangt das Gehirn dann nach einer regelmäßigen Nikotindosis. Kommt es ­– gewollt oder ungewollt – zu einer längeren Zeit ohne Zigaretten, kann das Unwohlsein und weitere Symptome wie Gefühle von Anspannung, Nervosität, Schweißausbrüche, Konzentrationsstörungen und leichte Reizbarkeit auslösen.

Neben dem Suchteffekt des Nikotins steckt aber auch ein gewisses Gewohnheitsverhalten hinter dem Rauchen. So ist das Rauchen für Viele eine tägliche Routinehandlung, mit dem Morgenkaffee, in Rauchpausen während der Arbeitszeit oder abends mit Freunden. Entscheidet man sich, mit dem Rauchen aufzuhören, erfordert dies häufig auch eine deutliche Umstellung des Alltags und viel Willenskraft.

Sind E-Zigaretten wirklich besser als normale Zigaretten?

Diese Frage ist noch nicht abschließend geklärt, vor allem, da Langzeitbeobachtungen noch fehlen. E-Zigaretten sind erst seit etwa 2007 in Deutschland erhältlich und erst in einigen Jahren wird man den Effekt von E-Zigaretten auf die Gesundheit besser beurteilen können.

  • Zigaretten
    Durch die Verbrennung von Tabak werden beim Rauchen von Zigaretten neben Nikotin zahlreich weitere Stoffe inhaliert, von denen einige die Bronchien dauerhaft schädigen und nachgewiesen krebserregend sein können.
  • E-Zigaretten
    Die Zusammensetzung der „Liquids“, die bei E-Zigaretten inhaliert werden, unterliegt speziellen EU-Richtlinien, dennoch gibt es große Schwankungen bei Nikotingehalt und Zusatzstoffen. Während man über manche E-Zigaretten (oder besser gesagt die verdampften „Liquids“) mehr Nikotin aufnimmt als über eine gewöhnliche Zigarette, kann man den Nikotingehalt der E-Zigaretten aber auch bewusst reduzieren. Manche „Liquids“ sind sogar nikotinfrei, das heißt, man inhaliert dann nur noch einen aromatisierten Dampf. Doch auch dieser kann potenziell krebserregende Stoffe enthalten.
    Der Gebrauch von E-Zigaretten kann zu Atemwegsirritationen und Entzündungen der Bronchien führen. Auch Kopfschmerzen, Husten und Übelkeit sind typische Nebenwirkungen des E-Zigaretten-Konsums.

Steigende Beliebtheit von E-Zigaretten

Gemäß der DEBRA-Studie nahm zuletzt nicht nur die Zahl der Raucher zu, sondern auch die Zahl derer, die angaben, E-Zigaretten zu konsumieren. Der stärkste Anstieg wurde auch hier in der Gruppe der 14- bis 17-Jährigen verzeichnet (von 0,5 % in 2021 auf 2,5 % in 2022). Auch unter (Ex-)Rauchern erfreute sich die E-Zigarette zuletzt steigender Beliebtheit.

Diese Entwicklung könnte einerseits darauf zurückzuführen sein, dass E-Zigaretten als weniger gesundheitsschädigend vermarktet werden als herkömmliche Zigaretten. Andererseits könnte auch die Vielzahl verfügbarer Aromen zur steigenden Beliebtheit der Geräte beitragen.

E-Zigaretten bei der Tabakentwöhnung

Mit zunehmender Beliebtheit der E-Zigaretten stellt sich die Frage, ob diese eine gute Alternative zur Zigarette sind, insbesondere bei Personen, die eigentlich mit dem Rauchen aufhören wollen.

  • Die Kontra-Seite:
    Das deutsche Krebsforschungszentrum und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfehlen die E-Zigarette nicht zum Rauchstopp. „Auch wenn der Schadstoffgehalt bei E-Zigaretten im Vergleich zu Tabakzigaretten geringer ist: Die Sicherheit und gesundheitliche Unbedenklichkeit der E-Zigarette ist nicht erwiesen. Gesund ist nur, weder zu dampfen noch zu rauchen.“
  • Die Pro-Seite:
    Die Website des britischen Gesundheitsministerium sagt hingegen „Ja“ zum Rauchstopp mittels E-Zigarette. Mithilfe von E-Zigaretten und einem persönlichen Coaching wäre es bereits tausenden Rauchern gelungen, mit dem Rauchen aufzuhören, und auch das Rückfallrisiko sei deutlich geringer als bei anderen Nikotinersatzprodukten wie zum Beispiel Nikotinpflastern. Auch eine Studienübersicht von 78 Studien sowie eine neue Untersuchung aus Deutschland zeigen, dass mehr Rauchende mithilfe von E-Zigaretten zu Nichtrauchern wurden als Rauchende, die andere Nikotinersatzprodukte oder keine Hilfsmittel benutzten.

Fazit

Inwieweit E-Zigaretten eine gute und gesündere Alternative zur „normalen“ Zigarette darstellen und zum Rauchstopp verwendet werden sollten, wird die Zukunft zeigen. Bis dahin gilt aber weiterhin: Finger weg von Zigaretten, egal ob elektronisch oder traditionell mit Tabak!