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Stents gibt es in verschiedenen Größen. © Zarathustra / fotolia

Stents gibt es in verschiedenen Größen. © Zarathustra / fotolia

Stent ist nicht gleich Stent

Bei der koronaren Herzkrankheit kommt das Leiden schleichend. Arteriosklerotische Plaques verengen die Arterien der Herzkranzgefäße und führen zu einer gefährlichen Unterversorgung des Herzen. Der Patient ist körperlich nicht mehr belastbar. Im fortgeschrittenen Stadium verspürt er schon im Ruhezustand eine Brustenge. Auch ein plötzlicher Herztod kann durch einen Verschluss der Herzkranzgefäße verursacht werden. Tatsächlich ist die koronare Herzkrankheit die häufigste Todesursache in den Industrienationen (1, 2, 3).

  • Stents retten Leben

    Die Behandlung von Patienten mit Beschwerden aufgrund verengter Herzkranzgefäße mit einem Stent ist seit Langem zur Routine geworden. Jedes Jahr werden in Deutschland mehrere hunderttausend Stents eingesetzt. Ein Stent ist eine hohle Gefäßstütze, die beispielsweise in ein Blutgefäß eingebracht wird, um nach dessen Aufdehnung einen erneuten Verschluss zu verhindern. In der Regel sind Stents aus Metall. Aus diesem Material lässt sich ein feinmaschiges, flexibles und trotzdem stabiles Gerüst herstellen, das sich ideal als Gefäßstütze eignet. Durch seine Gitterform kann der Stent schlank zusammengedrückt mit einem Katheter in das erkrankte Blutgefäß geschoben und dort entfaltet werden. Die Maschen des Stents passen sich dicht an die Form des zu stützenden Gefäßes an. Einmal eingebracht, hält der Stent das Gefäß in Form, um den Blutfluss zum Herzen sicherzustellen.

    Stent ist jedoch nicht gleich Stent. Die radiale Festigkeit und Biegsamkeit des Stent hängt von der genauen Form und dem Material dieses Gitters ab. Auch verschiedene Größen stehen passend für den Durchmesser des zu stützenden Gefäßes zur Verfügung. Je nach Anwendungsgebiet unterscheiden sich die Stents jedoch nicht nur in Form und Größe sondern auch im verwendeten Material.

  • Unbeschichtete Stents

    Unbeschichtete Stents bestehen aus Metall (bare metal stents, BMS). Hierbei werden unterschiedliche Legierungen verwendet. Meist handelt es sich um medizinischen Edelstahl oder Kobalt-Chrom- sowie Kobalt-Nickel-Legierungen. Diese Materialien sind trotz ihrer Stärke flexibel und der Körper stößt sie nicht ab.

    Ganz neu sind beispielsweise Stents aus einer Platin-Chrom-Legierung, deren höhere Dichte die Verwendung dünnerer Stentstreben erlaubt. Diese sind im Röntgenbild für den Arzt auch besser sichtbar.

  • Mit Medikamenten beschichtete Stents

    Es kann vorkommen, dass sich das Blutgefäß nach Aufdehnung und anschließender Einfügung eines Stent erneut verschließt. Dies passiert, wenn das sich an der beschädigten Stelle bildende Narbengewebe zu wuchern beginnt.

    Um diese unerwünschte Zellvermehrung an der Gefäßwand zu unterdrücken, wurden Stents entwickelt, die mit einem Medikament beschichtet sind. Diese sogenannten „drug eluting stents“ setzen einen Wirkstoff in sehr geringer Konzentration über einen langen Zeitraum hinweg frei, und zwar gezielt im gefährdeten Bereich der Gefäßwand. Verwendet werden, je nach Bedarf, beispielsweise das Immunsuppressivum Everolimus oder das Zytostatikum Paclitaxel. Diese Wirkstoffe hemmen das Zellwachstum und sollen so verhindern, dass sich das Blutgefäß erneut verengt.

  • Bioresorbierbare Stents

    Der Metallstent verbleibt zeitlebens im Körper. Zukünftige Operationen können jedoch durch den Stent erschwert werden und es kann zu Langzeitnebenwirkungen kommen. Aus diesem Grund begann vor einigen Jahren die Suche nach neuen Materialien für Stents, die eine beschädigte Ader vorübergehend zur Gefäßheilung abstützen und sich dann nach einiger Zeit von selbst auflösen. Diese neuen Stents müssten sowohl die Anforderungen eines flexiblen Stützgerüsts erfüllen, als auch im Körper vollständig und unschädlich abbaubar (resorbierbar) sein.

