Ihr Herz-Kreislauf-Portal

Entspannte Frau mit Smartphone. Für das Screening zu Hause gut geeignet: Herzrhythmus-App. © akiragiulia / Pixabay

Für das Screening zu Hause gut geeignet: Herzrhythmus-App. © akiragiulia / Pixabay

Schlaganfall-Vorsorge: Überwachung des Herzrhythmus

Etwa 20 % aller Schlaganfälle gehen auf unerkanntes Vorhofflimmern zurück. Trotzdem bleibt diese Herzrhythmusstörung im Vorfeld meist unerkannt, da sie schwer zu diagnostizieren ist. Die Gründe dafür: Vorhofflimmern tritt oft anfallsweise auf und viele Patienten spüren keine Symptome. So bleibt die Erkrankung lange unentdeckt und das Schlaganfallrisiko für Betroffene bleibt hoch. Dabei könnte eine rechtzeitige Therapie mit Gerinnungshemmern das Schlaganfallrisiko erheblich senken. Mit Hilfe von Apps kann man den eigenen Herzrhythmus kontrollieren und Unregelmäßigkeiten bemerken, so dass eine frühzeitige Abklärung und nötigenfalls auch Behandlung möglich sind.

  • Vorteil von Apps: Längere Zeiträume

    Vorhofflimmern und andere Herzrhythmusstörungen treten oft nur sporadisch auf. Es kann also sein, dass bei einem 24-Stunden-EKG trotz bestehender Erkrankung gerade keine Episode auftritt. Die Chance, eine Störung zu erfassen, ist also bei längerer Selbstmessung größer. Bewiesen wurde das bereits anhand von kleinen EKG-Geräten zur Selbstanwendung. Der Vorteil einer App gegenüber solchen Geräten: Sie ist bequemer zu handhaben und lässt sich auch unterwegs einsetzen.

  • Zum Beispiel: Preventicus Heartbeats

    Preventicus Heartbeats ist ein klinisch validiertes Medizinprodukt und entstand in enger Zusammenarbeit mit Kardiologen. Die App basiert auf der Photoplethysmographie – eine Untersuchungsmethode, die sich die Lichtreflexion des roten Blutfarbstoffs zunutze macht. Dabei dient die Smartphone-Kamera als Sensor, der eine Pulskurve aufnimmt. Aus dieser Pulskurve ermittelt die App mit Hilfe von Algorithmen den Herzrhythmus. So lässt sich ein sehr äußerst unregelmäßiger Puls (Absolute Arrhythmie) mit Verdacht auf Vorhofflimmern erkennen. Auch Hinweise auf häufige Extrasystolen, Bradykardie oder Tachykardie können sich ergeben.

    Bei allen Ergebnissen handelt es sich um Verdachtsdiagnosen eines digitalen Medizinproduktes, nicht um eine eigentliche Diagnose im medizinischen Sinn. Aber: Teil der App ist auch die Dokumentation der Daten, diesen Report kann Ihr Arzt ähnlich wie einen EKG-Rhythmusstreifen lesen und gegebenenfalls weitere Untersuchungen empfehlen.

    Darüber hinaus arbeitet Preventicus mit verschiedenen Krankenkassen zusammen. Wenn Sie ein solches Programm zum Vorhofflimmer-Screening nutzen, werden die Daten an Fachleute weitergeleitet, die Sie bei Auffälligkeiten mit einem Kardiologen in Ihrer Nähe in Kontakt bringen. Dieser kann dann weitere Untersuchungen vornehmen.

     

Idealerweise misst man für zwei Wochen zweimal täglich routinemäßig für einen Langzeit-Überblick sowie bei spürbarem Herzstolpern.

Die Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) sowie der European Heart Rhythm Association empfehlen das regelmäßige Messen des Herzrhythmus (vor allem das „Vorhofflimmer-Screening“) für Menschen mit steigendem Schlaganfallrisiko:

  • generell ab einem Lebensalter von 65 Jahren
  • ab 55 Jahren bei Vorliegen von weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren (z.B. Bluthochdruck, Diabetes, nach Schlaganfall o. Herzinfarkt, bei gespürtem Herzstolpern)
  • nach ärztlicher Empfehlung

 

Lesen hier mehr zu diesem Themenkreis:

Autor: Redaktion / Ulrike Jonack
Erstellt: 2.2.2021
Literatur:

Bildnachweis: Titelbild © akiragiulia / pixabay.com