Ihr Herz-Kreislauf-Portal

Venenthrombose

Bei einer Venenthrombose behindert ein Blutgerinnsel in den Venen den Rückstrom des Blutes zum Herzen oder verschließt die betroffene Vene komplett. Löst sich das Blutgerinnsel ab, kann es über den Blutstrom in die Lunge gelangen und dort eine lebensbedrohliche Lungenembolie auslösen. Der Fachbegriff für Venenthrombose lautet Phlebothrombose.

  • Was ist eine Venenthrombose?

    Eine Venenthrombose ist eine Gefäßerkrankung, bei der sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einem Blutgefäß bildet. Venenthrombosen können in allen Gefäßen auftreten, entstehen aber meist in den tiefen Becken- oder Beinvenen, weshalb man sie als tiefe Venenthrombose bezeichnet. Die tiefe Venenthrombose ist nach Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste akut auftretende Herz-Kreislauf-Erkrankung. Frühzeitiges Erkennen und Behandeln einer Venenthrombose sind essenziell.

  • Zusammenhang zwischen Thrombose und Lungenembolie

    Ein Blutgerinnsel, das sich von der Venenwand löst, kann mit dem Blutstrom über die untere Hohlvene, den rechten Vorhof und die rechte Herzkammer in beide Lungenarterien bis zur Lunge weitertransportiert werden. Der Thrombus kann dort steckenbleiben und eine Lungenarterie verschließen. Je größer der Thrombus, desto größer ist das dahinter nicht mehr durchblutete Lungengebiet und die Lungenembolie. Der Blutstau vor dem Thrombus führt zu einer Druckerhöhung im Blutkreislauf innerhalb der Lunge und damit zur Belastung des rechten Teils des Herzens. Daraus kann sich dann eine Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) entwickeln. Auch wenn die rechte Herzhälfte noch funktioniert, so ist doch zumindest die Blutmenge vermindert, welche die Lunge durchströmt und zur linken Herzhälfte fließen kann.

  • Risikofaktoren

    Die Anzahl der an Venenthrombose Neuerkrankten steigt ab dem 50. Lebensjahr zwar deutlich an, aber es sind auch jüngere Menschen betroffen. Besonders gefährdet, eine Thrombose zu entwickeln, sind unter anderem Menschen nach Verletzungen und Operationen, besonders Gelenkersatzoperationen, bettlägerige oder gelähmte Menschen, Patienten, bei denen ein oder beide Beine ruhiggestellt sind oder die Bluttransfusionen erhalten haben, und Patienten mit Herz- oder Lungenerkrankungen oder Krebspatienten.

    In einigen Fällen liegt der erhöhten Gerinnbarkeit des Blutes auch eine erbliche Veranlagung zugrunde. Auch in der Schwangerschaft ist das Risiko für eine Venenthrombose erhöht. Manche Medikamente, zum Beispiel die Antibabypille in Kombination mit dem Rauchen, können die Blutgerinnung beschleunigen.

  • Ursachen

    Verlangsamung des venösen Blutflusses

    In den Venen fließt das Blut von Natur aus sehr viel langsamer als in den Arterien. Hauptsächlich wird der venöse Blutfluss in den Beinen durch die Muskelpumpe der Wadenmuskeln gesteuert. Beim Gehen und Laufen pressen die Muskeln die Venen zusammen und fördern dadurch den Blutfluss zum Herzen.

    Ist das Bein ruhiggestellt, sei es z. B. durch einen Gips, durch Lähmung, Immobilisierung, Bettlägerigkeit oder auch auf langen Flugreisen, werden die Muskeln und damit die Muskelpumpe nicht ausreichend aktiviert. Die Fließgeschwindigkeit des Blutes wird verlangsamt und es kann sich leichter eine Venenthrombose bilden.

    Veränderung der Zusammensetzung bzw. vermehrte Gerinnungsneigung des Blutes

    Die Blutgerinnung hängt von verschiedenen Einflüssen ab. Zum Beispiel gerinnt das Blut nach einer größeren Verletzung oder nach Operationen schneller, damit Blutverluste vermieden werden. Auch bei manchen Erkrankungen, speziell Krebserkrankungen, unter der Einnahme mancher Medikamente sowie bei Flüssigkeitsmangel im Körper, ist die Blutgerinnungsfähigkeit erhöht. Darüber hinaus können auch vererbte Konditionen und Erkrankungen, bei denen die Blutplättchen oder die roten Blutzellen vermehrt sind, zur schnelleren und stärkeren Blutgerinnung führen. 

    Veränderungen der Venenwand

    Damit das Blut ungehindert fließen kann, müssen die Innenwände der Blutgefäße glatt sein. Krampfadern, Entzündungen, Rauchen oder Veränderungen durch Verletzungen und vorausgegangene Venenthrombosen können die Gefäßwand rau machen. Winzig kleine Gerinnsel können dann besser anhaften und den Ausgangspunkt für die Entstehung von Venenthrombosen bilden.