    Auch solche nur vorübergehend stützende Stents können mit einem Medikament beschichtet werden, das einen erneuten Gefäßverschluss verhindert. Die Vorteile eines resorbierbaren Stents liegen auf der Hand. Einige Medikamente könnten nach der vollständigen Auflösung des Stens überflüssig werden, fremdkörperbedingte chronische Entzündungen und Wiederverschlüsse könnten vermieden werden und das Blutgefäß erhielte seine natürliche Beweglichkeit zurück.

    Ein vielversprechendes Stentmaterial ist ein abbaubares Polymer der Milchsäure, das auch schon als resorbierbares Nahtmaterial oder Knochenschrauben bei Operationen verwendet wird. Es gleicht in seinen Eigenschaften herkömmlichen Kunststoffen, löst sich aber je nach Zusammensetzungen innerhalb von wenigen Wochen bis Jahren vollständig auf. Es gibt auch Metallstents, die sich auflösen. Diese sind aus Magnesiumverbindungen.

    Noch befinden sich die neuartigen Stents in der Entwicklung.

  • Welcher Stent ist der richtige für mich?

    Vertrauen Sie auf Ihren behandelnden Arzt. Er wird den für Sie passenden Stent nach medizinischen Gesichtspunkten auswählen. Jeder Stent ist aufgrund seiner  Form und dem verwendeten Material unterschiedlich für den Arzt zu handhaben. Manche Materialien sind sehr gut verträglich, ihre Festigkeit ist möglicherweise für bestimmte Anwendungen nicht geeignet. Andere Materialien haben wiederum eine hervorragende Sichtbarkeit im Röntgenbild, die dem Arzt eine präzise Platzierung des Stent ermöglicht. Auch Begleiterkrankungen spielen bei der Auswahl des Stent eine Rolle.

    Beschichtete Stents haben den Vorteil, dass sie einer erneuten Gefäßverengung durch einwachsende Zellen entgegenwirken. Besonders in Fällen, wo sich nach einer Gefäßaufweitung oder trotz implantiertem Stent erneute Verengungen gebildet haben, kommen beschichtete Stents zum Einsatz. Auch bei einer Eröffnung eines chronisch verschlossenen Herzkranzgefäßes wird beschichteten Stents der Vorzug gegeben. Sie sind jedoch nicht für alle Patienten geeignet.

    Denn um ein komplikationsloses Einheilen aller Stents zu ermöglichen, muss nach dem Einsetzen eines Stents regelmäßig der Blutverdünner Acetylsalicylsäure (Aspirin) und zusätzlich über einen bestimmten Zeitraum ein weiteres Medikament (Wirkstoffe Clopidogrel, Prasugrel oder Ticagrelor) eingenommen werden. Während dies bei einfachen Metallstents und stabiler koronarer Herzkrankheit nur über einen Zeitraum von einigen Wochen notwendig ist, sollten Träger von beschichteten Stents diese Medikamente über ein halbes bis ganzes Jahr einnehmen.

    Bei Patienten, die Blutverdünner wie Acetylsalicylsäure (Aspirin), Clopidogrel, Prasugrel oder Ticagrelor nicht vertragen oder bei denen eine weitere Operation ansteht, sind unbeschichtete Stents daher vorteilhafter. Auch bei Patienten, die dazu neigen, ihre Medikamenteneinnahmen zu vergessen, und bei Menschen mit hohem Blutungsrisiko werden meist unbeschichtete Stents verwendet.

Mehr zu einer Behandlung mit Stent und der erforderlichen Nachsorge können Sie hier in unserer Rubrik „Beim Arzt“ nachlesen.

  • Über diesen Artikel

    Autor: Redaktion / CPO
    Aktualisierung: 3. 8. 2018 / CPO

    Quellen:

    1. Classen, Diehl, Kochsiek: Innere Medizin. 5. Auflage. Urban & Fischer-Verlag München 2006
    2. H. Renz-Polster u. a.: Basislehrbuch Innere Medizin. 3. Auflage. Urban und Fischer-Verlag München 2004
    3. Todesursachenstatistik: Gesundheitsberichterstattung des Bundes

    Bildnachweise: Titelbild © Zarathustra / fotolia.com