  • Beschwerden

    Tiefe Venenthrombosen werden oft nicht erkannt, da sie häufig ohne Beschwerden einhergehen. Bei folgenden Symptomen sollten Sie wachsam sein und einen Arzt aufsuchen:

    • Schwellung an einem Fußknöchel mit Spannungsgefühl
    • Schmerz in der Wade beim Auftreten
    • Überwärmung des geschwollenen Beins
    • Plötzliche Atemnot kann auf Lungenembolie hinweisen
  • Untersuchungen

    Neben der Erhebung der Krankengeschichte und der klinischen Untersuchung durch den Arzt können bestimmte diagnostische Verfahren zur Untersuchung der Blutgefäße zum Nachweis einer Venenthrombose herangezogen werden. Im Folgenden sind drei wichtige Verfahren vorgestellt.

    Der Kompressionsultraschall

    Bei Patienten, die akute Symptome einer Venenthrombose aufweisen, kann der sogenannte Kompressionsultraschall (Kompressionssonografie) angewendet werden. Diese Untersuchungsmethode dient zum Nachweis von oberflächlichen und tiefen Venenthrombosen. Sie ist einfach und nebenwirkungsfrei. Bei diesem Verfahren wird mit dem Schallkopf auf die zu untersuchende Vene gedrückt und geprüft, wie sehr sich diese komprimieren lässt. Eine offene Vene lässt sich vollständig komprimieren, da der Venendruck normalerweise niedrig ist. Ist die Vene mit einem Blutgerinnsel verstopft, dann ist sie nicht oder nur wenig komprimierbar.

    Der Duplex-Ultraschall

    Der Duplex-Ultraschall (Duplexsonografie) ist auch ein spezielles Ultraschallverfahren. Dieses kombiniert die Darstellung des Aufbaus und der Gestalt von Blutgefäßen per Ultraschall (Sonografie) mit einer Messung des Blutflusses mit der sogenannten farbkodierten Dopplermessung.

    Phlebografie

    Diese Untersuchung wird heutzutage selten durchgeführt, da mit den Ultraschallmethoden sehr genaue und empfindliche Untersuchungsverfahren zur Verfügung stehen.

    Unter einer Phlebografie versteht man die Darstellung der Unterschenkelleitvenen bis zur großen Vene im Bereich des Oberschenkels, der sogenannten Vena femoralis, durch eine spezielle Röntgenuntersuchung. Die Darstellung der Venen erfolgt nach Injektion von Röntgenkontrastmittel in eine oberflächlich gelegene Vene, z. B. am Fußrücken. Mittels Funktionsaufnahmen zu verschiedenen Zeitpunkten lassen sich die Venen detailliert beurteilen. Durch das Kontrastmittel ist das Blutgerinnsel in der Phlebografie in der Regel gut sichtbar. Von Nachteil ist u. a. die notwendige Kontrastmittelgabe. 

     

  • Behandlung

    Eine tiefe Venenthrombose sollte sofort behandelt werden, mit dem Ziel, das Thrombosewachstum zu hemmen bzw. die Thrombose zu beseitigen und eine Lungenembolie  zu verhindern. Auch gilt es, einer dauerhaften Schädigung der Venen bzw. der Venenklappen nach einer Thrombose vorzubeugen.

    Die Behandlung gründet sich hauptsächlich auf folgenden Maßnahmen:

    • Sofortige medikamentöse Behandlung zur Blutverdünnung unabhängig davon, ob die Venenthrombose Beschwerden verursacht oder nicht; z. B. mit einem Heparin oder einem blutverdünnenden Medikament in Tablettenform (Marcumar oder neuere Blutverdünner). Die Blutverdünnung wird zunächst über 3-6 Monate durchgeführt, je nach Einschätzung des Arztes bezüglich des Risikos einer erneuten Venenthrombose evtl. auch länger
    • Medikamentöse Therapie zur Auflösung des Blutgerinnsels (Thrombolyse)
    • Entfernung des Blutgerinnsels unter Verwendung eines Katheters oder in einer offenen Operation (Thrombektomie) (nur selten nötig)
    • Kompressionsbehandlung mit elastischen Binden (Kompressionswickel)

    Bewegung kann die Therapie unterstützen.

  • Tipps zu Vorbeugung

    Im Folgenden finden Sie einige Tipps zur Vorbeugung einer Venenthrombose:

    So beugen Sie vor:

    Bewegung

    • Sportarten wie z. B. Schwimmen, Radfahren, Laufen, Aquagymnastik oder Walken
    • Spazierengehen oder Wandern
    • Venenübungen
    • Wechselduschen und Wassertreten

    Viel trinken

    • Pro Tag sollten Sie etwa zwei Liter Flüssigkeit zu sich nehmen, wenn es heiß ist, auch mehr
    • Ungesüßter Kräutertee oder Mineralwasser mit niedrigem Natriumgehalt sind am ehesten zu empfehlen

    Medikamentös

    Vermeiden Sie:

    Hohe Absätze

    • Tragen Sie flache Schuhe mit gesundem Fußbett
    • Laufen Sie, wenn möglich, barfuß

    Langes Sitzen und Stehen

    • Legen Sie die Beine von Zeit zu Zeit hoch
    • Stehen Sie zwischendurch auf und gehen Sie ein paar Schritte
    • Lockern Sie die Beine